Die Geschichte eines Tweets, der die Tore für syrische Flüchtlinge öffnete

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Die Botschaft war kurz, 140 Zeichen. Sie war auch nicht in einer Weltsprache verfasst, sondern in behördlichem Deutsch. Und doch löste sie eine weltweite Reaktion aus: Ein Tweet des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge vom 25. August war mitverantwortlich für Flüchtlingsmassen am Münchner Hauptbahnhof, für dramatische Szenen an der Grenze von Ungarn zu Serbien, aber auch für herzliche Empfangskommandos. Die Nachricht, die in der aktuellen Asylbewegung alles veränderte:

Interessanterweise wurde der Tweet bestens verstanden. Mit der Bedeutung: Für Syrer ist das Dublin-Abkommen ausgehebelt. Die europäische Übereinkunft verpflichtet Flüchtlinge, in dem EU-Land zu bleiben, in dem sie erstmals registriert wurden. Nun hieß es also: Wer nach Deutschland weiterreist, wird nicht zurückgeschickt. Eine Willkommensgeste in 140 Zeichen.

Die Syrer feierten Angela Merkel, weltweit gab es Anerkennung. Obwohl Merkel selbst da noch gar nicht so viel zur Flüchtlingskrise gesagt hatte. Innenminister Thomas de Maizière beschwichtigte zwar im Anschluss: Das Dublin-System sei nicht abgeschafft, sondern mehr oder weniger unverbindlich ausgesetzt.

Doch ein Zurück gibt es nicht mehr. Deutschland ist unumkehrbar die wichtigste Anlaufstelle für Syrer auf der Flucht geworden. Bewirkt hat das - unter anderem - ein einziger Tweet.

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