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14/09/2015 15:25 CEST

Diese Entscheidung könnte den umstrittenen US-Chemiekonzern Monsanto zu Fall bringen

Westend61 via Getty Images
Agrochemiekonzerne werden oft untersucht.

Der französische Landwirt Paul François hat den Agrochemiekonzern “Monsanto“ auf Schadensersatz verklagt. Der 47-Jährige aus Bernac muss mit erheblichen gesundheitlichen Einschränkungen leben, seit er mit Sprühchemikalien der Firma in Kontakt kam. Jetzt gab ihm das Berufungsgericht in Lyon Recht.

Monsanto muss ihn jetzt gerecht entschädigen. Wie hoch die Zahlung sein wird, entscheidet sich nach einer medizinischen Einschätzung.

Neuland im Gerichtssaal

Es sei das erste Mal, dass ein Hersteller von Herbiziden angeklagt werde, einen Landwirt vergiftet zu haben, sagt der Anwalt des Geschädigten. Das Urteil könnte wegweisend sein. Und dazu beitragen, dass umwelt- und gesundheitsschädigende Herbizide, Pestizide und Insektizide weitgehend eingeschränkt werden.

Paul François Anwalt, François Lafforgue, wünscht sich, dass weitere Klagen folgen. Sammelklagen mehrerer Betroffener einer Region wären auch denkbar, so der Anwalt.

Der gegnerische Anwalt der Firma Monsanto hatte aber bereits bekannt gegeben, das Urteil anzufechten. Das Urteil kann aber nur außer Kraft gesetzt werden, wenn Formfehler nachgewiesen werden.

Monsanto will von Gefahren nichts wissen

Monsanto sagt laut “taz“: “Der Entscheid des Berufungsgerichts sei ’sehr überraschend angesichts der Unwahrheiten und Irrtümer in der Argumentation Paul François’“. Laut François stimme das aber nicht.

Er habe zur Produktionssteigerung das Produkt “Lasso“ des Agrochemiekonzerns eingesetzt und war lange zufrieden damit. Bis er im April 2004 den mit Herbiziden gefüllten Tank überprüft.

Die Dämpfe des Lösungsmittels Monochlorbenzol stechen ihm sofort in die Nase. François wird schwindlig, er spuckt Blut und fällt in Ohnmacht. Diese Beschwerden halten lange an. Ende des Jahres fiel er ins Koma.

Man geht von einer Schädigung des Zentralnervensystems aus. Ein Jahr lang konnte François nicht arbeiten. Heute geht es nur noch halbtags.

Verwunderlich, dass das Produkt noch auf dem Markt war

Frankreich erlaubte den Verkauf des Produktes “Lasso“ bis 2007, obwohl es in Kanada, Großbritannien und Belgien schon Jahre zuvor aufgrund der Gesundheitsrisiken verboten worden war. Die Gefährlichkeit stellte man schon 1980 fest.

Monsanto versicherte während der Verhandlung dennoch, dass das Produkt “nicht gefährlich“ sei. Noch schlimmer: die Krankheit des Klägers sei “inexistent.“ Das Gericht entschied letztlich, der Hersteller habe ungenügend auf die möglichen Gefahren hingewiesen.

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