WIRTSCHAFT
21/08/2015 05:12 CEST | Aktualisiert 21/08/2015 05:13 CEST

5 Gründe, warum uns die fallenden Aktienkurse Sorgen machen sollten

AP
Der Dow Jones fiel gestern auf den niedrigsten Stand seit Oktober 2014

Die Börsenkurse auf der ganzen Welt fallen. Nachdem der Dax schon am Vortag gesunken war, ging er gestern mit einem deutlichen Minus von 2,34 Prozent auf 10 432,19 Punkten aus dem Handel - das ist der tiefste Stand seit sieben Monaten. In der Nacht dann die nächste schlechte Nachricht: Der amerikanische Dow Jones wurde unter 17.000 Punkte gedrückt. Mit einem Minus von 2,06 Prozent auf 16.990,69 Punkten schloss der weltweit bedeutendste Index an der Wall Street auf dem tiefsten Stand seit Oktober 2014.

Die Börsenkurse nähern sich dem Punkt, an dem sich die Verluste verselbstständigen könnten. Was bedeutet das? 4 Gründe, warum uns die fallenden Aktienkurse Sorgen machen sollten:

1. Chinas Wirtschaft macht Probleme - und das wird sich auf Deutschland auswirken

Im Mittelpunkt der Sorgen steht Chinas Wirtschaft. An den Börsen von Schanghai und Shenzen begannen Mitte Juni die Kurse zu verfallen. Die Regierung versuchte, die Verluste durch Eingriffe in den Markt zu begrenzen - doch die zeigten nur wenig Wirkung. Denn senkte die chinesische Zentralbank überraschend den Wechselkurs des Yuan. Die Führung wollte die eigene Währung billiger machen, damit chinesische Produkte für das Ausland attraktiver werden. Inzwischen hat sich in nur etwas mehr als zwei Monaten ein Drittel der Marktkapitalisierung in Luft aufgelöst. China ist die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt und ein sehr wichtiger Markt für deutsche Auto- und Anlagenbauer. So gerieten gestern auch vor allem Aktien der großen Autokonzerne unter Druck.

2. Die anderen Schwellenländer schwächeln auch

Nicht nur China ist eine Gefahr für die Weltwirtschaft - auch andere Schwellenländer haben Probleme. Bisher galt die Gruppe der BRICS-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika) als Zugpferde der Konjunktur - doch die haben auf einmal Schwierigkeiten. Über die offensichtlichen Probleme, die Russland hat - Sanktionen, niedriger Ölpreis, Verfall des Rubels - braucht man gar nicht zu sprechen.

Zurzeit ziehen Investoren massiv Geld aus den Schwellenländern ab. Wie die britische "Financial Times" berichtet, sind in den 13 Monaten bis Ende Juli dieses Jahres rund 940 Milliarden Dollar aus den größten 19 Schwellenländern abgeflossen - deutlich mehr als während der Finanz- und Wirtschaftskrise der Jahre 2008 und 2009.

Besonders hart getroffen wurde die größte Ökonomie Lateinamerikas. Korruption und Missmanagement haben das Vertrauen in die politische Führung erschüttert, Tausende demonstrieren auf den Straßen. Eine regelrechte Kapitalflucht findet statt. Das betrifft auch die deutsche Wirtschaft: Rund 1400 deutsche Unternehmen sind hier aktiv, die Direktinvestitionen pendeln zwischen 33 und 35 Milliarden US-Dollar. Konzerne wie Thyssen-Krupp leiden unter dem Brasilien-Geschäft, Autobauer wie Mercedes-Benz drosselten zuletzt die Produktion stark.

3. Der Preis der "Angstanlage" Gold steigt wieder

In den letzten Jahren kannte der Goldpreis nur eine Richtung: nach unten. Investoren legten lieber in Aktien und Immobilien an. Doch Anlagen, die als "sichere Häfen" in Krisenzeiten gelten, sind derzeit wieder gefragt. Der Goldpreis schießt wieder nach oben und notierte bei 1150 Dollar je Unze (28,35 Gramm) auf dem höchsten Stand seit einem Monat. Gefragt waren auch deutsche Bundesanleihen: Die Rendite der zehnjährigen Anleihe sank auf 0,58 Prozent. Das ist ein Zeichen, dass Anleger weiter mit fallenden Aktienkursen rechnen.

4. Der Ölpreis fällt - und das ist KEINE gute Nachricht

Autofahrer können sich über niedrige Benzinpreise freuen. Experten der Commerzbank erwarten in den nächsten Wochen einen spürbaren Rückgang der Benzinpreise, wie die "Bild"-Zeitung meldet. Sie von einem Minus um bis zu 20 Cent pro Liter aus. Wir sollten allerdings vorsichtig sein, bevor wir über die niedrigen Preise für Diesel und Benzin jubeln. Bisher wurde der niedrige Ölpreis mit dem Fracking-Boom in den USA erklärt und als grundsätzlich positiv für die Weltwirtschaft angesehen. Inzwischen mehren sich aber die Anzeichen, dass der niedrige Preis auch mit einem Abflauen der Weltkonjunktur zusammenhängt. Denn nicht nur der Ölpreis sinkt - auch der Preis für andere Rohstoffe wie Kupfer ist auf einem Tiefststand. Das weist eher auf eine niedrige Nachfrage aus den großen Schwellenländern hin. Der Thomson Reuters Commodity Index, der die Preisentwicklung von 19 Rohstoffen wie Erdöl, Kupfer und Aluminium misst, fiel sogar unter den Tiefpunkt, den er im Frühjahr 2009 während der Finanzkrise erreicht hatte.

5. Der Eurokurs steigt - und das trifft Deutschland besonders hart

Die europäische Wirtschaft belastet ein im Vergleich zum US-Dollar gestiegener Eurokurs. Eine teurere Gemeinschaftswährung erhöht die Preise deutscher Unternehmen auf dem Weltmarkt und verschlechtert damit ihre Wettbewerbsfähigkeit. Schwächelt die Konjunktur in China, werden ohnehin weniger deutsche Waren in China verkauft - ein starker Euro verstärkt das.

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