POLITIK
18/09/2015 12:33 CEST | Aktualisiert 18/09/2015 12:38 CEST

Die Botschaften von Flüchtlingen auf ihren Rettungswesten machen die Verzweiflung der Menschen greifbar

Sie lassen ihre Heimat zurück und begeben sich auf eine Reise, die oft mehrere Wochen dauert. Eine Reise, von der sie nicht wissen, wo sie enden wird und ob sie sie überhaupt überleben.

Die Boote der Schlepper sind viel zu voll und nicht für die lange Fahrt über das Mittelmeer ausgerüstet. Viele Menschen sind sich der Gefahr offenbar bewusst, der sie sich und ihre Familien aussetzen.

Das machen Bilder deutlich, die die Hilfsorganisation Médecins Sans Frontières (MSF; dt. Ärzte Ohne Grenzen) bei Twitter eingestellt hat. Sie zeigen Rettungswesten, die Flüchtlinge bei der Überfahrt trugen.

Botschaften lassen erahnen, welch schreckliche Angst die Menschen haben

Die Menschen haben Namen und Telefonnummern auf den orangefarbenen Stoff geschrieben - es sind die Nummern von Angehörigen und Freunden, die benachrichtigt werden sollen, sollten sie Europa nicht lebend erreichen.

Die Botschaften lassen erahnen, welch schreckliche Angst die Menschen haben, wenn sie auf das Boot steigen. Auf einer der Rettungswesten steht "Mama, ich hab dich lieb". Auf einer anderen "Mein Name ist Abdi. Rufen Sie diese Nummer an, das ist die meiner Mutter."

MSF hat sich in einem offenen Brief an die europäischen Staatschefs gewandt. Darin schreibt die Organisation:

Wir schicken Ihnen heute diesen Brief zusammen mit einer Rettungsweste. Sie gehörte einem der 15.000 Menschen, die Médecins Sans Frontières seit Mai aus dem Mittelmeer gerettet hat. Diese billige Weste war die einzige Sicherheit, die ein Mann, eine Frau oder ein Kind bei dem Versuch, das Meer in Richtung Europa zu überqueren, besaß.

Das soll Ihnen als Erinnerung dienen, dass sich die Menschen, die sich auf diese Reise begeben, der Gefahren voll bewusst sind und dass es die schiere Verzweiflung ist, die sie dazu bringt, sich und ihre Familien einem derartigen Risiko auszusetzen.

MSF ruft die Staatschefs von Europa dazu auf, endlich "menschenwürdige und sichere Alternativen" für die Flüchtlinge zu bieten und damit die Rettungswesten überflüssig zu machen.

Der Fokus hat sich in der Berichterstattung über die Flüchtlingskrise in den letzten Tagen auf Ungarn, Serbien und Kroatien verlegt, von wo aus die Menschen versuchen, nach Mittel- und Nordeuropa weiterzureisen.

Das aber sind die Menschen, die es bereits lebend über das Mittelmeer geschafft haben. Noch immer sind Tausende unterwegs, die noch nicht so weit gekommen sind und deren Leben auf dem offenen Meer in Gefahr sind.

Lesenswert:

2015-08-06-1438870629-2559366-10000.png

200 Menschen aus Deutschland, darunter Politiker, Schauspieler, Musiker, Studenten und andere Menschen haben in der Huffington Post ein wichtiges Zeichen gesetzt: Sie haben den Flüchtlingen in Deutschland zugerufen: "Willkommen, gut, dass ihr hier seid, weil..."

Seit dieser Aktion erreichen uns täglich weitere Dutzende Beiträge zu diesem Thema. Wenn Sie sich an der Diskussion mit einem eigenen Artikel beteiligen wollen, schreiben Sie an blog@huffingtonpost.de.

Es ist Zeit, dass wir in Deutschland ein Zeichen setzen. FÜR Weltoffenheit, FÜR Toleranz und FÜR Menschen in Not

"Personen zurückweisen": Geheimer Befehl: Polizisten sollen an Grenze gegen Armutsflüchtlinge vorgehen

Hier geht es zurück zur Startseite

Gesponsert von Knappschaft