WIRTSCHAFT
11/08/2015 08:55 CEST

Drei Gründe, warum Japan aus dem Atomausstieg aussteigen musste

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Obwohl der Großteil der Bevölkerung den Atomausstieg will, fährt Japan wieder seine Atomkraftwerke hoch

Für viele Deutsche dürfte diese Nachricht eine Enttäuschung sein: Japan hat seinen ersten Atomreaktor wieder angefahren.

Während das Land nach dem Atomunfall von Fukushima einen völligen Ausstieg aus der Atomkraft und das sofortige Abschalten aller Atomanlagen beschlossen hatten, wurde diese Entscheidung von der neuen konservativen Regierung zurückgenommen.

Sie beschloss den Ausstieg aus dem Ausstieg. Jetzt wurde Block 1 im AKW Sendai wieder angefahren. Am Freitag soll er wieder Strom produzieren und Anfang September den kommerziellen Betrieb voll aufnehmen. Bis zuletzt hatten Bürger vor Gericht versucht, dies zu stoppen.

Bei Deutschen stößt diese Entscheidung auf Unverständnis. Haben die Japaner nicht aus dem Atomunfall gelernt? Erst im März war Merkel nach Japan gereist und hatte für den Atomausstieg geworben. "Es können die unwahrscheinlichsten Risiken auftreten", sagte Merkel im Hinblick auf die Katastrophe in Fukushima.

Doch wer über Japans Entscheidung urteilt, sollte die diese drei Gründe für den Ausstieg aus dem Ausstieg kennen:

1. Japan musste erkennen, dass es sich den Ausstieg nicht leisten kann

Deutschlands Wirtschaft boomt. Das Land kann sich die wirtschaftliche Belastung eines Atomausstiegs leisten. Japan dagegen ist wirtschaftlich stark angeschlagen - während der wirtschaftliche und militärische Rivale China vor Kraft strotzt. Die Betreiberkonzerne decken den Strombedarf nach der Abschaltung ersatzweise mit Wärmekraftwerken, wofür die rohstoffarme Inselnation teures Öl und Gas importieren muss.

Die Japaner mussten Bilanz ziehen und erkennen, dass sie sich einen Ausstieg aus der Atomenergie nicht leisten können. Im Gegensatz zu Japan hält China bedenkenlos an der Atomkraft fest und plant, sie weiter auszubauen. Ein Atomausstieg würde die Energiepreise verteuern und die Konjunktur weiter belasten.

2. Ein Atomausstieg würde Japan militärisch verwundbar machen

Deutsche, die Japan belehren wollen, scheinen zu vergessen, dass Japan eine Insel mit wenigen Rohstoffen ist. Kohle muss aus Australien eingeführt werden, Gas aus den USA, das Öl aus dem Mittleren Osten und anderen asiatischen Staaten. China baut seine Marine aus und scheut nicht davor, sie als Drohung einzusetzen.

Mit den Anrainerstaaten des ostchinesischen Meeres steht China in einem ständigen Konflikt um Inseln und Meeresgebiete - auch mit Japan. Diese Handelsrouten könne China im Falle eines Konflikts extrem schnell kappen und Japan zum Einlenken bewegen.

3. Japan kann von niemandem Strom kaufen

Auch Deutschland fällt der Atomausstieg schwer: Er kommt zusammen mit Auseinandersetzungen über Stromtrassen, Preissteigerungen und Sorgen um die Netzstabilität.

Wenn Deutschland Probleme mit seiner Stromversorgung hat, kann es einfach Elektrizität bei seinen europäischen Nachbarn einkaufen. Wir können uns daher ohne Angst an das Projekt des Atomausstiegs machen. Japan ist eine Insel - das Land kann sich von niemandem Strom einkaufen.

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