WIRTSCHAFT
15/08/2015 18:55 CEST | Aktualisiert 15/08/2015 22:07 CEST

Ökonomen fordern: Nicht Griechenland muss aus dem Euro, sondern Deutschland

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Mit einem Parlamentsentscheid hat Griechenland für harte Sparvorgaben gestimmt, um neue Hilfsmilliarden zu bekommen. Damit ist vorerst sicher: Der Grexit ist abgewendet, Griechenland muss nicht aus dem Euro austreten.

Doch warum überhaupt soll das hochverschuldete Land die Eurozone verlassen? Das fragt der US-Ökonom Patrick Chovanec - und fordert etwas viel Heftigeres:

Deutschland muss zurück zur D-Mark!

Statt der Griechen sollen also die Deutschen aus der gemeinsamen Währung aussteigen. Das sei ein realistischerer Weg aus der Eurokrise, schreibt Chovanec im Fachmagazin Foreign Policy.

Der Grund laut dem Ökonom: Deutschland selbst hat die Krise in Griechenland befeuert. Weil die starke deutsche Wirtschaft viel mehr Waren an andere Länder geliefert hat als andersherum, hat das Land enorme Geldreserven angesammelt - und sie an Länder wie Griechenland verliehen.

Von den Krediten befeuert, kauften diese wiederum mehr Waren aus dem Ausland, zum Beispiel deutsche Autos wie BMW oder Mercedes. Mehr als sie exportierten. Den Konsumrausch finanzierten sie mit weiteren Krediten - und stießen damit die Schuldenkrise an. Auch, weil die Deutschen so viel sparen, stehe viel Geld für Darlehen an schwächere Länder zur Verfügung.

Kredite ohne Ende - das ist ein Riesenproblem

Hätte Deutschland wieder die D-Mark wie vor 2002, sähe das anders aus: Durch die funktionierende heimische Wirtschaft wäre die Mark sehr wertvoll und deutsche Waren im Ausland teuer. Mehr Griechen würden zu heimischen Produkten greifen, der Konsum müsste nicht mehr durch Euro-Kredite finanziert werden.

Ein provokanter Vorschlag. Und derjenige, "der mit der geringsten Wahrscheinlichkeit umgesetzt wird", wie Chovantec einräumt. Ginge es nach ihm und seinen Kollegen, wäre der sogenannte Gexit - also Deutschlands Euro-Austritt - allerdings schon beschlossene Sache. Denn viele Ökonomen halten ihn für eine gute Lösung.

"Die Probleme würden sich in Luft auflösen"

Schon vor knapp einem Monat forderte etwa der ehemalige Chef des Internationalen Währungsfonds, Ashoka Mody, dasselbe. Seine Begründung: Würde der Wirtschaftsmotor Deutschland die Eurozone verlassen, würde die europäische Währung rasant an Wert verlieren, sodass die wirtschaftlich schwächeren Südländer wieder wettbewerbsfähig wären. Ihre Produkte wären im Ausland billiger, sie könnten ihre Exportbilanz verbessern.

Ähnlich argumentierte bereits vor drei Jahren der US-Spekulant George Soros. Mit dem Austritt Deutschlands "würde sich das Problem in Luft auflösen", sagte er. Ein weiterer Gexit-Befürworter ist Ben Bernanke, der frühere Chef der Zentralbank der Vereinigten Staaten.

Populisten wie die AfD würden die Forderung sicher unterschreiben. Doch die Ökonomen sorgen sich weniger um das Wohl Deutschlands als um das der restlichen Welt. Sie glauben: Im Euro sind wirtschaftlich starke und schwache Länder aneinandergekettet. Die Währung, mit der fast jeder 20. Erdenbürger bezahlt, ist eine Bremse für die Weltwirtschaft - jedenfalls, solange Deutschland so viel exportiert wie heute.

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