WIRTSCHAFT
22/09/2015 16:44 CEST | Aktualisiert 22/09/2015 19:15 CEST

Abgas-Betrügereien: 5 Gründe, warum der VW-Skandal noch viel größer ist als viele ahnen

Getty

Einen derartigen wirtschaftlichen Skandal hat es in Deutschland schon Jahrzehnte nicht gegeben. VW hat in großem Stil bei Abgas-Bestimmungen betrogen. Bei elf Millionen Autos haben VW-Techniker eine Software installiert, die bei Kontrollen niedrigere Abgaswerte anzeigt als im Alltagsbetrieb.

Das kommt jetzt auf VW zu: Die US-Umweltbehörde EPA fordert den Rückruf von rund 500.000 Autos. Außerdem drohen VW eine Strafzahlung von bis zu 18 Milliarden Euro sowie hohe Regressforderungen der Käufer der 500.000 Autos etwa wegen Verbrauchertäuschung und möglichen Gesundheitsschäden.

Die Enthüllungen werden enorme Folgen haben - nicht nur für VW, sondern für die gesamte deutsche Wirtschaft.

5 Gründe, warum der VW-Skandal noch viel größere Auswirkungen haben wird als viele derzeit ahnen.

1. Die Regierung wusste offenbar von den Abgas-Betrügereien. Das geht aus einer Anfrage der Grünen-Bundestagsfraktion an das Verkehrsministerium hervor, die der "Welt" vorliegt. Damit ist aus der Wirtschafts- eine Staatsaffäre geworden. Auch Konsequenzen für einzelne Minister sind nicht auszuschließen.

2. Noch schlimmer: VW ist womöglich nicht der einzige Autobauer, der mit einer Software betrügt, die der Regierung bekannt ist Wie aus dem Papier hervorgeht, ist der Bundesregierung seit Langem bekannt, dass Autohersteller bei Abgastests Abschalteinrichtungen benutzen können, wie sie Volkswagen in den USA manipulativ eingesetzt hat.

3. Verkehrsminister Dobrindt könnte das sein Amt kosten. Der Minister stellt sich jetzt als Unschuldigen der, der die Affäre schnellstmöglich untersuchen will. Doch es ist nicht auszuschließen, dass er damit nur seine eigene Rolle in dem Skandal verschleiern will.

Am Dienstag kündigte Dobrindt eine Untersuchungskommission an. Das Gremium unter Leitung von Staatssekretär Michael Odenwald werde noch diese Woche nach Wolfsburg reisen und Einblick in Unterlagen erbitten, so das Verkehrsministerium.

4. Auch die europäische Kommission in Brüssel soll davon gewusst haben. Das geht ebenfalls aus dem Papier des Verkehrsministeriums hervor.

5. Das Gütesiegel "Made in Germany" steht auf dem Spiel. Der Skandal bringt nicht nur die Glaubwürdigkeit von VW, sondern die der gesamten deutschen Autobranche massiv in Gefahr. Gerade in den USA, einem der größten Absatzmärkte für deutsche Autos, werden das Autohändler unweigerlich zu spüren bekommen.

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