POLITIK
11/09/2015 10:10 CEST | Aktualisiert 11/09/2015 11:34 CEST

Eskalation in der Flüchtlingskrise: Diese 4 Fakten zeigen, wo die wahren Brandherde in Europa sind

dpa
Flüchtlingskrise: In diesen Ländern liegt die europäische Idee im Sterben

Es herrscht Überforderung, Ratlosigkeit, teils auch Panik. In der Flüchtlingskrise arbeiten die europäischen Staaten immer weniger zusammen. Schuldzuweisungen stehen auf der Tagesordnung.

Einige der Länder, die auf der Route der meisten Flüchtlinge von Süd- nach Nordeuropa liegen, wissen in diesen Tagen nicht mehr, wie sie der Tausenden Flüchtlinge Herr werden sollen, die über ihre Grenzen strömen.

Österreich stellte den Zugverkehr mit Ungarn am Donnerstag wegen Überlastung bis auf weiteres ein. Dänische Behörden hatten zeitweise Züge gestoppt und den Fährverkehr angesichts des Zustroms eingeschränkt.

Viele fürchten nun eine Eskalation in Nord- und Mitteleuropa. Doch die wahren Krisenherde des Flüchtlingsstroms liegen - nach wie vor - woanders: In den südosteuropäischen Ländern der EU.

Hier sind 4 Fakten, die erahnen lassen, wo die Flüchtlingskrise bald eskalieren wird. Wo die Lage sich mit jedem Tag so zuspitzt, dass es nur eine Frage der Zeit scheint, bis es die ersten Toten an den Grenzen geben wird.

1. In Mazedonien herrscht komplette Überforderung. Der Strom an Menschen, die über das kleine Land nach Deutschland und Skandinavien wollen, nimmt kein Ende. Allein am Donnerstagmorgen sammelten sich auf den matschigen Feldern bei der Grenzstadt Idomeni 7000 Menschen - unter ihnen viele Familien mit kleinen Kindern.Sie warten darauf, dass die mazedonische Polizei die Grenze freigibt.

mazedonien

Die Kinder weinen. Vom sintflutartigen Regen sind sie völlig durchnässt, schlammbespritzt schleppen sie mit ihren Eltern Gepäck, stolpern in große Schlaglöcher, klettern heraus, um von Griechenland aus die Grenze zu Mazedonien zu passieren.

Einige Erwachsene recken ihre Kinder in die Höhe, um sicherzustellen, dass die mazedonische Polizei sie sieht und hinüber lässt. Andere halten Chaos, Kälte und jetzt auch noch Regen nicht mehr aus. Sie wollen nur noch zurück, in die Heimat.

2. Serbien weigert sich, Flüchtlingen Asyl zu gewähren. Das Land kann nach Auffassung von Innenminister Nebojsa Stefanovic auf dem Wege in die EU zurückgewiesene "Migranten" nicht aufnehmen. Sollten Flüchtlinge von Ungarn abgelehnt werden, sollten sie von EU-Mitgliedsländern wie Griechenland oder Bulgarien und nicht von Transitländern wie Serbien und Mazedonien betreut werden, sagte Stefanovic dem Sender B92.

"Griechenland ist das erste europäische Land, das erste EU-Land und das erste Schengen-Land, das sie betreten, also sind alle Kriterien gegeben", sagte der Minister. Mit Griechenland und Bulgarien gebe es zwei EU-Länder entlang der Hauptstrecke in die EU. Man könne nicht erwarten, dass Serbien und Mazedonien, die weitaus ärmer seien als die meisten starken europäischen Länder, die Hauptlast schulterten.

Stefanovics Angaben zufolge kamen in den ersten acht Monaten dieses Jahres 120.000 Migranten durch Serbien, von denen lediglich 500 um Asyl gebeten hätten. Wohlfahrtsminister Aleksandar Vulim hatte am Sonntag den Bau einer Übergangsanlage für Flüchtlinge in der Nähe der Hauptstadt angekündigt, um die rund 1000 Flüchtlinge aufzunehmen, die bislang in einem Belgrader Park in der Nähe der Bus- und Bahnhöfe ausharren.

3. Ungarn erwägt, die Grenze zu Serbien weiter abzusperren. Am kommenden Dienstag wolle die Regierung in Budapest über die Ausrufung des Krisenfalls entscheiden, sagte Janos Lazar, Kanzleichef des ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán. Am selben Tag tritt auch ein neues Gesetz in Kraft, wonach illegaler Grenzübertritt in Ungarn als Straftat gibt. Bislang ist er nur eine Ordnungswidrigkeit.

Viktor Orbán macht keinen Hehl aus seiner Ablehnung gegenüber Flüchtlingen. Er sagte: „Bitte kommen Sie nicht. Es ist riskant zu kommen. Wir können nicht garantieren, dass Sie akzeptiert werden.“

Laut ungarischen Medienberichten plant Orbán zudem eine Sonderzone für Flüchtlinge an der serbischen Grenze. Dorthin will Ungarn offenbar illegale Asylsuchende abschieben. Einem Bericht des "Handelsblatt" zufolge könnte diese exterritoriale Zone außerhalb gültigen Rechts liegen. Was genau das bedeutet und ob Ungarn diese Zone tatsächlich einrichtet, ist noch unklar.

4. Die Last für Griechenland nimmt mit jedem Tag zu. All die Abschottungsmaßnahmen der angrenzenden EU-Länder führen dazu, dass Griechenland sich zurecht immer mehr im Stich gelassen fühlt. Denn an dieser Küste kommen die meisten der Flüchtlinge nun mal an.

Allein auf Lesbos sollen sich laut einer Schätzung von vergangener Woche aktuell rund 15.000 Flüchtlinge befinden. Zum Vergleich: In Budapest am Bahnhof waren es zu dieser Zeit bis zu 3000.

Wegen der schweren Finanzkrise in Griechenland haben die Kommunalbehörden auf den Ostägäisinseln kein Geld, um den Menschen zu helfen. Es gibt kaum Toiletten, viele Migranten müssen im Freien schlafen. Die Anspannung und Gereiztheit sowohl der Ankommenden als auch der Hilfs- und Ordnungskräfte nimmt mit jedem Boot, das ankommt, zu. Erst vor wenigen Tagen warnte ein griechischer Minister, die Insel sei "einer Explosion nahe".

Mit Material von dpa

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