POLITIK
28/08/2015 12:49 CEST | Aktualisiert 28/08/2015 18:12 CEST

Kein Alkohol nach 22 Uhr? Die Drogenbeauftrage hat da mal wieder eine Idee

dpa
Drogenbeauftragte Mortler (CSU)

Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung will Läden verbieten, nach 22 Uhr Alkohol zu verkaufen."Ich würde eine Verkaufssperre unbedingt befürworten", sagte Marlene Mortler (CSU) im Interview mit der "Rheinischen Post".

Mortler fordert ein "gesellschaftliches Umdenken im Umgang mit Alkohol" und hält die 22-Uhr-Regelung für einen "sehr guten Weg" dieses Umdenken in Gang zu bringen. In Baden-Württemberg habe sich diese Regelung bewährt. Tankstellen und Supermärkte dürfen dort zwischen 22 und fünf Uhr morgens keine alkoholischen Getränke verkaufen. Das würde "Jugendliche vor übermäßigem Konsum abhalten".

Mortler geht also wieder mal den Verbotsweg – wie schon beim Thema Cannabis, das sie unter keinen Umständen legalisieren will.

"Ihr Vorschlag zeigt, wie wenig sie von der Lebensrealität insbesondere der jüngeren Generation versteht", sagte Dieter Janecek, der wirtschaftspolitische Sprecher der Grünen im Bundestag, der HuffPost. Um 22 Uhr beginne für viele Partygänger der Abend gerade erst. "Warum sollten wir die Freiheit dieser Menschen einschränken?"

Im Gegensatz zu Cannabis ist der Alkoholkonsum zwar tatsächlich tödlich. Etwa 75.000 Menschen sterben in Deutschland jährlich daran. Aber wie auch beim Thema Cannabis verhindern Verbote natürlich nicht den Konsum.

"Viel wichtiger wäre es, endlich auf Werbung für Alkohol zu verzichten", sagt Janecek. "Doch dazu hört man kein Wort von der Bundesdrogenbeauftragten. So lange in Fernsehen und Kino Schnaps und Bier als coole Lifestyleprodukte vermittelt werden, müssen wir uns nicht wundern, wenn viele in Abhängigkeit geraten."

Eine Schnappsidee also? Ja, denn auch wenn man das ganze nicht mit der Brille eines Oppositionspolitikers betrachtet, wird der Vorschlag von Mortler nicht besser. Nach dem Festhalten am Cannabisverbot ist das die nächste untaugliche Idee der Drogenbeauftragten. Es drängt sich die Frage auf, ob ein so wichtiger Posten mit Marlene Mortler nicht fehlbesetzt ist. Drogen sind ein zu wichtiges Thema, um sich von Ideologie statt wissenschaftlichen Argumenten leiten zu lassen.

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