POLITIK
19/08/2015 10:56 CEST | Aktualisiert 19/08/2015 11:29 CEST

Debatte im Bundestag: 4 absurde Dinge, die vor der Abstimmung über Hilfsmilliarden passierten

dpa

Der Bundestag stimmt am heutigen Mittwoch in einer Sondersitzung über die neuen Milliardenhilfen für Griechenland ab. Das Hilfspaket hat einen Umfang von 86 Milliarden Euro und ist an strenge Spar- und Reformauflagen gebunden.

Wer die Debatte live verfolgte, dem entging nicht: Eine aufgeladene Stimmung, wie sie nach Monaten Griechenland-Krise eigentlich herrschen müsste, sieht anders aus.

4 absurde Dinge, die an der Debatte im Bundestag auffallen:

1. Für den Bundestag ist es die wohl wichtigste Abstimmung des Jahres, wenn nicht der ganzen Legislaturperiode. Und was ist in den Reihen der Abgeordneten los?

Träge Urlaubslaune, verschlafene Blicke, lahme Mini-Attacken weit unter dem gewohnten Niveau von Grünen und Linken. Es wirkte, als seien die Politiker ausgelaugt, ausgebrannt, wollten die Abstimmung nur schnell hinter sich bringen, um dann ganz schnell zurück in den Urlaub zu verschwinden.

2. Gysi nutzt seine wahrscheinlich letzte Rede als Linken-Chef, um sich nochmal so richtig auszukotzen

Der scheidende Linke-Fraktionschef Gregor Gysi. Er nutzte seinen Platz am Rednerpult nicht nur dafür, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) Versagen in der Flüchtlingsdebatte vorzuwerfen, sondern regte sich gleich auch noch über alles auf, was ihm sonst noch so einfiel - zum Beispiel die Ermittlungen gegen "netzpolitik.org" und die Kurdenproblematik in der Türkei.

Zumindest seine Ausschweifungen motivierten die schläfrigen Abgeordneten zu einigen Zwischenrufen und murrenden Einwänden, er solle gefälligst beim Thema der Sondersitzung bleiben.

Doch "Spiegel Online"-Journalist Florian Gathmann hatte Recht, als er twitterte:

Die Kanzlerin, Vize-Kanzler Gabriel und Außenminister Steinmeier hatten während Gysis Rede zumindest offenkundig besseres zu tun:

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Merkel, Gabriel und Steinmeier bei der Debatte über das dritte Hilfspaket für Griechenland; Bild: dpa

3. Generell: sehr wenig Griechenland, sehr viel Flüchtlingspolitik

Fast wirkte es so, als seien die Abgeordneten das Thema Griechenland nun endgültig leid. Lieber machten sie sich gegenseitig Anschuldigungen den Umgang mit dem Flüchtlingsstrom betreffend.

4. Merkel ist physisch anwesend, mehr aber auch nicht

Die erste Stunde saß die Kanzlerin noch auf ihrem Platz - dass Grünen-Chef Anton Hofreiter sie in seiner Ansprache persönlich begrüßte, sorgte für Erheiterung im Saal, ganz so, als stelle er es als Besonderheit hin, sie hier anzutreffen. Nach einiger Zeit allerdings suchte man sie dort vergeblich. Merkel stand dann im hinteren Bereich des Plenarsaals rum und diskutierte mit der Grünen-Abgeordneten Marieluise Beck.

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Merkel unterhält sich während der Debatte vor der Abstimmung über das Hilfspaket für Griechenland im Bundestag mit Marieluise Beck von den Grünen; Bild: dpa

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