POLITIK
08/09/2015 06:49 CEST | Aktualisiert 08/09/2015 09:49 CEST

Gender-Talk bei Plasberg: "Auch doofe Frauen dürfen ihre Meinung sagen"

ARD Medithek
Bei "Hart aber fair" ging es vor allem um Sophia Thomalla

Oft wirken Talkshows wie ein Déjà-vu. Da sind die immer gleichen Gäste, zu den immer gleichen Themen: Der Wolfgang Bosbach und der Hans-Werner Sinn zu Griechenland, Joachim Hermann und Cem Özdemir zur Flüchtlingskrise. Auch wer gestern Frank Plasbergs „Hart aber fair“ einschaltete, hatte das Gefühl, diese Sendung schon einmal gesehen zu haben.

Doch das war kein Déjà-vu. Sondern eine neue Sendung, allerdings mit den gleichen Gästen und dem gleichen Thema wie eine Ausstrahlung vom März: "Nieder mit dem Ampelmännchen - Deutschland im Geschlechterwahn?" Die Gäste waren wieder die konservative Publizistin Birgit Kelle, der FDP-Politiker Wolfgang Kubicki und die Schauspielerin Sophia Thomalla. Für das Gender-Lager zogen die „#Aufschrei“-Aktivistin Anne Wizorek und der Grünen-Politiker Anton Hofreiter in den Kampf. Verstärkung bekamen sie von Sybille Mattfeldt-Kloth vom Landesfrauenrat Niedersachen.

Der WDR hatte die Talkshow vom März aus seiner Mediathek gelöscht - offiziell wegen "qualitativer Mängel“. Ein qualitativer Mangel, das dürfte die Fernsehblondine Sophia Thomalla gewesen sein. Die wetterte im März gegen Gender-Mainstream und Feministinnen: "Wer als Frau ständig für Gleichstellung und gegen Sexismus wettert, hat offenbar noch nie ein Kompliment bekommen."

Das war den Öffentlich-Rechtlichen offenbar zu trashig. Nach Programmbeschwerden von Frauenverbänden wurde die Sendung aus dem Archiv gelöscht. Danach musste sich der Sender allerdings den Vorwurf gefallen lassen, er würde politisch-korrekte Zensur betreiben.

Die Sendung gestern begann daher mit einem Auftritt von WDR-Fernsehdirektor Jörg Schönenborn. Der lächelte etwas gequält in die Kameras. Er trug ein Schuldeingeständnis vor: "Es war nicht richtig, die Sendung aus der Mediathek zu nehmen." Doch das sagte er nur, um den Vorfall in einen Sieg der Pressefreiheit umzudeuten. "Wir sind unabhängig!" Um Zensur habe es sich keinesfalls gehandelt, dafür aber um „staatliche Kontrolle“. Höh? Ist das nicht eine ziemlich zutreffende Beschreibung von Zensur?

Nun gibt Plasberg pflichtbewusst die Rolle des harten Journalisten: Offenbar gab er sich Mühe zu zeigen, dass man beim WDR total unabhängig ist.

„Kein Druck, echt?“

„Kein Druck“, antwortet Schönenborn.

Er sei kein Zensor, sondern habe nur auf Reaktionen der Zuschauer reagiert. Da fragt sich, worin die beschworene Unabhängigkeit besteht? Besteht redaktionelle Unabhängigkeit nicht darin, seine Linie äußerer Einflussnahme zum Trotz beizubehalten? Man sah es Schönenborn an, dass er froh war, das Studio zu verlassen.

Mattfeldt-Kloth eröffnete die Diskussion. Sie sprach der Runde die notwendige Kompetenz ab, über Gleichberechtigungs-Themen zu sprechen. Insbesondere bei Thomalla zweifelte sie an, dass sie einen „Mehrwert in der Informationsgewinnung“ bringen könne. Kubicki merkte an, dass er jede zweite Talkshow ausschalten könne, weil er den Eindruck habe, dass "die Leute keine sachliche Kompetenz haben.“ Und Thomalla konterte lässig: "Auch ich als doofe Frau habe das Recht, meine Meinung kundzutun.“

Jetzt ging Kelle der Hut hoch. In Richtung Mattfeldt-Kloth geiferte sie. "Eine Unverschämtheit" sei das gegenüber Thomalla. "Hätte das ein Mann gesagt, hätten wir die nächste Sexismus-Debatte in Deutschland."

Und immer wieder geht es um Thomalla. Anne Wizorek springt Mattfeldt-Kloth zur Seite und sagt, sie habe die "Expertise" der Schauspielerin schon bei der ersten Sendung bezweifelt. Nun fragt Plasberg: "Brauchen wir einen Talkshow-Führerschein?"

Langsam kam Fahrt in die Sendung. Kelle ging zur Gegenattacke über und warf Mattfeldt-Kloth vor, der Frauenbewegung nicht zu nutzen, sondern zu schaden. "Frauen wie Sie sind schuld daran, dass das mit der Frauenbewegung nie was wird!" Den Angriff wischte die Kontrahentin einfach weg: "Ach was!“

Dann geht es endlich nicht mehr um Thomalla, sondern um die Frauenquote. "Wir brauchen keine Quote, wir haben doch die Kanzlerin", sagt Thomalla. Darauf reagierte die Frauenbeauftragte mit dem sehr schönen Satz: "Eine Kanzlerin macht doch keinen Sommer". Und das fasst die Situation der Frauen in Gesellschaft und Arbeitswelt eigentlich perfekt zusammen.

Neue Erkenntnisse kann man von einer Wiederholung wohl nicht erwarten. Aber diese war immerhin unterhaltsam. Was wir dabei gelernt haben: Ein wenig Trash tut dem WDR ganz gut.

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