POLITIK
01/09/2015 12:19 CEST | Aktualisiert 01/09/2015 12:34 CEST

Merkel schnappt Gabriel die Flüchtlinge weg: Mann ohne Thema, Wähler, Vertrauen

Getty

Eigentlich hatte Gabriel einen guten Lauf. Während Merkel im Urlaub war, positionierte er sich so deutlich wie kein anderer Politiker gegen Flüchtlingsgegner. Als "Pack" beschimpfte er Nazis, die in Heidenau gegen ein Asylheim marschierten. Wahrscheinlich war es der Satz seiner Karriere, mit dem man ihn immer in Verbindung bringen wird.

Und diesen Erfolg hatte er dringend nötig. Die SPD hat keinen Kanzlerkandidaten, liegt in Umfragen seit Jahren bei 25 Prozent - und hat wenig Aussicht auf Regierungsmacht, weil Merkel politisch alles überstrahlt. Das Flüchtlingsthema ist eine Ausnahme: Während die Kanzlerin schwieg, stellte sich Gabriel vor die Presse und stahl der Kanzlerin die Show. Man hatte das erste Mal das Gefühl: Läuft bei der SPD.

Doch damit ist es jetzt vorbei. Merkel hat gestern die Flüchtlingskrise zur Chefsache erklärt - und damit deutlich gemacht: Ich bin der Chef und nicht Gabriel. Die Kanzlerin hat Gabriel damit die Show gestohlen. Und Merkel kann sich ins gemachte Nest netzen, das Gabriel für sie erkundet hat. Das gemachte Nest ist Merkels Spezialität, wie schon beim Atomausstieg, den die Grünen für sie vorbereiteten.

Jetzt ist Merkel in einer luxuriösen Situation. Sie kennt die öffentliche Meinung, sie weiß, dass das Volk eine Haltung von ihr erwartet. Und auch, dass sie bei dem Thema nur gewinnen kann. Da bleibt die Frage, wie sich Gabriel jetzt eigentlich noch profilieren kann?

Wie dringend er das nötig hat, zeigt eine Umfrage, die jetzt veröffentlicht wurde. Sie ist der zweite Rückschlag für Gabriel in den vergangenen Tagen. Die Mehrheit der Bürger traut demnach eher Außenminister Frank-Walter Steinmeier als SPD-Chef Sigmar Gabriel zu, für die Sozialdemokraten die Kanzlerschaft zu erringen. Steinmeier, unterlegener Herausforderer der Bundestagswahl 2009, erhielt in der Emnid-Umfrage für die Funke-Mediengruppe 51 Prozent der Stimmen, Gabriel als zweitplatzierter kam auf 34 Prozent.

Kein Vertrauen, kein Thema, keine Wähler: Eine fatale Kombination für den SPD-Chef.


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