POLITIK
12/08/2015 20:52 CEST | Aktualisiert 13/08/2015 10:14 CEST

Altersvorsorge, Geldanlage und Pflegevorsorge: Das ist für unsere Zukunft wichtig

thinkstock
Die Deutschen steuern auf eine Katastrophe zu

Der jüngeren Generation wird viel vorgeworfen. Dass sie egoistisch sei. Antriebslos. Unambitioniert. Und, dass sie unfähig sei, die richtigen Fragen zu stellen.

Viele dieser Vorwürfe sind Quatsch. Doch ein Punkt trifft: Wir Jüngeren sind nicht in der Lage, die richtigen Fragen zu stellen. Wer wird sich in 30, 40 Jahren um uns kümmern? Und noch viel wichtiger: Wer wird unser Leben dann finanzieren?

Die meisten werden jetzt genervt weiterklicken. Und das zeigt das ganze Problem. Also bleibt wenigstens noch ein paar Sekunden dabei.

Denn es ist an der Zeit, dass wir uns mit der Realität auseinandersetzen. Und die sieht verhältnismäßig düster aus.

1. Viele von uns werden im Alter arm sein

Wenn es um die Rente geht, sieht es schlecht aus für uns. Die staatliche Altersvorsorge wird für viele nicht mehr reichen. Experten schätzen, dass die gesetzliche Rente bis 2050 von heute 70 auf dann weniger als 50 Prozent des Nettolohns zurückgehen wird.

Zur Erinnerung, das durchschnittliche Einkommen in Deutschland liegt nicht weit über 2000 Euro - brutto. Vom Nettolohn die Hälfte ist nicht mehr viel.

Schon in zehn Jahren werden wir eine massiv steigende Zahl extrem armer Rentner sehen, warnt der Paritätische Wohlfahrtsverband.

Was das bedeutet? Viele Deutsche werden ihr Leben lang arbeiten - und im Alter nicht mehr von der Rente leben können. Es gibt also zwei Möglichkeiten: Entweder wir sorgen selbst vor, oder wir müssen uns im Alter massiv einschränken.

2. Wir kümmern uns zu spät um die Altersvorsorge

Wer im Alter von 20 Jahren anfängt, jeden Monat 50 Euro zurückzulegen, kann damit nach zehn Jahren eine ordentliche Summe anhäufen. Bei einem Zinssatz von 2 Prozent (Tagesgeld) sind es 8000 Euro, bei einem Zinssatz von 7 Prozent (Aktienfonds) sind es sogar über 13.000 Euro.

Experten raten daher: "Je früher man mit der Vorsorge anfängt, desto einfacher wird sie langfristig", empfiehlt Sascha Straub, Finanzexperte der Verbraucherzentrale (VZ) Bayern, in der "Süddeutschen Zeitung".

Der Grund dafür ist simpel: Anleger bekommen nicht nur Zinsen auf ihr angelegtes Kapital. Sie bekommen auch Zinsen auf die bereits verdienten Zinsen.

3. Das Problem: Wir legen unser Geld falsch an

Unser geliebtes Sparbuch wirft schon lange keine Renditen mehr ab. Wir glauben aber immer noch, uns mit Sparbüchern und Tagesgeldkonten eine finanzielle Zukunft sichern zu können. Das ist ein Fehler.

Denn konservative Anlagemethoden bringen extrem geringe Zinsen, wie unser Rechenbeispiel in Punkt 2 gezeigt hat.

Die einzige Chance, wirkungsvoll für das Alter vorzusorgen, sind daher riskantere Anlagen: Aktien zum Beispiel.

„Jeder Sparer braucht einen verzinsten Anteil und sollte versuchen, darüber hinaus Aktienmarktanteile zu haben“, rät Merten Larisch von der Verbraucherzentrale Bayern auf "Focus Online".

Und die Chancen stehen gut, dass sich die Risikobereitschaft lohnt. Berechnungen des deutschen Aktieninstituts zeigen, dass über einen Zeitraum von zehn Jahren Anleger mit Aktien immer im Plus lagen. Sie müssen eben nur die Nerven haben, turbulente Zeiten an den Märkten durchzustehen.

4. Die Deutschen besitzen zu wenig Immobilien

Im europäischen Vergleich besitzen die Deutschen extrem wenig Immobilien. Wir sind Mieter statt Käufer. Wer aber eine Wohnung besitzt oder ein Haus, kann im Alter von den Mieteinnahmen leben oder selbst in der eigenen Immobilie wohnen.

Im Optimalfall kauft man zunächst eine Wohnung, in der jemand anderes wohnt. So zahlt sich die Immobilie quasi von selbst ab - und der Besitzer profitiert zudem von verschiedenen Steuervorteilen.

5. Es gibt so viele Möglichkeiten ...

... aber viele Jüngere lassen sie verstreichen. Wem eine eigene Wohnung zu riskant ist, kann auch in Immobilienfonds investieren. Das sind quasi Anteile an anderen Immobilien. Man investiert dann gemeinsam mit anderen Anlegern in Einkaufszentren, Büroparks oder Kinos - und minimiert das Risiko. Denn einem gehört ja nicht das ganze Haus.

6. Wie eine gute Mischung aussieht?

Zunächst einmal ist es wichtig, dass es eine Mischung gibt. Experten empfehlen ein Drittel sichere Anlagen wie Sparbücher oder Tagesgeldkonten, ein Drittel Immobilien und ein Drittel Aktien.

7. Und es gibt eine weitere Baustelle: die Pflegevorsorge

Wer kümmert sich um uns, wenn wir im Alter pflegebedürftig werden? Qualifizierte Pflegekräfte fehlen in Deutschland nahezu überall. Die Zahlen sind verheerend: In mehr als 60 Prozent der Pflegebetriebe gibt es unbesetzte Stellen, im Schnitt 4,3 pro Firma.Medizinische Einrichtungen müssen drei Monate nach einer geeigneten Krankenschwester oder einem Pfleger suchen.

Experten warnen davor, dass sich der Fachkräftemangel im Gesundheitswesen in den nächsten Jahren noch weiter zuspitzen könnte. "Wir erwarten einen zunehmenden Mangel an Ärzten und Pflegekräften", sagt Peer Köpf, zuständig für Personalwesen und Krankenhausorganisation bei der Deutschen Krankenhausgesellschaft "Zeit online“.

8. Wir werden für unsere Pflege verstärkt selbst aufkommen müssen

Auf der einen Seite wird es immer schwieriger, Nachwuchskräfte in der Pflege zu finden. Auf der anderen Seite gibt es aufgrund der demographischen Entwicklung immer mehr Pflegebedürftige in Deutschland – inzwischen sind es über 2,5 Millionen Menschen. Wer soll dafür aufkommen?

Diese Probleme werden dazu führen, dass die Kosten für Pflege steigen und die Leistungen schrumpfen werden – und wir unsere Pflege aus eigener Tasche bezahlen müssen. Deswegen müssen wir uns damit auseinandersetzen, wie unsere Pflege für die Zukunft gesichert sein wird und - Überraschung! - privat versorgen.


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