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Emotionaler Missbrauch: 7 Wege, ein Kind zu verletzen, ohne es zu schlagen

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Kindesmissbrauch gehört zu den schlimmsten Verbrechen, die Menschen begehen. Einem wehrlosen, unschuldigen Kind etwas anzutun, ist mehr als abscheulich. Viele Menschen vergessen allerdings, dass es neben körperlichem Missbrauch viele andere Wege gibt, ein Kind zu verletzen und nachhaltig zu traumatisieren.

Doch diese Art von Verletzung wird nicht durch Schrammen und blaue Flecke sichtbar. Sie versteckt sich tief in der Psyche. Und sie kann schwerwiegendere Folgen haben. Untersuchungen haben gezeigt, dass emotional missbrauchte Kinder die gleichen psychischen Auffälligkeiten zeigen, wie körperlich missbrauchte - teilweise sogar schlimmere.

Auch Worte können Narben hinterlassen.

kind verletzen

1. Ignorieren.

Wenn Eltern ein Kind zur Strafe ignorieren und auf seine Fragen oder auf Annäherungsversuche mit Schweigen reagieren, geben sie ihm das Gefühl, hilflos und ungeliebt zu sein. Passiert das häufiger, prägt sich die Erfahrung ein. Kinder haben dann das Gefühl, die Aufmerksamkeit der Eltern nicht zu verdienen.

2. Herabsetzen.

“Du bist so ein Baby!”


“Wie blöd kann man eigentlich sein?”


“Spinnst du?”


“Du Heulsuse”


Es braucht nicht viel Fantasie, um sich vorstellen zu können, wie schmerzhaft Sätze wie diese für ein Kind sein können.

Ein Kind, das weint, zeigt seine Gefühle offen. Wird es als Heulsuse bezeichnet, wird es künftig versuchen, seine Gefühle zu unterdrücken oder zu verstecken. Ein Kind, das als dumm oder schwach bezeichnet wird, kann kein gesundes Selbstwertgefühl entwickeln und leidet darunter vielleicht sein Leben lang.

3. Körperliche Nähe entziehen.

Körperliche Nähe ist für die Entwicklung eines Kindes sehr wichtig. Wird sie verweigert, nimmt nicht nur die kindliche Psyche Schaden, auch die körperliche Entwicklung kann stark beeinträchtigt werden. Dr. Ralf Nickel von den Helios Kliniken erklärt:

“Die Haut ist das Organ, worüber wir am umfassendsten und stärksten mit der Umwelt in Kontakt stehen. Die Hirnreifung von Babys wird durch Berührung angeregt. Ohne Körperkontakt kommen normale Wachstumsprozesse nicht in Gang.“

4. Erpressen.

“Dann hab ich dich nicht mehr lieb.”

Ein Kind durch Erpressung zum Handeln zu zwingen, ist grausam. Es lernt, dass es Liebe nur für eine Gegenleistung bekommt - nicht um seiner selbst willen. Diese schmerzhafte Erfahrung kann jede künftige Beziehung negativ beeinflussen.

5. Isolieren.

Wird ein Kind vom Familienleben ausgeschlossen oder immer wieder aus Gemeinschaftssituation wie dem Abendessen fortgeschickt, kann das sogar Spuren im Gehirn hinterlassen. Eine Studie der Universität Leipzig belegt, dass diese Veränderungen im Gehirn Krankheiten wie Depressionen begünstigen.

6. Terrorisieren.

Auch die wiederholte Androhung von Strafen ist eine Form des emotionalen Missbrauchs. Ein Kind, das ständig um seine Sicherheit fürchten muss, kann sich nicht angemessen entwickeln und wird die Ängste mit großer Wahrscheinlichkeit auch im Erwachsenenalter nicht einfach ablegen.

7. Nicht fördern.

"Mindestens ebenso wichtig wie die emotionale Zuwendung durch vertraute Personen ist für die Entwicklung des kindlichen Gehirns die ständige Beschäftigung mit angemessenen intellektuellen Aufgaben”, sagt Professor Gerd Poeggel von der Uni Leipzig.



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