POLITIK
11/08/2015 18:35 CEST

So spielen sich Dortmunder Neo-Nazis als "Stadtschutz" auf

Dass man in Dortmund Menschengruppen in gelben T-Shirts in Bus und Bahn antrifft, ist sicherlich keine Seltenheit. Doch es sind nicht nur Fans des BVBs, die in der auffälligen Signalfarbe unterwegs sind. In Dortmund patrouillieren derzeit Neonazis als „Stadtschutz Dortmund“ in gelber Uniform. Sie wollen den „Angstraum“ des Öffentlichen Nahverkehrs wieder sicher machen – und stellen ihr vermeintlich gemeinnütziges Engagement im Netz medienwirksam zur Schau.

Der „Stadtschutz Dortmund“ ist eine Aktion der Partei „Die Rechte“. Auf ihrer Facebook-Seite heißt es: „Sicherheit, Recht und Ordnung dürfen auf unseren Straßen nicht zu Fremdworten werden - es wird Zeit, selbst anzupacken!“ Bereits seit etwa einem Jahr ist der „Stadtschutz“ auf den Dortmunder Straßen unterwegs, nun auch verstärkt in Bus und Bahn.

Dort helfen sie Menschen beim Ein- und Aussteigen, beraten beim Ticketkauf - und schüchtern ausländisch aussehende Bürger ein. Das rechte Nachrichtenportal „Dortmund Echo“ berichtete etwa: „ Auffällig nervös verhielt sich im Beobachtungszeitraum eine Gruppe von Schwarzafrikanern – ob dies der Anwesenheit des Stadtschutzes geschuldet war oder die Einwanderer etwas zu verbergen hatten, ist unklar (...)“

Die Aktion erinnert an die im September vergangenen Jahres von Wuppertaler Salafisten initiierte „Sharia-Polizei“.Die vom Islamisten Sven Lau angeführte Gruppe bedrängte im Ruhrgebiet Andersgläubige, um für ihr extremistisches Gedankengut zu werben.

Die Dortmunder Stadtwerke und die Polizei zeigten sich durchaus besorgt über die Vorfälle. Britta Heydenblut, Unternehmensprecherin der Stadtwerke, sagte gegenüber dem Blog "Ruhrbarone", sie wolle entschieden gegen den „Dortmunder Stadtschutz“ vorgehen: „Unser Sicherheitsdienst würde – auch unter Hinzuziehung der Polizei – das Hausrecht ausüben und diese Gruppe des Fahrzeugs und der Anlagen verweisen.“

Auch Polizeipräsident Gregor Lange hatte kürzlich versucht die Aktivitäten der Neo-Nazis zu unterbinden. Seine Verbotsverfügung wegen unerlaubter Uniformierung war vor Gericht aber gescheitert, da die zuständigen Richter die T-Shirts des "Stadtschutzes" eher mit Mottoshirts, wie sie an Junggesellenabschieden getragen werden, in Verbindung brachten. Gegenüber "Der Westen" machte Lange jedoch klar: "Eine Bürgerwehr dulden wir als Polizei nicht."


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