POLITIK
03/09/2015 07:50 CEST | Aktualisiert 03/09/2015 10:07 CEST

Atomschlag weltweit möglich - China stellt neue Superwaffen vor

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Die größte Armee wird kleiner - mehr Frieden bedeutet das nicht.

Es scheint erstmal wie ein Zeichen des Friedens: Bei einer großen Militärparade in Peking hat der chinesische Präsident Xi Jinping erklärt, die größte Armee der Welt um 300.000 Soldaten zu verkleinern.

Das war durchaus überraschend. So hatten die meisten führenden westlichen Länder darauf verzichtetet, hochrangige Vertreter zu den Feierlichkeiten nach Peking zu schicken, die zum Gedenken des Sieges über Japan zum Ende des Zweiten Weltkrieges vor 70 Jahren abgehalten wurde. Der Hintergrund: Viele Länder sorgen sich wegen Chinas aggressivem Vorgehen bei Territorialstreitigkeiten, aber auch wegen der anti-japanischen Botschaft der Parade.

Was hat es also zu bedeuten, wenn Xi nun ankündigt, die Armee zu verkleinern? Wie Rory Medcalf, Militärexperte von der australischen Universität Canberra gegenüber der "New York Times" sagte: "Erstmal scheint es wie ein Signal des Friedens, aber China braucht überhaupt gar keine so große Armee." Vielmehr setze China auf eine Spezialisierung bei seinen Truppen: Mehr High-Tech bei der Luftwaffe und Marine und weniger Bodentruppen.

Und genau diese Spezialisierung hat China bei der Parade mit einer Vorstellung von neuen Superwaffen auch gezeigt. Präsentiert wurden eine neue Interkontinentalrakete, die atomare Sprengköpfe tragen und laut Experten nahezu jeden Ort der Erde erreichen kann und eine neue Rakete, die als "Flugzeugträger-Killer" gilt (sie soll vor allem die USA abschrecken, die vor Chinas Küste mit Flugzeugträgern unterwegs sind). Hinzu kommen neue Kampfjets und Bomber, die auch Atomschläge ausführen können.

Hintergrund: Die USA sehen den wachsenden Einfluss Chinas in Asien mit Sorge. Auch territoriale Streitigkeiten zwischen Taiwan und China und Vietnam und China führen immer wieder zu Militärmanövern.

Die Truppenkürzung ist also ein verstecktes Spar- und Modernisierungsprogramm. Wie Medcalf sagt, sei das Personal ein "großer Kostenblock" im Militär, vor allem weil in China die Gehälter im Militär in den vergangenen Jahren stark gestiegen seien. Auch Xis Vorgänger Jiang Zemin hatte die Armee vor einigen Jahren schon um 200.000 Soldaten verkleinert. 1997 erfolgte gar eine Kürzung um eine halbe Millionen Soldaten.

Fazit: Präsident Xis Erklärung auf der Parade, dass die Volksrepublik ausschließlich friedliche Absichten habe und keine Bedrohung für ihre Nachbarländer darstelle, ist mit Vorsicht zu genießen. Als Zeichen des Friedens wurden während der Parade Tausende Tauben freigelassen - blenden lassen sollte sich davon niemand. China rüstet nicht ab, sondern um.

Mit Material der dpa

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