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Vorbildlich: Die Marke Frosta veröffentlicht Details, die wir gerne im Supermarkt von ALLEN Produkten erfahren würden

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FROSTA TRANSPARENZ
dpa/Frosta
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Der Tiefkühlkosthersteller Frosta weist nach eigenen Angaben als erster deutscher Lebensmittelproduzent die Herkunft seiner Zutaten auf der Verpackung aus.

Ab sofort soll nach und nach aufgelistet werden, aus welchen Ländern die Rohstoffe für das entsprechende Gericht bezogen wurden.

Bisher mussten Kunden umständlich einen Code auf der Verpackung suchen und im Internet eingeben, um Genaueres zu erfahren.

Wie die neuen Verpackungen aussehen, will Frosta erst am Dienstag auf einer Pressekonferenz vorstellen. Allerdings dürften die Infos ähnlich zu denen sein, die online verfügbar sind:

frosta screenshot
Quelle: Verbraucherzentrale Hamburg

Der „Spiegel“ berichtet, dass etwa bei der Verpackung der „Steakhouse Pfanne“ deutlich werde, dass die Rinderhacksteacks aus Deutschland kommen, die Paprika aus Brasilien, der Pfeffer aus Vietnam und der Koriander aus Bulgarien.

Frosta-Chef: "Der Aufwand ist überschaubar, kostet nur wenige Cent pro Verpackung"

Vor einigen Jahren war eine Initiative des EU-Parlaments zu mehr Transparenz bei Lebensmitteln am Druck der Lebensmittellobby mit Verweis auf zu hohe Kosten gescheitert. Frosta-Chef Felix Ahlers kann diese Argumentation nicht so gut nachvollziehen. Er sagte dem "Spiegel": "Der Aufwand ist überschaubar. Wir drucken die Zutatenliste jetzt einfach direkt auf die schon vorhandene Verpackung, das kostet pro Verpackung nur wenige Cent."

Frosta setze darauf, dass andere Produzenten auf freiwilliger Basis nachzögen, sagte der Sprecher. Andernfalls würde der Tiefkühlkost-Hersteller eine gesetzliche Regelung unterstützten.

Dem Unternehmen gehe es um Transparenz und Vertrauen nach den Lebensmittelskandalen der Vergangenheit, betonte der Sprecher. "Die Kunden sollen wissen, was sie essen."

Das Projekt sei in enger Abstimmung mit der Verbraucherzentrale und der Organisation Foodwatch umgesetzt worden. Allerdings gebe es Grenzen. So sei es beispielsweise zu umständlich, die Herkunft der Produkte auf kleinere Regionen oder Bezirke einzugrenzen.

"Das ist eine Milchmädchenrechnung"

Grenzen bei der Transparenz – das ist immer ein Ärgernis von Verbraucherschützern. Gerade wenn Fleisch in Fertigprodukten verarbeitet wird, gibt es viel Verwirrung.

Kritiker argumentieren, dass etwa bei Fleisch noch viel präzisere Herkunftsangaben nötig und möglich wären. Die Mehrkosten würden kaum ins Gewicht fallen. Angeblich sind es bei einer Tiefkühl-Lasagne pro Packung nur 1,5 Cent mehr, wenn die Fleischherkunft deutlicher wird, sagte Monique Goyens, Chefin der europäischen Verbraucherschutzorganisation BEUC in Brüssel in einer „Arte“-Doku.

Das sieht Stephan Becker-Sonnenschein ganz anders. Er ist Geschäftsführer vom Verein „Die Lebensmittelwirtschaft“, der die Interessen der Lebensmittel-Lobby vertritt.

"Was da gerechnet wird, ist eine Milchmädchenrechnung. Das sind bestenfalls die jeweils anfallenden Druckkosten auf die Verpackung. Was nicht berücksichtigt wird, ist, welche Kosten und welche Prozesskette im Vorfeld dieses Aufdrucks auf einer TK-Lasagne stehen“, sagte Becker-Sonnenschein der Huffington Post.

Seine Erklärung: Während einer Produktion von TK-Lasagne würden mehrere Kilogramm Fleisch durch den Fleischwolf gedreht und verarbeitet. Das Fleisch werde von einem fleischverarbeitenden Betrieb angeliefert – der wiederum hat das Fleisch bei einem Schlachthaus gekauft. Davon sind wieder einzelne Fleischteile von unterschiedlichen Tieren – und eventuell auch von unterschiedlichen Höfen.

„Jedes Teil an sich ist rückverfolgbar und der Qualitätskontrolle unterliegend. Im Fleischwolf aber kommen die Fleischteile zusammen“, erklärt Becker-Sonnenschein. „Die Frage ist jetzt, wie hoch ist der Aufwand, wenn ich genau rückverfolgen will, welches Fleisch von welchem Tier beziehungsweise welchem Hof in meiner Lasagne ist. Der Schlachthof müsste jedes Fleischstück mit einem Code versehen. Dann würden bei der Verarbeitung beim Fleischer mehrere 'Codes' gleichzeitig in den Fleischwolf kommen, wie wollen sie das dann kennzeichnen?“

Und natürlich geht es auch um das Thema Geld. „Wer bezahlt all das, was vorher nötig ist, um die Rückverfolgung bis zum Erzeuger gewährleisten zu können? Hierfür gibt es keine befriedigende Lösung, die vom Verbraucher auch bezahlt werden kann. Hier stößt auch der Wunsch nach Rückverfolgung an seine Grenzen“, sagt Becker-Sonnenschein.

Verbraucher bei Transparenz-Offensiven gespalten

Was wollen denn die Verbraucher? Freundlich ausgedrückt: Sie sind sehr gespalten. Einerseits sagen sie in Studien - wie diese Auswertung von infratest dimap im Auftrag vom Bundesverband der Verbraucherzentralen zeigt - dass ihnen Transparenz sehr wichtig ist (siehe Bild).

studie transparenz lebensmittel

Andererseits ist es dann doch vor allem der Preis, der für die Discounter-liebenden Deutschen das Maß aller Dinge ist.

So zeigte eine 2014 veröffentlichte Studie des Marketing-Professors Achim Spiller im Auftrag des Vereins "Die Lebensmittelwirtschaft", dass ein Großteil der Verbraucher NICHT bereit ist, für mehr Transparenz auch mehr zu bezahlen.

(mit Material der dpa)

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