"Homöopathie kann lebensgefährlich sein": Hier rechnet ein Medizinprofessor mit der Alternativmedizin ab

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HOMOEOPATHIE
Hilft Homöopathie wirklich? | thinkstock
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Seit Jahren bereits befindet sich die Homöopathie hierzulande auf dem Vormarsch. Verdünnte Küchenzwiebeln gegen Heuschnupfen oder Globuli anstelle von Aspirin - alternative Heilmethoden boomen. Im vergangenen Jahr machten Apotheken mit homöopathischen Präparaten einen Umsatz von fast 500 Millionen Euro. Aus einer Umfrage ging zudem hervor, dass sich etwa 62 der Deutschen wünschen, dass ihr Hausarzt alternative Methoden zur Krankheitsbekämpfung anbieten würde.

Nicht nur nutzlos, sondern gefährlich?

Trotz allem ist die Wirkung der Homöopathie umstritten. Wirken Globuli, also kleine, zuckerhaltige weiße Kügelchen wirklich oder sorgen sie nur für einen Placebo-Effekt? Darüber streiten Mediziner bis heute.

In einem Gastbeitrag in der September-Ausgabe des "GEO-Magazins" geht der deutsche Alternativmediziner Edzard Ernst noch einen Schritt weiter: Er klärt über versteckte Risiken der Homöopathie auf, eine alternative Behandlung kann in manchen Fällen gar lebensgefährlich für die Patienten sein.

Diese 4 Thesen zeigen, warum ihr bei alternativen Heilmethoden vorsichtig sein solltet:

1. "Viele Homöopathen kennen keine Grenzen"
Ezard erklärt, dass viele Alternativmediziner keine Grenzen kennen würden. Eine Organisation mit dem Namen "Homeopaths Without Borders" will homöopathische Mittel bei Opfern von Naturkatastrophen einsetzen. Oder bei Geburtshilfen in Ländern wie Haiti. Andere Organisationen wollen mit Globuli gegen Fehlernährung ankämpfen und mit homöopathischen Mitteln Ebola-Patienten heilen. Ernst hat dazu folgende Meinung: völliger Schwachsinn.

2. "Verrat, begangen an den Schwachen"
Für Ernst ist der Umgang mit der Alternativmedizin von allen Seiten ein ethnisches Problem. Mit der Homöopathie lässt sich gutes Geld verdienen. So würden Ärzte gegen Geld längst widerlegte Therapieformen anbieten. Apotheker verkaufen Placebos. Forscher befassen sich mit Alternativmedizin, ohne diese wirklich kritisch zu hinterfragen. Wenig moralisch würden sich seiner Meinung nach auch die Anhänger der Homöopathie verhalten. Ihr Motto lautet: Wer heilt, hat recht. Ganz egal, ob die Heilung wirklich mit ihren Methoden zusammenhing oder nicht.

3. "Ich sehe es als meine Pflicht an, Patienten zu warnen"
Ernst gibt zu, dass er früher selber ein Anhänger der Homöopathie. Als er Ende der 70er Jahre seine Medizinerkarriere startete, bekam er eine Stelle in einem homöopathisch geführten Krankenhaus. Laut eigener Aussage lernte er dort, mit den weißen Kügelchen „Wunder“ zu vollbringen.

Nach und nach hinterfragte er sich jedoch, ob die gesundheitlichen Fortschritte der Patienten wirklich durch Globulis zustande kamen. "Womöglich handelte es sich bei den 'geheilten' Leiden um Krankheiten, die auch ohne Therapie ausheilen konnten", schrieb er.

1993 baute Ernst an der Universität Exeter den weltweit ersten Lehrstuhl für Komplementärmedizin auf. Ernst und seine Mitarbeiter forschten jahrelang über die Wirkung verschiedener Therapieformen. Die Ergebnisse waren durchwachsen, gerade bei der Homöopathie waren sie jedoch am schlechtesten.

4. "Es gibt sehr wohl Risiken bei der Homöopathie"
Die allgemeine Meinung, dass die Homöopathie völlig harmlos sei, stimme nicht. Wenn sich beispielsweise ein Schwerkranker für eine alternative, unwirksame Behandlung und gegen eine effektive Therapie entscheidet, kann dies böse enden. In diesem Falle könnten unter Umstände bereits harmlose Mittel lebensgefährlich sein.

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