POLITIK
03/09/2015 11:52 CEST

Reaktionen auf das Bild des toten Jungen: "Wenn dieses Bild die Welt nicht verändert, haben wir alle versagt"

"Wenn dieses Bild die Welt nicht verändert, haben wir alle versagt"

Mehr als 2000 Menschen sind in diesem Jahr schon im Mittelmeer ertrunken, Menschen, die auf der Flucht vor dem Tod waren und ihm schließlich auf dem Weg nach Europa fanden.

2000 Menschen, deren Tod Europa bedauerte und dann vergaß. Bis jetzt.

Ein Mensch hat dem Leid eine Gestalt, ein Gesicht gegeben, ein kleiner Mensch, ein Junge, Aylan soll er heißen.

Das Bild des vielleicht drei Jahre alten Kindes ging am Mittwoch um die Welt, erst über Twitter, dann über die großen Medien. Der Kleine mit seiner dunkelblauen Hose, den dunklen Turnschuhen, dem leuchtend roten T-Shirt, liegt mit dem Gesicht im Sand beim türkischen Bodrum, die Wellen laufen bis zu seinem Kopf.

junge

Ein türkischer Polizist hebt den leblosen Körper hoch, hinsehen kann er kaum.

kind bodrum

Laut „Guardian“ stammt er aus Kobane in Syrien versuchte zusammen mit seiner Familie, Kos in Griechenland zu erreichen.

Einige Reaktionen auf das Foto haben wir hier versammelt:

"Wenn dieses Bild die Welt nicht verändert, haben wir alle versagt,“ schreibt eine Userin unter dem Hashtag "#KiyiyaVuranInsanlik" (in etwa: "Menschheit an die Küste gespült").

„Es ist ein medialer Wendepunkt“, schreibt der Mediendienst „Meedia“.

"Es reicht", titelt die Athener Zeitung "Ta Nea".

"Was versteht Ihr denn nicht?", fragt die griechische Zeitung "Efimerida ton Syntakton“ Europa.

Die Werte der Europäischen Kultur würden zu Land und zu Wasser auf die Probe gestellt, meint das Blatt.

„Ein Foto, um die Welt zum Schweigen zu bringen”, kommentierte die italienische Zeitung „La Repubblica“.

“Der Untergang Europas”, schreibt ein spanisches Online-Portal.

"Die schockierende, grausame Realität in Europa“, titelt der britische "Guardian".

Die „Bild“ färbte ihre letzte Seite schwarz, druckte nur das Bild des Kindes und weißen Text dazu.

“Was, wenn nicht dieses Bild eines an den Strand gespülten syrischen Kindes, wird die europäische Haltung gegenüber Flüchtlingen ändern?” , fragt der britische "Independent"

Die Zeitung startete eine Petition, gerichtet an Premier David Cameron, mehr für Flüchtlinge zu tun.

Das Bild des Kindes ist eines, das Medien nicht einfach so auf die Seiten nehmen. Alle Redaktionen, auch die der Huffington Post, haben diskutiert. Viele haben entschieden, dass man so ein Bild zeigen muss – weil die Realität eben genau so ist. Brutal, schrecklich. Und weil viele Menschen genau so ein Bild brauchen, um das ganze Ausmaß der Flüchtlingskrise zu verstehen.

Andere zeigen das Bild nicht. Weil sie ihre Leser nicht schocken wollen. Weil sie fürchten, man könnte ihnen vorwerfen, so ein Drama für Auflage zu nutzen, die Würde des Kindes zu verletzen.

Ein Ansinnen, das die Beiruter Bürochefin der renommierten „Washington Post“ wütend macht:

Tatsächlich wurde die Würde dieses Kindes schon viel früher verletzt. Warum, wer da Schuld trägt, ist keine Frage, die sich in einem Tweet beantworten ließe.

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