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200 Deutsche riefen Flüchtlingen zu: "Willkommen!" Jetzt zeigen wir die andere Seite: Hier sprechen die Hassfratzen

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HASSFRATZEN
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Es war ein Zeichen mit großer Wirkung: 200 Menschen sagten in der Huffington Post vor einigen Wochen: "Willkommen, liebe Flüchtlinge. Gut, dass ihr hier seid..."

Künstler waren dabei, Spitzenpolitiker fast aller Parteien, Unternehmer, Studenten und Rentner. Ein eindrucksvolles Statement der bisher viel zu stillen Mehrheitsgesellschaft.

Doch ebenso gewaltig war der Hass.

Wenige Minuten, nachdem wir den Text veröffentlicht hatten, ging es los: "Die Parasiten hat keiner in Europa eingeladen, wenn es dehnen nicht past müssen die nicht nach hier kommen !!!“, schrieben uns Menschen über Facebook. Oder: "Wenn die Frauen belästigen, dann gehört denen eins in die Fr**** und dazu noch rausgeschmissen."

Aber die stumpfen Anfeindungen füllten nicht nur unsere Kommentarspalten. Wenige Stunden später fanden die ersten Menschen, die wir in dem Text zitierten, Hass-Mails in ihrem privaten Posteingang.

Einem Blogger setzte der unbekannte Mob dermaßen mit Drohungen zu, dass er aus Angst um seine Familie alle seine Texte bei uns löschen ließ.

Seit Monaten schon gibt es unfassbare Blog-Texte im Netz, in denen Unbekannte zu einer Jagd auf einzelne Huffington-Post-Redakteure aufrufen. Denn die Flüchtlings-Aktion war nicht das erste Mal, dass wir uns in Texten für Toleranz und Menschlichkeit einsetzten. Oder wir bekommen es gleich als Leserbrief: "Sabrina und ihresgleichen sollten an die ISIS verkauft werden, dort können sie die Vorzüge des Islams dann voll und ganz genießen."

Wir könnten nun tun, was wir Deutschen schon viel zu lange tun: Wir könnten uns sagen, dass da ein paar Idioten durchgedreht sind - und wegschauen. In der frommen Hoffnung, dass die rechten Parolen schon unterhalb des gesellschaftlichen Wahrnehmungsradars bleiben würden.

Aber dafür ist es viel zu spät. Wir haben es als Gesellschaft tatsächlich verschlafen, uns den Anfängen zu wehren. Fremdenfeindliche Kampagnen und rassistische Ausfälle waren seit Jahren überall zu erkennen, wenn man das sehen wollte – ob in der Griechenland-Debatte oder bei Pegida.

Die Diskussion über den Umgang mit Asylbewerbern hat den Anhängern rechter Parolen nun eine einmalige Chance beschert: Sie sind anschlussfähig geworden.

Im Netz hat sich vor unser aller Augen ein bisweilen gewaltbereiter Mob formiert, der mit den Werten des Grundgesetzes gebrochen hat. Und wir wissen nicht, ob diese Leute jemals noch einmal für die Bundesrepublik zu begeistern sind.

Diese Entwicklung war nur möglich, weil wir alle viel zu lange herumgemerkelt haben. Immer wenn es hieß, dass man rechtem Gedankenmüll "keine Bühne geben darf", haben wir so getan, als ob all die Parolen und all der Hass nicht existierten.

"Keine Bühne geben" war eine faule Ausrede für jene, die in Wahrheit zu müde waren, um die Demokratie zu verteidigen.

Es ist jetzt Zeit: Geben wir diesem Thema endlich die nötige Öffentlichkeit. Wir müssen uns mit der kranken Gedankenwelt dieser Menschen auseinandersetzen.

Aber es reicht nicht, sich mit ihnen auseinanderzusetzen. Wir zeigen ihre Gesichter, so, wie sie sich in Sozialen Netzwerken und damit auch auf der Facebookseite der Huffington Post präsentieren. Und ihre Namen. Denn wer auf der Seite eines Mediums solche Meinungen vertritt, sollte auch zu ihnen stehen. Sie rufen nach Meinungsfreiheit - wir nehmen sie beim Wort.

Interessanterweise geht es diesen Menschen oft gar nicht so sehr um die Flüchtlinge selbst, sondern um die Angst vor dem Abstieg und der Beschissenheit ihres eigenen Lebens.

Die schlimmsten dieser Kommentare aus den vergangenen Monaten (auch unter anderen Texten) haben wir hier zusammengestellt.

Aber seht selbst ...