WIRTSCHAFT
28/08/2015 16:47 CEST | Aktualisiert 28/08/2015 17:42 CEST

Kik könnte für seine Billigmode bald einen hohen Preis zahlen

dpa

24. April 2013, Rana Plaza (Bangladesch): Einsturz einer Textilfabrik, 1127 Tote, 2438 Verletzte. Moralisch mit verantwortlich: Primark,Kik und viele weitere.

11. September 2012, Baldia Town, Karatschi (Pakistan): Brand in Textilfabrik, 289 Tote. Nachweisbare Geschäftspartner: schon wieder Kik.

Es ist die dunkle Vergangenheit, die den Textil-Discounter Kik bis heute einholt. Gut möglich, dass er bald für etwas zur Verantwortung gezogen wird, mit dem er am liebsten nichts zu tun haben würde.

Damals, 2012, zu Zeiten des Fabrikbrandes in Pakistan, der als bislang schwerster Industrieunfall in die Geschichte des Landes eingegangen ist, unterhielt Kik geschäftliche Beziehungen zu einer Zuliefererfirma namens Ali Enterprises.

Ali Enterprises sollte Textilien produzieren, so billig es geht – für Kik, allerdings auf eigene Verantwortung.

Nachdem das Werk niedergebrannt war, sicherte der Discounter den Hinterbliebenen Entschädigungszahlungen in Höhe von 500.000 Dollar. Ein stilles Begleichen moralischer Verantwortung?

Bei solchen Unglücken halten sich Textilkonzerne mit einem öffentlichen Schuldbekenntnis häufig zurück. Eine Anwältin will Kik deshalb jetzt auf anderem Weg zur Rechenschaft ziehen.

Einige Opfer-Familien haben das Textil-Unternehmen vor Gericht gezerrt. Es soll für die Vorfälle von 2012 in Karatschi haften.

Vertreten werden die Hinterbliebenen unter anderem von Juristin Miriam Saage-Maaß. In einem Interview mit der „taz” sagte die Anwältin jetzt:

„KiK profitiert von den Produktionsbedingungen in Pakistan. Unserer Ansicht nach ist KiK mitverantwortlich für den Tod der Beschäftigten.”

Mit der Klage betritt Saage-Maaß juristisches Neuland. Der Fall könnte Präzedenzcharakter bekommen.

Was die Sache jedoch schwierig macht: Dadurch dass Konzerne wie Kik im Ausland, häufig in Dritte-Welt-Ländern, produzieren lassen, sind sie nicht an deutsches Recht gebunden. Und fernab von europäischen Grenzen wird es gemeinhin schwierig mit den Rechten von Arbeitern und Näherinnen.

Davon will sich Anwältin Saage-Maaß jedoch nicht entmutigen lassen. „Unser Ziel ist es, mit juristischen Mitteln den Menschenrechten bessere Geltung zu verschaffen”, sagte sie der Zeitung.

Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen fordern derweil seit langem, dass sich Textilkonzerne für eine nachhaltige Verbesserung der Arbeitsbedingungen in Produktionsländern einsetzen.

Firmen wie Kik und H&M sind daher einem Aufruf von Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) gefolgt und haben sich einem Bündnis für Sozial- und Umweltstandards in ausländischen Produktionsstätten angeschlossen.

Die Unternehmen verpflichten sich demnach, "die sozialen, ökonomischen und ökologischen Bedingungen entlang der gesamten Lieferkette des Textil- und Bekleidungssektors nachweislich zu verbessern" - so steht es zumindest in der Absichtserklärung des Textilbündnisses.

Branchenexperten kritisieren, dieser Schritt ginge nicht weit genug.

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