POLITIK
13/08/2015 16:22 CEST | Aktualisiert 13/08/2015 18:31 CEST

Mauerfall: Fast jeder vierte Deutsche hält die Wiedervereinigung für einen Fehler

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54 Jahre ist es jetzt her, dass die DDR-Führung unter Walter Ulbricht mit dem Bau der Mauer begann - und Deutschland damit zum Zentrum des Kalten Krieges machte.

Die Teilung Deutschlands endete erst am 9. November 1989. Mit der Deutschen Einheit wuchs zusammen, was zusammengehört, um es mit den Wortes des ehemaligen Bundeskanzlers Willy Brandt zu sagen.

Doch ein gutes Vierteljahrhundert nach dem Mauerfall sehen das längst nicht alle Deutschen so. Eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov hat ergeben, dass fast jeder vierte Deutsche die Wiedervereinigung für einen Fehler hält.

mauer

(©2015 Edel Germany GmbH)

  • Spannend: Bei den 18-24-Jährigen äußerten sich lediglich acht Prozent der Befragten derart kritisch zum Mauerfall, bei den über 55-Jährigen waren es 27 Prozent. Laut Holger Geißler, Psychologe und Herausgeber der YouGov-Umfrage, habe es bei der Befragung zwischen Ost und West überraschenderweise keinen signifikanten Unterschied gegeben.

  • Am kritischsten stehen die Bayern dem Mauerfall gegenüber. Dort gaben 29 Prozent der Befragten an, dass die Wiedervereinigung ein Fehler war.

Dass es auch mehr als 25 Jahre nach der Deutschen Einheit immer noch deutliche Unterschiede bei sozial-politischen Themen gibt, verdeutlicht eine andere Grafik.

  • Demnach können sich 58 Prozent der Ostdeutschen vorstellen, im Westen zu leben. Im Westen gaben hingegen lediglich 41 Prozent der Befragten an, im anderen Teil Deutschlands leben zu können.

  • Der These, dass es in der DDR Dinge gab, die besser waren als in der Bundesrepublik, stimmten im Osten 76 Prozent der Befragten zu. Im Westen sahen das lediglich 45 Prozent der Befragten so.

  • 64 Prozent der Ostdeutschen finden zudem, dass die Gleichberechtigung der Frau besser verwirklicht war als im Westen.

ost west

(©2015 Edel Germany GmbH)

Die Berliner Mauer war für mehr als 28 Jahre das Symbol der deutschen Teilung. Hier einige Zahlen und Fakten:


  • Aufbau: Ab 1975 wird auf fast 42 Kilometern die Grenzmauer mit 3,60 Meter hohen Segmenten neu errichtet. Auf die jeweils 2,75 Tonnen schweren Elemente werden vier Meter lange Rohrauflagen gesetzt. Daneben besteht die Grenze um West-Berlin aus einer Mauer in Plattenbauweise, einem Metallzaun oder Gewässern.

  • Übergänge: Acht Grenzübergänge verbinden die beiden Stadtteile. Am "Checkpoint Charlie" in der Friedrichstraße droht im Oktober 1961 ein Gefecht sowjetischer und US-Panzer. Am 9. November 1989 gelangen in der Bornholmer Straße die ersten DDR-Bürger in den Westen.

  • Tote: Mindestens 138 Menschen werden bei Fluchtversuchen getötet - die meisten in den ersten fünf Jahren nach dem Mauerbau. Das erste Opfer erliegt am 22. August 1961 beim Sprung aus einer Wohnung in der Bernauer Straße seinen Verletzungen. Zwei Tage später treffen die ersten Schüsse einen Flüchtigen im Humboldthafen. Der letzte Erschossene an der Mauer ist ein 20-Jähriger. Er stirbt am 5. Februar 1989 bei einem Fluchtversuch an der Grenze nach Neukölln. Das letzte Opfer der Mauer stürzt am 8. März 1989 mit einem selbst gebauten Ballon im West-Berliner Stadtteil Zehlendorf ab. Am 3. April 1989 wird der Schießbefehl aufgehoben.

  • Flucht: In den 28 Mauerjahren bewachen insgesamt mehr als 10.000 Soldaten der Nationalen Volksarmee die Berliner Grenze. Es gibt rund 300 Beobachtungstürme. Mehr als 5000 Menschen gelingt die Flucht - aus der gesamten DDR fliehen rund 40.000. Die Bundesrepublik kauft knapp 34.000 politisch Inhaftierte aus DDR-Gefängnissen frei.

Die Ergebnisse und Info-Grafiken stammen aus dem Buch „Wie wir Deutschen ticken“ - erschienen im Edel Verlag - und basieren auf repräsentativen Umfragen des Meinungsforschungsinstituts YouGov.

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