POLITIK
05/09/2015 17:42 CEST | Aktualisiert 05/09/2015 18:15 CEST

"Die Welt wacht gerade auf" - so denkt US-Außenminister Kerry über die Flüchtlings-Katastrophe

HuffPost

Die Flüchtlingskrise wird für Europa zu einer immer größeren Belastungsprobe. In Ungarn, wo viele tausend Menschen aus Syrien und anderen Ländern auf die Weiterreise in den Westen hoffen, spitzte sich die Lage am Freitag weiter zu.

Von den 3000 Menschen, die vor dem Ostbahnhof in Budapest lagerten, machten sich viele zu Fuß auf den Weg Richtung Westen. Allein am Wochenende erwarten die Behörden mehrere Tausend Flüchtlinge aus Ungarn am Hauptbahnhof in München.

Die vielen dramatischen Bilder, die dieser Tage um die Welt gehen, werfen die Frage auf: Was kann die westliche Staatengemeinschaft tun, um die humanitäre Katastrophe zu stoppen?

Kerry will die Krise in den Heimatländern lösen

Die USA hatten sich zuletzt zurückhaltend geäußert. Europa müsse mit dem Ansturm von Flüchtlingen selber fertig werden, sagte der Sprecher des Weißen Hauses, Josh Earnest, noch am Donnerstag.

US-Außenminister John Kerry hat Earnest jetzt zumindest teilweise widersprochen. Im Interview mit der Huffington Post kündigte Kerry an, dass Washington künftig mehr Verantwortung angesichts der Flüchtlingskrise vor allem in Syrien übernehmen werde.

"Wir könnten viel mehr tun, um diese Menschen zu schützen", gab Kerry zu. Die USA sollten dennoch keine weiteren Flüchtlinge aufnehmen, sagte er. Stattdessen werde sich die Hilfe seines Landes auf die bereits bestehenden Flüchtlingslager in anderen Staaten konzentrieren, kündigte Kerry an.

"Ich spreche nicht davon, dauerhaft mehr Flüchtlinge aufzunehmen", sagte Kerry. "Es gibt Flüchtlingslager in Jordanien, im Libanon. (...) Es könnte sein, dass wir erst einmal eine Art Flüchtlingslager-Strategie aufstellen müssen, um mit der Flüchtlingskrise fertig zu werden."

"Die Welt wacht gerade auf"

Er hoffe zudem, dass die aktuelle Situation ein Signal für viele Staaten sein werde, den Fokus noch stärker auf die grundlegenden Probleme zu richten.

Angesprochen auf die Bilder des toten syrischen Flüchtlingsjungen, die in der vergangenen Woche um die Welt gegangen waren, sagte Kerry: "Es sind verstörende und provokante Fotos, in vielerlei Hinsicht. Ich habe einen Enkel in dem Alter. An so etwas denkt man dann."

Zur Terrormiliz Islamischer Staat (IS) sagte Kerry: "Es ist ein erstaunlicher Widerspruch, dass es im 21. Jahrhundert, nach allem, was wir bisher durchgemacht haben, eine Gruppe gibt, die Tempel zerstört, Menschen köpft, die die Tempel beschützen wollen und auf erbärmliche Art Vergewaltigung zu einem Instrument des Krieges und des Machtgewinns über ihre Mitmenschen macht."

Man müsse etwas dagegen tun, forderte Kerry. "Und ich glaube, dass die Welt angesichts der Flüchtlingskrise in Europa gerade aufwacht, weil sie merkt, dass wir mehr tun müssen."

"Wir müssen eine Struktur schaffen, damit die Flüchtlinge nicht so verzweifelt sind. Sie benötigen temporäre Unterkünfte und sie müssen mit Nahrung versorgt werden."

Das Interview mit US-Außenminister John Kerry erschien zunächst bei Huffington Post US und wurde von Sam Stein geführt. Hier findet ihr das Gespräch in voller Länge.

Lesenswert:

Flüchtlings-Krise: Das sind die kruden Aussagen des ungarischen Regierungschefs

2015-08-06-1438870629-2559366-10000.png

200 Menschen aus Deutschland, darunter Politiker, Schauspieler, Musiker, Studenten und andere Menschen haben in der Huffington Post ein wichtiges Zeichen gesetzt: Sie haben den Flüchtlingen in Deutschland zugerufen: "Willkommen, gut, dass ihr hier seid, weil..."

Seit dieser Aktion erreichen uns täglich weitere Dutzende Beiträge zu diesem Thema. Wenn Sie sich an der Diskussion mit einem eigenen Artikel beteiligen wollen, schreiben Sie an blog@huffingtonpost.de.

Es ist Zeit, dass wir in Deutschland ein Zeichen setzen. FÜR Weltoffenheit, FÜR Toleranz und FÜR Menschen in Not