POLITIK
15/09/2015 10:40 CEST | Aktualisiert 16/09/2015 17:19 CEST

Charlie Hebdo veröffentlicht umstrittene Karikatur über das ertrunkene Flüchtlingskind Aylan Kurdi

WARNUNG: Dieser Text enthält Bilder, die einige Leser verstörend finden könnten.

Das französische Satire-Magazin Charlie Hebdo hat Berichten zufolge seine eigene kontroverse Sicht auf die Flüchtlingskrise veröffentlicht.

Ein Cartoon des Heftes, der in sozialen Medien kursiert, zeigt den ertrunkenen syrischen Jungen Aylan Kurdi, der mit dem Gesicht nach unten am Strand liegt. Dazu die Worte: "So nah an seinem Ziel...".

Im Hintergrund steht ein Schild im Stil des McDonald's Happy Meal, auf dem steht: "Zwei Kindermenüs zum Preis von einem."

Der dreijährige Aylan ertrank zusammen mit seinem Bruder und seiner Mutter, als das Boot, mit dem sie fliehen wollte, kenterte.

Die Familie floh aus Syrien, nachdem Kämpfer des IS ihre Heimatstadt Kobane erreichten.

syria

Ein türkischer Soldat trägt die Leiche von Aylan

aylan and galip kurdi (Quelle: AP)

Aylan (links) und sein Bruder Galip (rechts), der ebenfalls im Meer ertrank

Ein weiterer Cartoon, der aus der gleichen Ausgabe des Magazins stammen soll, trägt den Titel "Der Beweis, dass Europa Christlich ist" und zeigt einen Mann, offenbar Jesus, der auf der Oberfläche des Ozeans steht, während die Beine eines Kindes (vermutlich sollen es Aylans sein) aus dem Wasser herausragen.

Darauf steht: "Christen laufen auf dem Wasser... Muslimische Kinder gehen unter."

Die Karikaturen sind mit unterschiedlichen Reaktionen aufgenommen worden.

Die türkische Zeitung The Daily Sabah schreibt, dass die Bilder den ertrunkenen Jungen verspotten.

Die Morocco World News schließt sich an und wirft dem Magazin vor, sich "hinter der Pressefreiheit zu verstecken".

Der indische Sender Scoop Whoop schrieb: "Das ist nicht der Charlie Hebdo mit dem wir uns Anfang des Jahres identifiziert und solidarisiert haben. Je ne suis pas Charlie (Ich bin nicht Charlie)."

Auf der Facebook-Seite des Magazins sind Beschwerden eingegangen und Twitter-Nutzer haben die Bilder zum Teil als "geschmacklos" und "ekelhaft" beschrieben.

Charlie Hebdo über Aylan ist so geschmacklos, wie man es erwarten konnte:

Charlie Hebdo hat Aylan Kurdi, den ertrunkenen Jungem, im Namen der Satire verspottet

Andere sind der Meinung, dass das Magazin den Jungen nicht beleidigt, sondern die Tragödie nutzt, um Europa dafür zu verspotten, dass zu wenig getan wurde, um Fälle wie Aylans zu verhindern.

Ich denke nicht, dass der #CharlieHebdo Cartoon von Kurdi das tote Kind beleidigt. Sie heben die Ironie in einer nuancierten, subtilen Art hervor #kurdi

Der Kern der Charlie-Hebdo-Redaktion wurde im Januar ermordet, als zwei Amokläufer in das Redaktionsgebäude eindrangen und das Feuer eröffneten. 11 Menschen starben, ein Polizist wurde bei der Flucht der Attentäter getötet.

Nach dem Massaker setzte sich der Slogan "Je Suis Charlie" (Ich bin Charlie) durch, er wurde millionenfach in sozialen Medien geteilt.

Dieser Artikel erschien ursprünglich bei der Huffington Post UK und wurde von Gina Louisa Metzler aus dem Englischen übersetzt und bearbeitet.


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