WIRTSCHAFT
19/08/2015 03:51 CEST | Aktualisiert 19/08/2015 11:55 CEST

'Viagra für Frauen" kommt auf den Markt - 7 wichtige Infos zum Medikament

Die "Viagra für Frauen" kann in den USA auf den Markt kommen. Die Arzneibehörde FDA in Washington hat zum ersten Mal ein luststeigerndes Präparat als Medikament zugelassen. Die Food and Drug Administration genehmigte am Dienstag das Mittel Flibanserin, das unter dem Namen Addyi auf den Markt kommen soll.

Die wichtigsten Infos zum Präparat:

1. Die rosa Pille soll die sexuelle Lust von Frauen wecken.

"Die heutige Zulassung gewährt Frauen, die unter sexueller Unlust leiden, eine überprüfte Therapiemöglichkeit", sagte FDA-Forschungsdirektorin Janet Woodcock. "Die FDA ist um den Schutz und die Förderung der Gesundheit von Frauen bemüht, und wir fühlen uns verpflichtet, die Entwicklung sicherer und effektiver Präparate zu unterstützen."

2. Addyi ist nicht vergleichbar mit Viagra

Anders als Viagra muss die Lustpille für Frauen über einen Zeitraum von mindestens vier Wochen eingenommen werden.

3. Anwenderinnen hatten nur sehr wenig häufiger Sex

Nach Untersuchungen, die auch die FDA veröffentlicht hat, kam es bei Frauen mit dem Wirkstoff zu einem halben bis einem Mal Sex mehr pro Monat als bei Frauen mit Placebo. Das ist ein geringer Wert - allerdings dennoch einer, der für viele Paare einen großen Unterschied machen kann.

4. Tablette hilft nur einem kleinen Teil der Anwenderinnen.

Frigidität oder sexuelle Gefühlskälte ist ein Problem für Millionen Frauen. Sie haben keine Lust auf Sex und empfinden keinen Spaß am Geschlechtsverkehr. Die Störung der Libido ist eine Belastung für viele Beziehungen, die oft psychotherapeutisch behandelt wird. Nach Angaben von Medizinern ist in Deutschland etwa jede dritte Frau betroffen. Ob und wann das Präparat nach Deutschland kommt, ist noch ungewiss. Mediziner gehen zudem davon aus, dass die Tablette nur zehn Prozent der Betroffenen hilft - was allerdings Millionen sein können.

5. Die rosa Pille wirkt weniger auf den Körper, denn auf die Psyche.

Während Viagra und Co. bei Männern ein körperliches Problem anpacken und zu Erektionen verhelfen können, beeinflusst Flibanserin im Gehirn die Botenstoffe Dopamin und Serotonin und soll die Libido anregen. Es geht also nicht um das Können, sondern das Wollen.

6. Flibanserin wurde ursprünglich als Mittel gegen Depressionen entwickelt.

Die luststeigernde Wirkung entdeckte der deutsche Herstelle Boehringer Ingelheim erst später bekannt. Nach einem negativen FDA-Bericht gaben die Rheinland-Pfälzer das Projekt 2010 auf. Sprout Pharmaceuticals aus Raleigh im Bundesstaat North Carolina übernahm die Forschung, scheiterte aber 2013 ebenfalls an der US-Behörde.

Daraufhin gab es heftige Kontroversen zwischen Frauenrechtsgruppen. Die einen warfen der FDA Sexismus vor, weil sie Viagra zugelassen habe, nicht aber Flibanserin. Andere behaupteten, das Unternehmen missbrauche die Aktivistinnen, um ein noch nicht als sicher bewiesenes Präparat durchzudrücken.

7. Die Nebenwirkungen

Wie jedes Medikament hat auch Addyi unerwünschte Wirkungen. Ein Beispiel: Das Präparat darf nicht mit Alkohol eingenommen werden, denn dann drohen Ohnmacht und gefährlich niedriger Blutdruck.

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