POLITIK
22/08/2015 20:02 CEST | Aktualisiert 22/08/2015 20:27 CEST

Ex-SPD-Chef Scharping: "Doping gibt's nicht nur im Radsport, sondern auch in der Politik"

dpa

Rudolf Scharping war Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, Verteidigungsminister und SPD-Chef. Nach dem Ende seiner politischen Karriere steht er nun an der Spitze des Bundes Deutscher Radfahrer.

Ein Thema, an dem er da zwangsläufig nicht vorbeikommt: Doping. Denn dass Radsportler sich bei der Tour de France mit unerlaubten Hilfsmitteln einen Wettbewerbsvorteil verschaffen, ist ja schon lange kein Geheimnis mehr.

Weil Scharping sich also mit Politik auskennt und auch mit unerlaubten Aufputschmitteln, haben wir ihn gefragt, wie beides zusammenpasst.

Huffington Post: Herr Scharping, wird in der Politik so gedopt wie im Radsport?

Rudolf Scharping: Überall da, wo hohes öffentliches Ansehen, Einkommen und Wettbewerb aufeinandertreffen, gibt’s die Versuchung, sich einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen.

Also auch in der Politik.

Ja, es gab da ja zuletzt ein paar Fälle, die öffentlich wurden.

Die Menschen ahnen, dass man einen Politikeralltag ohne illegale Hilfsmittel genauso wenig durchstehen kann, wie man mit zehn Minuten Vorsprung eine Bergetappe bei der Tour de France gewinnen kann.

Der Politikeralltag ist zumindest sehr anstrengend und stressig.

Wird da unter Politikern drüber geredet oder ist das ein Tabu-Thema?

Das weiß ich nicht.

Sind Politiker leistungsfähiger als andere Menschen?

Wenn sie ein Spitzenamt in der Politik bekommen, haben sie für gewöhnlich jahrzehntelanges Training hinter sich. Da wurde ihre Leistungsfähigkeit jedenfalls ordentlich getestet.

Was trainieren Politiker da?

Sie müssen sich konzentrieren können. Sie müssen Menschen mitnehmen können. Sie müssen unterscheiden können zwischen langfristig wichtigen und kurzfristig aufgeregten Debatten.

Wie meinen Sie das?

Wenn sich Politiker ständig zu allem äußern, gelangen die großen Probleme aus dem Blick. Die langen, viel wichtigeren Grundströmungen gehen unter bei dem täglichen Geplapper. Wir reden nicht darüber, wie wir unser Bildungssystem weiterentwickeln. Oder wie wir wettbewerbsfähig bleiben. Und auch bei der Einwanderung: Da haben wir Jahre darüber gestritten, ob Deutschland Einwanderungsland ist. Dabei gibt’s da nichts zu streiten. Deutschland ist Einwanderungsland. Das ist ein Fakt, der einfach da ist. Wir sollten stattdessen gucken, wie wir das Beste aus der Einwanderung machen.

Politiker werden von den wesentlichen Dingen abgelenkt?

Ja. Es ist ja okay, wenn Journalisten zu aktuellen Themen etwas von den Politikern hören wollten. Aber müssen sie zu jeder Tag- und Nachtzeit Stellungnahmen zu allem und jedem bekommen? Ich glaube nicht.

Wie viele Überstunden machen Politiker täglich?

Ich habe es nie als Überstunden empfunden. Sie haben eine Aufgabe und nehmen die wahr. Wenn das 16, 17 oder 18 Stunden dauert, dann macht man das eben. Da soll sich auch keiner beschweren. Es ist schließlich noch niemand in ein öffentliches Amt hineingeprügelt worden.

Zu viele Überstunden sind nicht sehr gesundheitsfördernd.

Viele Politiker werden sehr alt. Das scheint jedenfalls gegen die These zu sprechen, dass Politik überfordert und das Leben verkürzen könnte.

In anderen Berufen kommt man irgendwann in ein Rentenalter. Wann kommt das Höchstalter für Politiker?

Das brauchen wir nicht. Zum Glück gibt’s ja auch in anderen Bereichen Versuche, dass Menschen länger arbeiten dürfen, wenn sie es möchten.


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