Jan Böhmermann rechnet mit ARD und ZDF ab: GEZ-Milliarden für Langweiler verschwendet

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Wenn ein Moderator einer ZDF-Sendung im ZDF über das „vermuffte“ öffentlich-rechtliche Rundfunksystem lästert - ein System, das die Interessen Millionen junger Menschen ignoriere, aber deren Kohle haben wolle -, wenn ein Moderator so etwas sagt, dann hat er entweder gerade gekündigt und nutzt seine neu gewonnene Redefreiheit. Oder er hat einfach Arsch in der Hose.

Der Moderator, der das getan hat, heißt Jan Böhmermann. Eines der wenigen ZDF-Gesichter, das unter 30-Jährige kennen.

Der Tod für gute Ideen

Seine Kritik zusammengefasst: „Immer, wenn der Rundfunkrat tagt, stirbt irgendwo auf der Welt eine gute Idee für junge Zuschauer.“

In seiner Sendung "neo magazin royale" widmete er sich zehn Minuten lang dem Zustand des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Es war eine Abrechnung, bei der Böhmermann immer wieder sagte, dass er hin- und hergerissen sei, weil er schließlich vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk bezahlt werde. Von den Zuschauern.

Die öffentlich-rechtlichen wollen noch mehr Geld

Er erinnerte noch mal daran, was ARD und ZDF zuletzt an zusätzlichem Geld gefordert hatten: bis zu zwei Milliarden Euro für die Jahre 2017 bis 2020. "Gute Programme kosten Geld, deswegen brauchen wir für die kommende Beitragsperiode ab 2017 einen Ausgleich für Preissteigerungen", sagte ARD-Chef Lutz Marmor in der vergangenen Woche. Sätze, die ein Intendant eben so sagen muss, wenn er ein aufgeblähtes Milliarden-System nur mit der Pinzette reformieren will.

Bereits jetzt müssen die Zuschauer 17,50 Euro im Monat zahlen. Ein Beitrag, der eigentlich eine Steuer ist, in einer Höhe, für die man sich Netflix und Amazon Prime Video kaufen könnte.

Okay, ein bisschen was Gutes gibt es auch im ZDF

Zugegeben: Allein, dass Böhmermann in seiner Sendung in dieser Schärfe über den Rundfunkbeitrag lästern darf, zeigt, dass im öffentlich-rechtlichen Fernsehen Dynamik vorhanden ist. Dass das ZDF nicht überall das Zentrum der Finsternis ist.

Zudem beweist das ZDF in internationalen Koproduktionen (etwa „Die Brücke“), dass es ein Gespür für gutes Fernsehen hat, genauso wie für gelungene Krimireihen („München Mord“, „Unter Verdacht“), gutes Kabarett ("Die Anstalt") oder tollenReportagen (37 Grad). Und ja, auch der WDR bemüht sich mit seiner Jugendoffensive zumindest darum, jünger zu sein.

ARD noch vermuffter als das Zweite

Aber ehrlich gesagt: Die ARD wirkt mit dem Programm ihrer Rundfunkanstalten im Vergleich mit dem ZDF noch weitaus vermuffter. Ja, der "Tatort" ist gleich ARD. Und das ist eine Institution. Da ist auch noch die Sportschau, die man aber auch nur guckt, falls man kein SkyGo-Zweitabo irgendeines Freundes oder Verwandten nutzt. Was noch? "Zimmer frei" gibt es bald nicht mehr. Der "Tatortreiniger" läuft viel zu selten. Gut, die "Jugendwellen" im Radio als Begleiter am Morgen.

Es ist ja nicht so, als hätten ARD und ZDF das Problem nicht erkannt. WDR-Intendant Tom Buhrow sagt klipp und klar: "Reden wir nicht drum herum: Reformieren heißt auch – sinnvoll schrumpfen.“

Gemeinsames Jugendangebot muss länger abrufbar sein

Und die Sender haben sich nach jahrelangem Hick-Hack darauf einigen können, ein gemeinsames Jugendangebot zu starten – eines, das ausschließlich online stattfindet. Was konsequent ist, aber nur funktionieren kann, wenn dort die Inhalte auch länger als ein paar Tage abrufbar sein dürfen. Das Angebot soll 2016 starten und diejenigen jungen Zuschauer erreichen, die nur noch bei Netflix, Maxdome, Facebook, Twitter, YouTube & Co. Medieninhalte konsumieren.

Die geplanten Kosten von 44 Millionen Euro teilen sich SWR und ZDF. Das klingt viel, sind aber nur etwa 0,5 Prozent des Budgets von ARD und ZDF. Ob das für einen großen Sprung reicht? Fraglich.

Es gibt jene, die nicht wie Böhmermann noch hin- und hergerissen sind, sondern schon längst komplett durch sind mit dem Rundfunksystem. Sie rufen zum Boykott auf, zur Klage gegen den Rundfunkbeitrag, den sie immer noch GEZ nennen, weil das Wort emotionaler aufgeladen ist.

Kein Fernseher, aber Abgabe für den Musikantenstadl

Sie ärgern sich, dass sie überhaupt keinen Fernseher haben und trotzdem den Musikantenstadl finanzieren müssen. „Das ist, als wenn man in den Supermarkt geht und dafür bezahlt, dass die Waren im Regal liegen“, kritisiert Oliver Marquardt, Initiator der Aktion „GEZ-Boykott“ im Berliner "Tagesspiegel".

Am 10. Oktober soll es einen bundesweiten Aktionstag geben. Schon zuvor wollen die Protestler das Absurde des Beitragssystems zeigen – indem sie unter einer S-Bahn-Brücke übernachten. „Mit der Brücken-Aktion wollen wir symbolisch eine der ganz wenigen Möglichkeiten aufzeigen, den Rundfunkbeitrag noch auf legalem Wege zu umgehen: die Obdachlosigkeit.“

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