POLITIK
20/09/2015 15:36 CEST | Aktualisiert 20/09/2015 16:04 CEST

Bundespolizei warnte schon im Frühjahr vor Flüchtlingsandrang - die Regierung ignoriert das

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Die enorme Zahl von Flüchtlingen war eine große Überraschung für Deutschland. So scheint es jedenfalls. Tatsächlich erwecken viele Spitzenpolitiker immer wieder genau diesen Eindruck.

Denn klar ist: Hätten wir früher damit begonnen, uns auf den Ansturm vorzubereiten, wäre es nun nicht so schwierig, die Ankömmlinge zu registrieren, sie zu verpflegen und sie unterzubringen. An manchen Orten herrscht totales Chaos. Kein Tag vergeht, an dem nicht weitere Hilfsorganisationen oder Grenzschützer Alarm schlagen.

In München etwa können Kinder von Flüchtlingsfamilien kaum noch angemessen versorgt werden. Viele von ihnen leiden unter Angststörungen, warnen Experten. Doch helfen kann ihnen niemand, weil es zu wenig Personal gibt.

Doch so groß kann die Überraschung für die Bundesregierung nicht gewesen sein. Denn schon seit Monaten ist klar, wie viele Menschen kommen werden. Das Problem: Die Bundesregierung ignorierte die Warnungen.

So lagen dem Innenministerium nach Informationen der "Welt" bereits im ersten Quartal entsprechende Prognosen vor. "Eine Million kommen in 2015", warnte die Bundespolizei damals laut "Welt".

Doch das wollte niemand hören. Damals blickten alle auf die Krisen in der Ukraine und in Griechenland. Innenminister Thomas de Maizière sprach erst im August von 800.000 Flüchtlingen. In den Monaten davor wurde die Zahl Stück für Stück nach oben korrigiert.

Erst jetzt spricht die Bundesregierung von einer Million Flüchtlinge, die dieses Jahr nach Deutschland kommen. Das Innenministerium wollte einfach nicht wahrhaben, was längst absehbar war. Oder es wollte sogar - so lange es eben geht - die Öffentlichkeit beruhigen.

Woran es tatsächlich lag, muss nun analysiert werden. Klar ist, dass diese Informationspolitik nur zu noch größerer Angst und Skepsis in der Bevölkerung führt. Wenn manche die Regierung pauschal der Lüge bezichtigen, ist das nun nicht mehr so einfach von der Hand zu weisen.

Wichtiger noch: Weil die Zahl von Flüchtlingen weltweit wächst, wird es nicht bei dieser einen Million pro Jahr bleiben. Es ist an der Zeit, über die tatsächlichen Zahlen zu sprechen.

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200 Menschen aus Deutschland, darunter Politiker, Schauspieler, Musiker, Studenten und andere Menschen haben in der Huffington Post ein wichtiges Zeichen gesetzt: Sie haben den Flüchtlingen in Deutschland zugerufen: "Willkommen, gut, dass ihr hier seid, weil..."

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