WIRTSCHAFT
13/08/2015 19:57 CEST | Aktualisiert 13/08/2015 20:30 CEST

"Earth Overshoot Day": Ab jetzt verbrauchen wir mehr Rohstoffe, als nachwachsen können

Thinkstock

Ab jetzt zehren wir vom Ersparten der Erde – Ressourcen, die zukünftigen Generationen dann nicht mehr zur Verfügung stehen, schreibt die Huffington Post USA. Denn gestern, am 12. August 2015, hat die Weltbevölkerung so viele Rohstoffe verbraucht, wie die Erde in einem Jahr erneuern kann. Nie haben wir den sogenannten "Earth Overshoot Day“ früher erreicht.

Diesen Tag berechnet der internationale Think Tank Global Footprint Network, indem er dem „Guardian“ zufolge vergleicht, wie viele Ressourcen die Menschen verbrauchen und wie schnell die Natur diese erneuern kann. Zum menschlichen Bedarf gehören Flächen für Acker- und Stadtbau sowie Fisch- und Holzbestände. Und vor allem Wälder, die das ausgestoßene CO2 umwandeln.

Am deutlichsten wird dieser Zusammenhang am Beispiel der Forstwirtschaft: Wenn mehr Bäume gefällt werden als innerhalb eines Jahres nachwachsen, sinkt der Waldbestand auf lange Sicht. Was das ökologische Defizit noch verstärkt: Es stehen dann weniger Pflanzen zur Verfügung, die CO2 umwandeln.

Deutschland gehört zu den Ländern, die mehr Ressourcen verbrauchen, als sie haben. Den Daten von Global Footprint Network zufolge ist hier der Bedarf mehr als doppelt so groß als die Kapazitäten. Damit belegt Deutschland Platz 16 auf der Liste der Länder mit ökologischem Defizit. Größter Sünder sind die Vereinigten Arabischen Emirate, deren Verbrauch um 750 Prozent größer ist. Um die Erde nicht überzustrapazieren, sollte jeder Mensch einen ökologischen Fußabdruck von 1,7 haben. Der Durchschnittsdeutsche trägt aber die Umweltschuhgröße 4,4.

Diverse Gründe für den weltweit steigenden Verbrauch werden auf der Website zum Earth Overshoot Day aufgelistet. Die Weltbevölkerung wächst, Städte breiten sich aus, Fleischkonsum und Verbrauch fossiler Energieträger sind hoch.

Die Auswirkungen der Überlastung seien bereits in der Natur sichtbar, heißt es in einer Pressemitteilung des Netzwerks: Entwaldung, Dürre, Trinkwassermangel, Erosion, Artensterben. Die schwerste Folge, die Ansammlung von CO2 in der Atmosphäre, sieht man hingegen nicht direkt. Die treibt jedoch den Klimawandel voran.

Der Earth Overshoot Day wurde im Trend jedes Jahr früher erreicht - 1987 fiel er noch auf den 19. Dezember. Um nachhaltig zu leben, dürften die Kapazitäten frühestens 31. Dezember ausgereizt sein. Zehren die Menschen in einem Jahr an den Rücklagen, müssten sie im darauffolgenden besonders umweltbewusst leben. Das war aber nicht der Fall.

Laut Global Footprint Network hat die Menschheit im Jahr 1961 nur circa drei Viertel der Ressourcen genutzt. Wegen des weltweiten Wirtschafts- und Bevölkerungswachstums sei die Erde jedoch in den 70er-Jahren erstmals überlastet worden – und seitdem immer wieder.

Wenn es so weitergeht wie bisher, würde die Menschheit im Jahr 2030 zwei Planeten brauchen, um ihren Bedarf zu stillen. Den Berechnungen des Think Tanks zufolge läge der Earth Overshoot Day dann bereits im Juni.

Hier könnt ihr euren persönlichen Fußabdruck berechnen.


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