POLITIK
06/09/2015 09:09 CEST | Aktualisiert 06/09/2015 09:16 CEST

Experte warnt: "Krieg in der Ukraine endet erst, wenn Russland keine Kraft mehr hat"

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Experte warnt: "Krieg in der Ukraine endet erst, wenn Russland keinen Kraft mehr hat"

In Europa bestimmt die Flüchtlingskrise die Schlagzeilen. Dabei geht fast unter, dass der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine weiter schwelt. In den vergangenen Wochen gab es immer wieder Tote. Inmitten der Krise begann an diesem Wochenende offiziell der Wahlkampf - allerdings unter Ausschluss des Kriegsgebiets. Am 25. Oktober sollen die Ukrainer neue kommunale Parlamente und Bürgermeister wählen.

Aber auch im Kriegsgebiet sollen die Bürger abstimmen. Die prorussischen Separatisten wollen gegen den Widerstand der ukrainischen Regierung am 18. Oktober und am 1. November eigene Kommunalwahlen abhalten.

Alles deutet also darauf hin, dass der Konflikt um die östlichen Gebiete der Ukraine weitergeht. Frieden ist nicht in Sicht. Umso mehr werden Antworten gesucht, wie der Konflikt vielleicht doch zu lösen ist. Das Magazin "WirtschaftsWoche" hat in einem Interview mit dem schwedischen Ökonomen und Russlandexperten Anders Aslund über mögliche Lösungen gesprochen. Aslund aber macht Europa keine Hoffnung, dass der Konflikt bald endet.

Hier sind seine wichtigsten Thesen zum Russland-Ukraine-Konflikt:

1. Der Krieg endet erst, wenn Russland keine Kraft mehr hat

Aslund sieht das größte Problem darin, dass Russland nun nicht mehr zurückkann: Putin habe die Separatisten unterstützt, wolle aber jetzt die Gebiete nicht vollständig annektieren. Der Grund: Wirtschaftlich liegen die Separatisten-Regionen in der Ukraine am Boden, die Infrastruktur ist zerstört. Die Region ist also in einer Art Patt gefangen, aus dem keine der beiden Seiten einen Ausweg hat. Deshalb gehen die Auseinandersetzungen weiter. "Wenn der Krieg endet, dann weil Russland keine Kraft mehr hat", sagt Aslund.

2. Die wirtschaftlichen Folgen des Krieges sind verheerend

Aslund geht davon aus, dass die Auseinandersetzungen die Ukraine etwa sieben Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts kosten. Hinzu komme, dass die Ukraine keine Waren mehr nach Russland exportiert. Dadurch fielen weitere sechs Prozent des BIP weg. Allerdings: In den vergangenen Monaten hätten in den Krisengebieten wieder Kohleminen und Industrieanlagen geöffnet. Die wirtschaftliche Situation dort bessert sich. Aslund schätzt aber, dass "die Ukraine insgesamt 16 Prozent ihrer Wirtschaftskraft infolge des Kriegs der Russen eingebüßt" hat.

3. Der Ukraine droht nicht nur von außen Gefahr

Die Bürger in der Ukraine, sagt Aslund, sähen derzeit keine nennenswerten Verbesserungen in ihrem Alltag. Im Gegenteil: Die wirtschaftlich notwendigen Reformen hätten zu sinken Löhnen geführt und Unsicherheit geführt. Vor einigen Tagen schon kam es zu Ausschreitungen von ukrainischen Nationalisten, weil die Regierung in Kiew Teile der Ostukraine in autonome Gebiete umwandelte - ein Zugeständnis an Russland und die Separatisten.

Und was ist die Lösung?

Aslund plädiert dafür, dass der Westen auf Konfrontationskurs zu Russland geht und die Ukraine militärisch und finanziell unterstützt. Das allerdings wäre für Russland eine heftige Provokation - und die führen bekanntlich selten zu Frieden.

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