POLITIK
01/09/2015 07:56 CEST | Aktualisiert 01/09/2015 07:57 CEST

Nazi-Zug in Polen: 6 Rätsel über Hitlers Zug in Polen

dpa
In der Nähe dieser Eisenbahnstrecke wird der "goldene Zug" erwartet

Gibt es ihn, oder gibt es ihn nicht? Ein angeblich entdeckter "goldener Zug" aus der Endphase des Zweiten Weltkrieges verursacht in Polen Aufregung. Man spricht schon von einem "Loch-Ness-Effekt", der Tausende Touristen und Hobby-Schatzsucher in die Region strömen lässt. "Niemand hat das Monster gesehen, aber es zieht die Leute an", heißt es.

Hier sind sechs Rätsel um den angeblichen Nazi-Zug in Polen.

1. Rätsel um die Schatzsucher

Ein deutscher und ein polnischer Schatzsucher behaupten, sie hätten einen Nazi-Zug in Niederschlesien entdeckt. Eine geheime Weiche soll von einer Zugstrecke in ein Versteck unter der Erde führen, wo der Zug vermutet wird.

Als Beweis legten sie ein Georadar-Bild vor. Ein Georadar kann mit elektromagnetischen Wellen unterirdische Gegenstände orten - das Militär setzt diese Geräte zum Beispiel bei der Minensuche ein. Der Zug soll 120 bis 150 Meter lang und gepanzert sein.

Ein Rätsel bleibt, wie Schatzsucher von dem Zug erfahren haben - erst jetzt, 70 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Piotr Zuchowski, Leiter der örtlichen Denkmalschutzbehörde, vermutet ein "Geständnis auf dem Totenbett" - immerhin handelt es sich bei einem der Finder um einen Deutschen. Dessen Vater oder Großvater könnte also durchaus zu den Männern gehört haben, die einst den Zug versteckten, und schließlich das Geheimnis weitergegeben haben.

2. Behörden widersprechen sich

"Die Wahrscheinlichkeit, dass da etwas ist, ist groß", gab die polnische Kulturministerin Malgorzata Omilanowska am Freitag zu. Ihr Stellvertreter Piotr Zuchowski, Leiter der Denkmalschutzbehörde, ist sich sogar "zu 99 Prozent sicher", dass sich in dem Tunnel der Zug befindet.

Doch es gibt auch Zweifel. "Wir können nicht sicher sagen, dass der so genannte goldene Zug sich in der Umgebung von Walbrzych befindet", sagte Tomasz Smolarz, der Leiter der Bezirksregierung, am Montag in Breslau.

Die Dokumente, die der Bürgermeister von Walbrzych von den Findern des angeblichen deutschen Panzerzugs erhalten habe, enthielten keine Georadar-Aufnahmen, sagte Smolarz skeptisch. "Alle Informationen stützen sich auf einen Mitteilung von ein paar Seiten und eine unleserliche Karte."

3. Sogar das Bernstein-Zimmer wird darin vermutet

Nur - womit ist der Zug beladen? Darüber rätseln nicht nur die Polen seit bald zwei Wochen. Gold und Diamanten etwa, von ermordeten Juden geraubt? Munition und Kriegsmaterial? Oder doch Archivalien und Dokumente, die vor allem für Historiker wertvolles Forschungsmaterial sein dürften? Sogar das Bernsteinzimmer wird dort vermutet.

Robert Singer, Geschäftsführer des Jüdischen Weltkongresses, nimmt die Berichte über den angeblichen "goldenen Zug" immerhin so ernst, dass er in einer Stellungnahme darauf hinwies, dass die Wertsachen an die rechtmäßigen Erben zurückgegeben werden müssten, sollte es sich tatsächlich um "Nazigold" handeln, das von ermordeten Juden stammt. Sollten keine Überlebenden gefunden werden, sollten die polnischen Holocaust-Überlebenden damit entschädigt werden. "Wir hoffen, dass Polen die angemessenen Schritte unternimmt", mahnte er.

4. Ist der Zug vermint?

Seit Tagen kommt es in der Region der angeblichen Fundstelle zu Grabungsversuchen von Hobby-Schatzjägern. Die Behörden warnten eindringlich vor diesen Aktionen, da vermutet wird, dass der Zug - wenn er tatsächlich existiert - vermint sein könnte. Nun wird überlegt, das Betreten des dortigen Waldes zu verbieten.

5. Woher kommt der Mythos?

Schon unmittelbar nach dem Krieg wurde vermutet, dass die Nazis in der Region zwei Züge mit Gold-Schätzen vergraben haben. Die Region war wenig zerstört, die Infrastruktur gut ausgebaut. Sowjets und Schatzsucher machten sich seither auf die Jagd - doch blieben erfolglos. Sie durchstreiften ein Tunnelsystem, das die Nazis 1943 begannen, zu errichten.

Das Schloss Fürstenstein, das in der Region steht, sollte zu einer Art Führerhauptquartier umgebaut werden, Dafür wurde ein großes Tunnelsystem unter der Erde gebaut, über das aber nur wenig bekannt ist. Zwar können Teile davon besicht werden, doch bis heute nicht klar, was die Nazis da unten wirklich lagerten.

6. Wie geht es jetzt weiter?

Der Walbrzycher Bürgermeister Roman Szelemej wollte noch am Montag beim Verteidigungsministerium um Unterstützung bitten, um die angebliche Fundregion per Georadar zu untersuchen.

Außerdem wollen die örtlichen Behörden den angeblichen Fundort an der Bahnstrecke zwischen Breslau und Walbrzych stärker sichern - zumal dort in der Nacht zum Montag aus noch ungeklärter Ursache ein Waldbrand ausbrach. Die Polizei intensivierte ihre Patrouillen in dem Waldgebiet.

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