WIRTSCHAFT
18/08/2015 16:54 CEST | Aktualisiert 18/08/2015 17:59 CEST

„Aldis Schleuderpreise zerstören unsere Familien": Landwirte protestieren gegen Discounter

Getty

Für Kunden von Aldi ist Einkaufen derzeit eine wahre Wonne. Grundnahrungsmittel wie Milch und Butter gibt es zum Spottpreis – sehr zur Freude der Schnäppchenjäger.

Die Milchbauern laufen dagegen seit Wochen Sturm gegen die Preistreiberei des Discounters.

„Es reicht! Wir haben es satt!“

„Schleuderpreise zerstören Nachhaltigkeit, regionale Erzeugung, Milchviehbetriebe – sie zerstören bäuerliche Familien!”

Mit Schlachtrufen wie diesen ziehen dieser Tage vor allem in Süddeutschland viele Landwirte auf die Straße. Mit dabei ist unter anderem Josef Bodmaier, Kreisobmann der Bauern im Landkreis Wasserburg (Bayern).

In der „Wasserburger Stimme” echauffierte sich Frontmann Bodmaier:

„So kann und darf es nicht weitergehen! Wenn jetzt nichts gegen diesen Verdrängungswettbewerb unternommen wird, wird unsere Landwirtschaft ans Messer geliefert.

Und über kurz oder lang wird auch nur noch ein großer Handelskonzern übrig bleiben, der dann nicht mehr nur bestimmt zu welchem Preis wir einkaufen, sondern auch was wir einkaufen.“

Bodmaier sieht sich und die Seinen als Verlierer des unerbittlichen Preiskampfes mit Marktführer Aldi und anderen Lebensmittel-Händlern:

„Wer Qualität und Nachhaltigkeit will, darf nicht so mit hochwertigen Lebensmitteln und uns Bauern umgehen.“

Was die Landwirte derzeit so erzürnt: Aldi bietet das halbe Pfund Butter inzwischen für 79 Cent an, Schweineschnitzel kosten 5,32 Euro pro Kilo. Markenjoghurt wird sogar zum Super-Sonderpreis für 29 Cent verscherbelt.

Viele Bauern haben angesichts eines solchen Preisgefüges Angst vor dem Ruin. Der Marktwert für einen Kilogramm Standardmilch (mit 4,0 % Fett und 3,4 % Eiweiß) ist binnen eines Jahres um 11,5 Prozent abgerutscht.

Vor diesem Hintergrund hatte bereits der Milchpräsident des Deutschen Bauernverbands Udo Folgart gewettert:

"Für mich ist Aldi der Totengräber der Nachhaltigkeit."

Bei seiner Kritik versammelt Folgart viele Unterstützer um sich. Der mittelfränkische Bauernverbands-Präsident und Kreisobmann im Nürnberger Land, Günther Felßner, etwa versteift sich zu der Aussage:

„Wer bei ALDI einkauft is(s)t billig.“

Ein Satz, der deutlich macht, wie verhärtet die Fronten inzwischen sind.

Felßner selbst nahm dieser Tage an einer Kundgebung in Nürnberg teil. Ein Tross von Landwirten protestierte dort vor einer Lidl-Filiale. Als der zuständige Filialleiter auf die Versammlung aufmerksam wurde, trat er hinaus zu den Landwirten. Er fragte jedoch lediglich, ob die Bauern eine Genehmigung für die Kundgebung hätten.

Ein offener Dialog sieht sicher anders aus.


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