NACHRICHTEN
03/09/2015 22:46 CEST | Aktualisiert 04/09/2015 07:50 CEST

Vater des toten Flüchtlingsjungen: "Der Kapitän hat Panik bekommen"

AP
Vater des toten Flüchtlingsjungen: "Der Kapitän hat Panik bekommen"

Die Fotos eines ertrunkenen dreijährigen Flüchtlingskindes aus Syrien vor der türkischen Küste hat die Menschen weltweit aufgewühlt. Jetzt hat sich erstmals der Vater des toten Jungen vor der Presse geäußert.

Seiner Schilderung nach hatte der Kapitän des überladenen Bootes angesichts der hohen Wellen Panik bekommen, war ins Wasser gesprungen und geflohen. Er selbst habe daraufhin das Ruder übernommen. "Die Wellen waren so hoch und das Boot kippte um. Ich nahm meine Frau und meine Kinder in die Arme und bemerkte, dass sie alle tot waren."

Das Boot sei mit zwölf Flüchtlingen und dem Kapitän, mutmaßlich einem Türken, überladen gewesen. Es sei nur vier Minuten auf See gewesen, als der Kapitän über Bord gesprungen sei. "Alles, was ich möchte, ist, in diesem Moment bei meinen Kindern zu sein."

Er wünschte, er könne mit seinem Atem wieder Leben in die Körper seiner Familienmitglieder übertragen, sagte er der arabischen Ausgabe der HuffPost.

Die Tatsache, dass er und seine Familie keine Rettungswesten im Boot trugen, erklärte er mit "Armut". "Das Geld für die Flucht zusammenzubekommen, war schon nicht einfach. Und das Geld für die Rettungswesten konnte ich nicht aufbringen", sagte er.

Die Tante des Jungen, Teema Kurdi, sagte der Zeitung "Ottawa Citizen" derweil, die Behörden hätten erklärt, die Familie habe keine Ausreise-Visa und darüber hinaus keinen international anerkannten Flüchtlingsstatus. "Ich versuchte, für sie zu bürgen. Meine Freund und meine Nachbarn halfen mir mit Bankeinlagen, aber wir konnten sie nicht herausholen. Das ist der Grund, warum sie in das Boot stiegen."

Die Familie war türkischen Medienberichten zufolge im vergangenen Jahr aus der syrischen Stadt Kobane geflohen, nachdem Kämpfer der Terrormiliz Islamischer Staat diese weitgehend überrannt und zerstört hatte.

Neben dem Dreijährigen kamen auch sein fünfjähriger Bruder und seine Mutter am Mittwoch bei der eigentlich recht kurzen Überfahrt von der türkischen Küste zur griechischen Insel Kos ums Leben. Durch die Gezeiten wurden die drei leblosen Körper an den Strand von Hoca Burnu auf der Halbinsel Bodrum angespült. Von der Familie überlebte nur Vater Abdullah Kurdi.

Lesenswert:

"Refugees Welcome": Leipziger Bar heißt Flüchtlinge in einer Stellenanzeige willkommen

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter

blog@huffingtonpost.de.

Hier geht es zurück zur Startseite


Gesponsert von Knappschaft