POLITIK
12/09/2015 10:11 CEST | Aktualisiert 12/09/2015 10:11 CEST

Flüchtlingskrise: Diese Rede von Evonik-Chef Klaus Engel hätten wir uns von Merkel gewünscht

dpa

Europa erlebt derzeit die größte Flüchtlingskatastrophe seit dem Zweiten Weltkrieg. Die EU-Staaten seien verpflichtet, das Problem auf eine "anständige, zivilisierte und europäische Art und Weise zu lösen", sagte kürzlich der für Migration zuständige EU-Kommissar Dimitris Avramopoulos. Flüchtlinge müssten willkommen geheißen werden.

Viele Deutsche haben das verstanden, so scheint es. Die Hilfsbereitschaft war in den vergangene Wochen schon beinahe rührend. Trotzdem dürfte es in der Bundesrepublik immer noch eine gefährlich hohe Zahl an Skeptikern geben, die die ankommenden Asylbewerber liebend gerne in den nächsten Zug (oder in das nächste Schlauchboot) in Richtung Heimat stecken würden.

Umso wichtiger ist es daher, dass es Menschen gibt, die positiv vorpreschen in der Flüchtlingsdebatte. Die Mut machen. Die anpacken. So wie Klaus Engel, Chef des Essener Chemiekonzerns Evonik.

Engel hat am Donnerstagabend im noblen China Club im Berliner Hotel Adlon eine bemerkenswerte Red gehalten, die man sich in der Form von Kanzlerin Angela Merkel wünschen würde. Stattdessen kommt sie von einem Mann, dessen Unternehmen 13 Milliarden Euro Jahresumsatz macht und 30.000 Angestellte hat.

Der "Tagesspiegel" war bei der Rede dabei und berichtet von Engels Vergleich der Berliner Siegessäule mit der New Yorker Freiheitsstatue. Die USA definiere sich über das Versprechen der Freiheit. Die Freiheitsstatue im Hafen von New York habe über Generationen die Einwanderer begrüßt. Deutschland definiere sich über das Versprechen des Friedens, sagt Engel.

"Einst als triumphale Geste des preußischen Militarismus gebaut und von Hitler als Symbol deutscher Überlegenheit und siegreicher Kriege inszeniert, hat sich die symbolische Bedeutung der Siegessäule deutlich verschoben“, zitiert das Blatt aus Engels Rede.

Und weiter: Die Säule sei das Markenzeichnen der Loveparade gewesen, die Schirmherrin über die Fans der Fußball-WM 2006. Zwei Jahre später habe Barack Obama dort seine Visionen von der Welt und der Zusammenarbeit erklärt. „Die Siegessäule repräsentiert den Wandel Deutschlands: Sie wendet sich ab von Dunkeldeutschland und steht heute für Toleranz und Friedenswille“, sagt Engel. „Womöglich haben ja viele Flüchtlinge, die sich auf den Weg nach Deutschland machen, dieses Bild vor Augen“.

Der Evonik-Chef habe in Anlehnung an den „American Dream“ den „German Dream“ beschworen, schreibt der "Tagesspiegel". "Unser Traum ist die Soziale Marktwirtschaft, die jedem die Chance gibt, durch Bildung und Qualifikation den sozialen Aufstieg zu meistern und an der Gesellschaft und Kultur teilzuhaben", soll Engel gesagt haben.

„Die Leute, die kommen, wollen nicht nach Ungarn, Estland oder Dänemark, sondern nach Deutschland“, habe Engel gesagt. Und er könne das gut verstehen. Man solle aufhören mit der Scheindiskussion, wonach man Flüchtlinge nach Quoten in Europa verteilen könnte, „so wie Armeen am grünen Tisch“, forderte Engel.

Der ungarische Regierungschef Viktor Orbán habe auf unabsichtliche Weise sogar Recht, bemerkte Engel, "als der mit zynischer Absicht sagte, die Flüchtlinge seien nicht sein Problem, sondern unseres."

Die ganze Rede von Evonik-Chef Klaus Engel in Berlin kann man hier als Manuskript herunterladen.

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