Russland bot 2012 den Rücktritt Assads an - Westmächte lehnten ab

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Martti Ahtisaari nahm an den Syrien-Verhandlungen teil | Getty
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Russland hat bereits vor drei Jahren den Rücktritt des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad angeboten, doch die Westmächte lehnten ab. Das sagte der frühere finnische Präsident Martti Ahtisaari gegenüber dem britischen "Guardian".

Im Februar 2012 nahm das Land an Verhandlungen zwischen den ständigen Sicherheitsratsmitgliedern teil. Dabei habe der russische Vertreter, Vitaly Churkin, einen Drei-Punkte-Plan zum Frieden in Syrien vorgelegt. Ein Punkt: Nach der Aufnahme von Friedensverhandlungen zwischen Regime und Opposition sollte Assad zurücktreten.

Die Westmächte hielten das Angebot angeblich nicht für notwendig.Laut Ahtisaari waren die USA, Großbritannien und Frankreich überzeugt, dass Assad sowieso gestürzt würde. Deshalb ignorierten sie das Angebot.

Der Westen lag falsch, wie wir heute wissen Assad ist immer noch an der Macht und ein Ende des Bürgerkrieges nicht in Sicht. In der Folge ist die größte Flüchtlingskrise seit dem Zweiten Weltkrieg entstanden. Zehntausende Syrer sind mittlerweile in Europa angekommen - und es werden täglich mehr.

Wenn Ahtisaaris Aussagen stimmen, werfen sie ein ganz neues Licht auf den Syrien-Konflikt. Deshalb hier die ausführliche Analyse:

1. Was war das für ein Treffen?

Die fünf ständigen Mitglieder des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen trafen sich am 22. Februar 2012 im UN-Hauptsitz in New York. Ebenfalls teil nahmen „The Elders“ („Die Ältesten“) – eine Gruppe früherer Staatschefs, die sich für Frieden und Menschenrechte einsetzen. Darunter waren Nelson Mandela, Jimmy Carter, Kofi Annan und der besagte Martti Ahtisaari.

2. Wie liefen die Gespräche ab?

Ahtissari erklärte dem „Guardian“, er habe sich mit dem russischem Vertreter Vitaly Churkin unterhalten. Mit diesem würde er zwar in vielen Dingen nicht einer Meinung sein, jedoch offen sprechen können. In Bezug auf die Lage in Syrien habe Churkin dann gesagt: „Martti, setz dich hin und ich sage dir, was wir tun sollten.“

3. Wie sah das russische Angebot aus?

Laut Ahtissari sagte Churkin Folgendes: „Erstens sollten wir der Opposition keine Waffen geben. Zweitens sollten wir einen Dialog zwischen Regime und Opposition schaffen. Drittens sollten wir für Assad einen eleganten Weg zum Rücktritt finden.“

4. Was sagen die anderen Beteiligten dazu?

Dem „Guardian“ zufolge wollten sich weder Churkin noch die UN-Botschafter westlicher Staaten zu Ahtissaris Aussagen äußern. Chrukin sagte nur, es habe sich um ein privates Gespräch gehandelt.

5. Kann man die Geschichte glauben?

Erst einmal wirkt Ahtissari glaubwürdig. Er ist Mitglied der „Elders“, war Präsident Finnlands und gewann 2008 den Friedensnobelpreis für seine Bemühungen bei der Lösung internationaler Konflikte. Ahtisaari fügt hinzu, dass Churkin damals gerade von einer Reise nach Moskau zurückgekommen sei und deshalb höchstwahrscheinlich im Namen des Kreml gesprochen habe.

Dass sich die Vertreter der westlichen Staaten nicht äußern, ist logisch. Stimmen die Aussagen Ahtissaris, lassen sie ihre Länder schlecht dastehen. Denn die Katastrophe in Syrien hätte eventuell verhindert oder jedenfalls gelindert werden können.

Jedoch mindert der Verweis Churkins auf ein privates Gespräch die Bedeutung von Ahtissaris Ausführungen. Es könnte sich lediglich um die eigene Meinung des Botschafters gehandelt haben. Russland hat Assad nämlich bisher nicht nur militärisch gestützt, sondern sich offiziell auch gegen seine Absetzung ausgesprochen.

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