POLITIK
19/08/2015 20:10 CEST | Aktualisiert 20/08/2015 15:56 CEST

5 krasse Fakten über die Rekord-Flüchtlingszahlen

dpa
Die Flüchtlingszahlen erreichen einen neuen Höchststand

Erst am Montag wurde bekannt, dass die Zahl der Flüchtlinge, die dieses Jahr nach Deutschland kommen, noch viel höher ist als gedacht. Zwischen 650 000 und 750 000 Flüchtlinge würden in diesem Jahr in Deutschland Asyl beantragen, das ging aus einer Studie des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge hervor.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière musste heute diese Zahl noch einmal noch oben korrigieren: Bis zum Jahresende wird die Zahl der Asylsuchenden wohl auf 800.000 ansteigen. Das bedeutet einen neuen Höchststand.

Hier sind 5 Dinge, die ihr jetzt zu den neuen Flüchtlingszahlen wissen müsst:

1. Was de Maizière ankündigte, wird Geschichte schreiben

1992, mitten im Balkankrieg, kamen 440.000 Flüchtlinge nach Deutschland. Dies führte zu einer der schärfsten innenpolitischen Debatten in der jüngeren Geschichte der Bundesrepublik. Als Folge davon beschloss der Bundestag den "Asylkompromiss" und änderte hierfür die Verfassung: Seitdem haben Menschen aus sicheren Herkunftsstaaten keinen Anspruch mehr auf Asyl in Deutschland.

2. Die Bundesregierung hat sich enorm verschätzt

Eigentlich ging die Bundesregierung von 450.000 Asylbewerbern aus. Doch da in den Konfliktregionen im Nahen Osten keine Entspannung zu erwarten war und die lebensgefährliche Einwanderung über das Mittelmeer stark zunahm, wurde relativ schnell klar, dass diese Zahl nicht realistisch ist. Alleine im Juli gab es 83.000 Asylanträge. In der ersten Augusthälfte beantragten 50.000 Menschen Asyl.

3. Die Herkunftsländer sind ein Thema

Wie bereits in den vergangenen Jahren kommen die meisten Flüchtlinge aus Syrien. Politisch umstritten ist jedoch die hohe Anzahl der Flüchtlinge aus den Balkanstaaten. Diese Länder gelten mittlerweile als sicher, die Menschen haben kaum eine Chance, in Deutschland bleiben zu dürfen. Alleine 17 Prozent aller Asylsuchenden stammen aus dem Kosovo, 13 Prozent aus Albanien.

4. Die Bundesregierung stellt das vor enorme Probleme

Die Behörden suchen händeringend nach neuen Unterkünften für Kriegsflüchtlinge aus Ländern wie Syrien und dem Irak. Ebenso fehlt es an Personal für die Bearbeitung der Asylanträge. Da immer noch viele Flüchtlinge in Zeltstädten wie etwa in Dresden untergebracht sind, müssen diese winterfest gemacht werden.

Hingegen schottet sich Deutschland gegen die sogenannten Wirtschaftsflüchtlinge vom Balkan immer mehr ab. Bereits seit Monaten versucht die Bundesregierung, dem zunehmenden Flüchtlings-Strom aus Südeuropa Herr zu werden.

Die Regierung schaltete Annoncen in Zeitungen und im Fernsehen der Balkan-Staaten, um die Menschen von einer Ausreise nach Deutschland abzuraten. Weitere Maßnahmen sind schnellere Asylverfahren, Ausreiseprämien sowie Wiedereinreise-Sperren und Aufenthaltsverbote.

5. Für Bund und Länder hat das gravierende Konsequenzen

Gerade Länder und Kommunen haben mit den rasant ansteigenden Flüchtlingszahlen zu kämpfen. In einem Interview mit "Spiegel Online" sprach sich Hannelore Kraft für eine stärkere Unterstützung der Länder und Kommunen durch die Bundesregierung aus. "Der Bund muss jetzt sehr schnell sagen, wie er sich dauerhaft und strukturell an den Kosten für die Betreuung der Flüchtlinge beteiligen wird", sagte die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin. "Wir haben keine Zeit mehr, noch Monate zu diskutieren."

Innenminister de Maiziere appellierte an die europäischen Staaten, ihre Vereinbarungen einzuhalten. "Deutschland alleine kann nicht 40 Prozent der Flüchtlinge aufnehmen", erklärte der Minister auf einer Pressekonferenz in Berlin. Sollten sich die EU-Partner nicht daran halten, stünde gar die Freizügigkeit auf dem Spiel. "Überfordert ist Deutschland mit dieser Entwicklung nicht", sagt er. Bund, Länder und Gemeinden müssten die gegenseitigen Schuldzuweisungen beenden und mit einem Schulterschluss das Problem angehen.

Mit Materialien von dpa

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