WIRTSCHAFT
26/08/2015 07:11 CEST

3 Anzeichen, dass aus dem Euro ein Zocker-Papier geworden ist

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Ein Bild aus der New York Stock Exchange

So schnell können sich die Zeiten ändern. Noch vor wenigen Monaten waren sich die Analysten sicher, dass der Euro gegenüber dem Dollar kontinuierlich fallen wird und die Parität - also ein Kurs, bei dem ein Dollar einem Euro entspricht - noch in diesem Jahr erreicht wird.

Davon ist jetzt keine Rede mehr - völlig überraschend steigt der Euro-Kurs. Am "Schwarzen Montag", als die Börsen weltweit abstürzten, stieg der Euro mit 1,17 US-Dollar auf ein neues Sechsmonatshoch. Er blieb nicht bei dieser Marke. Nach der Zinssenkung in China fiel er gestern bis zum frühen Abend auf 1,1406 US-Dollar. Trotzdem zeigt der Trend auf einmal aufwärts.

Dabei riss er eine Marke, die allgemein als "psychologisch wichtig" angesehen wird: den 200-Tages-Durchschnitt. Das ist eine Linie, die zustande kommt, wenn man die den Durschnitt aller Kurse der letzten 200 Tage errechnet. Der 200-Tage-Durschnitt bewegt sich nicht in Zacken, sondern langsamen Wellenbewegungen und steigt und fällt langsamer als der eigentliche Kurs. Durchbricht der Kurs diese Linie von unten, wird dies allgemein als wichtiges Signal für einen Trendwechsel angesehen.

Normalerweise steigt der Kurs einer Währung aus zwei Gründen: Wenn Investoren Geld in die Region bringen, weil sie von einem starken Wirtschaftswachstum profitieren wollen. Oder, weil die Zinsen dort hoch sind - und Anleger daher dort Anleihen kaufen oder Geld auf Konten deponieren.

Beides ist in Europa aber nicht der Fall. Die EZB fährt eine Politik der Minus- und Nullzinsen und das Wachstum krebst vor sich hin. Der Wert des Euro steigt zwar - aber leider aus dem falschen Grund: Er ist zu einem Spielball von Spekulanten geworden. Hier drei Anzeichen dafür:

1. Der Euro steigt und fällt ungewöhnlich schnell

Die Kursbewegungen des Euro sind ungewöhnlich. Während Aktien schnell steigen und fallen, bewegen sich die Kurse von Währungen eher in langsamen Trends. Der Grund ist, dass der Geldmarkt der größte der Welt ist. Die Geldmengen, die bewegt werden, sind so massiv, dass die Handlungen einzelner Markteilnehmer wenig Einfluss haben. Nicht soder Euro: der springt auf einmal mehrere Prozent nach oben und sackt gleich wieder ab. "Wir sprechen hier nicht über schwankungsanfällige Aktien, sondern über staatliche Währungen. Dieses Marktverhalten ist vollkommen ungewöhnlich", sagte Peter Gorra, Leiter Devisenhandel bei der BNP Paribas, dem Finanzdienst Bloomberg.

2. Der Euro ist zu einer Währung für Carry-Trades geworden

Aufgrund der extrem niedrigen Zinsen leihen sich Anleger Geld in Europa, um es Investments in anderen Währungen zu finanzieren. Man nennt dies einen Carry-Trade. Bisher galt der japanische Yen als typische Währung für Carry-Trades - jetzt hat der Euro in abgelöst Ein beliebtes Geschäft war, sich billig Geld bei europäischen Banken zu leihen, um damit Aktien in China zu kaufen, die in Dollar oder Yuan notiert waren. Diese Trades gingen jetzt nach hinten los: Die Börsen in China brechen ein, Yuan und Dollar fallen, der Euro steigt. Daher mussten sie ihre Positionen auflösen und wieder in Euro zurücktauschen - was zu einem Steigen des Kurses führt.

3. Der Spitzenkurs am Montag war ein Anzeichen für Leerverkäufe, die nach hinten losgingen

Es galt ja bisher als Allgemeinwissen, dass der Euro auf Parität zum Dollar fallen wird. Viele Spekulanten haben den Euro daher "geshortet" - sie haben auf einen Verfall gegenüber anderen Währungen gewettet. Bis zu 30 Milliarden Dollar sollen sie dabei gegen die Gemeinschaftswährung eingesetzt haben. Die wurden kalt erwischt und mussten rasch ihre Positionen auflösen, um Verluste zu begrenzen - also Euros zurückkaufen. Man nennt dies einen "Short Sqeeze". Dieser panikhafte auflösen von Leerverkäufen hat den Trend noch verstärkt und dürfte zu dem kurzfristigen Spitzenkurs von 1,17 Dollar am Montag geführt haben.

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