POLITIK
16/09/2015 16:20 CEST

Flüchtlinge im Konzentrationslager? Das steckt wirklich hinter dem Skandal

Im ehemaligen Konzentrationslager Buchenwald sind angeblich Flüchtlinge untergebracht. Die Tageszeitung „The Australian“ berichtet, 21 Asylbewerber würden seit mehreren Monaten dort leben.

Diese makabre Nachricht sorgt derzeit für viel Wirbel in der ausländischen Presse. So titelte die „Daily Mail“:

„Untergebracht in berüchtigtem Konzentrationslager: Flüchtlinge, die für ein besseres Leben nach Europa kamen, leben in ehemaligen Nazi-Barracken in Buchenwald, wo tausende Zwangsarbeiter starben, nachdem medizinische Experimente an ihnen durchgeführt wurden“

Schock-Bilder bleiben da nicht aus. Das russische Nachrichtenportal „Sputnik“ veröffentlichte gemeinsam mit dem Artikel über die angebliche Unterbringung von Flüchtlingen in dem KZ ein Foto des Lagers in Weimar.

buchenwald

Noch drastischer bebildert die Internetseite „News Front“, ebenfalls aus Russland, ihren Bericht:

buchenwald vergleich

Wer aber den australischen Ursprungsartikel genauer liest, wird stutzig: „Als Dortmunds Bürgermeister zum ersten Mal vorschlug, das Gebäude zu nutzen, (...) gab es einen Aufschrei“, schreibt die Zeitung. Dortmund? Buchenwald liegt doch in Weimar.

Sieht man sich die Fotos zu den Artikeln an, nimmt die Geschichte eine unerwartete Wendung.

Das sind zwei der Flüchtlinge, die laut „The Australian“ in „ehemaligen SS-Baracken“ wohnen:

flüchtlinge angeblich buchenwald

Ein weiteres Bild veröffentlichte die britische Zeitung „Metro“. Dort sieht man dieselben Männer vor dem Gebäude – dabei fällt etwas auf.

flüchtlinge angeblich buchenwald 2

Das ist nicht das Konzentrationslager in Weimar, sondern eine Außenstelle in Schwerte, nahe Dortmund. Und damit geht es um eine viel ältere Geschichte, stellte ein Facebook-Nutzer fest.

schwerte

Anfang des Jahres brachte die Stadt Schwerte Flüchtlinge in ebendieser Außenstelle unter, wie die "Ruhr Nachrichten" berichteten. Jedoch stehen dort keine NS-Gebäude mehr, sondern Neubauten, die nach dem Zweiten Weltkrieg errichtet wurden. Zuletzt nutzten laut der "Thüringer Allgemeinen" Künstler diese als Ateliers. Und das macht die Geschichte weit weniger makaber.

Dass „Sputnik“ die Story dramatisierte, verwundert nicht. Die Nachrichtenagentur gehört zum staatlichen Medienunternehmen „Russland heute“, die ein Putin-Sprecher offenherzig als "Propaganda-Instrument“ bezeichnete.

Peinlich aber ist es für die anderen internationalen Zeitungen, die besser nicht mehr auf den Google Translator vertrauen sollten. Der Vorsitzende der Gedenkstätte Buchenwald bringt es auf den Punkt:

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