POLITIK
20/08/2015 20:47 CEST | Aktualisiert 26/08/2015 12:26 CEST

Warum aus dem Propagandakrieg in Korea jetzt Granatenbeschuss wurde

dpa
Das Bild zeigt südkoreanisches Militär bei einer Übung am 13. November 2014

Der Propagandakrieg zwischen Nord- und Südkorea ist eskaliert: Die Nachbarländer haben sich mit Artillerie beschossen. Die wichtigsten Infos und Hintergründe im Überblick:

1. Vermutlich hat Nordkorea zuerst geschossen

Südkorea beschuldigte Nordkorea am Donnerstag, eine Rakete auf eine Militäreinheit nordwestlich der Hauptstadt Seoul abgefeuert zu haben. Die eigenen Streitkräfte hätten mit Dutzenden Granaten zurückgeschossen. Über Opfer oder Schäden ist noch nichts bekannt.

2. Nordkorea zielte wohl auf Lautsprecher

Südkoreanische Medien berichteten unter Berufung auf Militärs, dass vermutlich Lautsprecher entlang der Grenze das Ziel des Beschusses aus Nordkorea gewesen seien.

Dazu muss man wissen: Um ihre Propaganda unters feindliche Volk zu bringen, nutzten sowohl Nord- als auch Südkorea früher extrem starke Lautsprecher in der Grenzregion. Vor elf Jahren wurde die Beschallung eingestellt. Diesen Monat hatte Südkorea die Anlagen nach einer Provokation allerdings wieder in Betrieb genommen, Nordkorea zog nach.

3. Die Aggression war gestiegen, nachdem sich zwei Soldaten an Minen verletzt hatten

Anfang August waren zwei südkoreanische Soldaten von Landminen verstümmelt worden. Einer verlor beide Beine, einer ein Bein. Südkorea wirft dem Norden vor, die Minen erst vor Kurzem südlich der entmilitarisierten Zone vergraben zu haben – Nordkorea dementiert. Dieser Vorfall war der Grund für die erneute Lautsprecherbeschallung gewesen.

Die knapp 250 Kilometer breite und vier Kilometer starke Demilitarisierte Zone (DMZ) trennt die beiden Länder und damit die gesamte koreanische Halbinsel seit Kriegsende 1953 und gilt als eine der am stärksten verminten Gegenden der Welt.

Die südkoreanische Agentur Yonhap hatte kürzlich berichtet, Nordkorea habe neue Minen vergraben, um zu verhindern, dass Menschen in den Süden fliehen. Dort hängen an der Grenze Telefone, mit der sich die Flüchtenden Hilfe holen können.

4. Die Koreas befinden sich seit mehr als 60 Jahre im Kriegszustand

Das kommunistische Nordkorea und Südkorea befinden sich offiziell im Kriegszustand. Der Koreakrieg der Jahre 1950 bis 1953 wurde durch einen Waffenstillstand beendet, einen Friedensvertrag gab es nie.

Von 1950 bis 1953 dauerte der Krieg, er kann als Krieg zwischen dem Kommunismus und den Kapitalismus verstanden werden. Nachdem Japan 1910 das Königreich Korea erobert hatte, infolge der japanischen Kapitulation im Zweiten Weltkrieg aber abgeben musste, wurde die koreanische Halbinsel in zwei Besatzungszonen aufgeteilt: Die Sowejetunion herrschte über den Norden, die USA über den Süden. 1950 attackierte Nordkorea den Süden. Die jeweiligen Schutzmächte griffen ein.

Bis heute stehen sich an der Grenze fast zwei Millionen Soldaten aus Nord und Süd gegenüber. Nordkorea wird inzwischen in dritter Generation vom Kim-Clan diktatorisch beherrscht, Südkorea entwickelte sich zur Demokratie.

5. Nordkorea hat dem Süden jetzt ein Ultimatum gestellt

Nordkorea hat nach Angaben aus dem Süden gefordert, Südkorea solle seine Propaganda-Durchsagen innerhalb von 48 Stunden einstellen - sonst drohten militärische Aktionen. Südkorea kündigte an, hart zu reagieren.

6. Weitere Provokationen sind wahrscheinlich, die große Eskalation nicht

Uwe Schmelter, Vorstandsmitglied der Deutsch-Koreanischen Gesellschaft und früherer Regionalleiter der Goethe-Institute in Ostasien, sagte „Focus Online“an diesem Donnerstag: „Die Situation in der demilitarisierten Zone ist dauerhaft so angespannt, dass sich schon an verhältnismäßig kleinen Dingen eine Eskalation entzünden kann.“

Zu Zwischenfällen an Land und auf See kommt es alle paar Monate zwischen den verfeindeten Ländern. Nordkoreas Machthaber, derzeit der junge Kim Jong-Un, nutzen und brauchen diese Zwischenfälle sogar, um einerseits die vermeintliche Bösartigkeit des Auslands zu belegen und damit andererseits die eigene Position zu stärken.

Im Oktober zum Beispiel hatten sich Grenzer einen Schusswechsel geliefert. Anlass war wohl eine Flugblatt-Aktion von Aktivisten aus dem Süden gewesen.

Schmelter weist allerdings darauf hin, dass es trotzdem nie zum großen militärischen Konflikt kam. Daran hätten seiner Einschätzung nach beide Seiten kein Interesse.

Nordkorea wäre dem Süden mittel- und langfristig miltärisch unterlegen – für einen fürchterlichen ersten Angriff würden die Mittel aber allemal ausreichen.

Mit Material von dpa


Lesenswert:

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter

blog@huffingtonpost.de.

Video: Gipfeltsurm zur Propaganda: Kim Jong Un besteigt höchsten Berg Nordkoreas und wird bejubelt

Hier geht es zurück zur Startseite

Gesponsert von Knappschaft