LIFESTYLE
07/09/2015 11:57 CEST | Aktualisiert 07/09/2015 17:18 CEST

Lektionen für das Leben: Brief einer Mutter an ihren Sohn

Yeo / Vidsee
Mutter und Sohn

Der kleine Junge greift nach dem Eis, das ihm der Verkäufer hinhält. Der zieht es wieder weg und lässt es zum Schein fallen. Der Junge lacht, er versucht immer wieder nach seinem Eis zu greifen, doch er kommt nicht dran. Neben ihm steht seine Mutter und lacht.

Sie dachte, sie könnten noch lange gemeinsam lachen. Sie dachte, sie könnte ewig an seiner Seite sein, würde ihm immer beistehen können.

Und gerade jetzt will sie für ihn da sein. Ihr Sohn ist im Teenageralter und hat eine schwere Zeit. Daniel ist mit sich selbst beschäftigt und streitet mit dem Vater, der sich von der Familie entfernt hat.

Aber ihr bleibt nicht mehr viel Zeit, denn sie hat Krebs im Endstadium.

Sie hätte sich im Krankenhaus behandeln lassen können mit geringem Aussicht auf Erfolg – oder sie verzichtet auf die Behandlungen und versucht, so viel Zeit wie möglich mit ihrem Sohn zu verbringen. Sie will ihm noch zeigen können, wie er alleine zurecht kommen kann.

Also geht sie nach Hause und macht weiter wie bisher. Sie versucht, ihrem Sohn zu zeigen wie man kocht und Kleidung zusammen legt. Aber Daniel hört nicht zu, er will lieber seine Freunde treffen. „Warum muss ich das wissen?“ fragt er. „Das machst du doch immer für mich.“ Sie schweigt, denn sie bringt es nicht über das Herz, ihm zu sagen, dass ihre Zeit bald abgelaufen ist.

„Bleib doch hier, verbringen wir Zeit miteinander. Vielleicht bin ich bald weg“, sagt sie. „Wieso verreist du?“, fragt er. Als sie nicht antwortet, dreht er sich um und geht. „Und vergiss nicht meine grünen Schuhe zu putzen, ich brauche sie morgen“, sagt er noch.

Am nächsten Tag wartet er vor der Schule auf seine Mutter. Er hat seine grünen Schuhe vergessen, sie soll sie ihm vorbeibringen. „Wieso brauchst du so lang?“, fragt er ungeduldig, als sie sich den Weg entlang kämpft. „Es tut mir leid“ keucht sie noch, dann bricht sie in seinen Armen zusammen.

Endlich erfährt er von der tödlichen Krankheit seiner Mutter.

Und jetzt will Daniel die kostbare Zeit, die sie noch haben nutzen: Er lernt kochen und bringt ihr das Essen ans Krankenhausbett. Jeden Tag kümmert er sich um sie und zusammen lassen sie Erinnerungen aufleben, sie gehen wieder Eis essen – wie früher.

Als sie stirbt, gibt die Krankenschwester dem weinenden Sohn einen Brief, den sie vor ihrem Tod geschrieben hat. Sie schreibt: „Ich liebe dich, auch wenn du mir manchmal furchtbar auf die Nerven gehst, ich würde für dich durch die Hölle gehen. Bitte werde ein unabhängiger und ehrlicher Mann, der bereitwillig anderen gibt und ein freundliches Gemüt hat. Versuche so zu leben, wie ich es dir gezeigt habe.“

Dem Brief ist ein Album beigelegt, das mit Fotos von ihren gemeinsamen Tagen bestückt ist. „Und die leeren Seiten am Schluss sind für deine Zukunft, damit du neue Erinnerungen schaffen kannst, die du an deine Kinder weitergibst“, beendet sie ihren Brief und ihr Vermächtnis an ihren Sohn.

Diese berührende Geschichte hat Alana Yeo aus Singapur in Szene gesetzt: Deadline basiert auf einer wahren Gegebenheit.

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