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10/08/2015 14:36 CEST | Aktualisiert 26/08/2015 13:31 CEST

Dieser fiese Mechanismus läuft im Gehirn einsamer Menschen ab

Thinkstock
Der Grund für Einsamkeit liegt im Gehirn

Einsame Menschen fühlen sich oft als Versager: Sie haben es nicht geschafft, feste soziale Bindungen zu knüpfen, denken sie. Schlechte Erfahrungen mit anderen lassen die Einsamen schnell den Glauben daran verlieren, jemals aus der Isolation ausbrechen zu können. Einsamkeit ist also ein Teufelskreis.

Neue Studien zeigen Besonderheit einsamer Menschen

Die Wissenschaft hat jetzt gezeigt, dass sich Einsamkeit nicht nur im Verhalten, sondern sogar in den Gehirnströmen manifestiert. Bislang war klar: Einsame Menschen reagieren empfindlicher auf soziale Gefahren. Die meisten Hinweise dafür lieferten Verhaltensstudien: Zum Beispiel verwendeten als „einsam“ klassifizierte Probanden bei Videos mehr Zeit darauf, Szenen zu beobachten, die soziale Ablehnung zeigen.

Einsame haben andere Gehirnaktivitäten

Forscher der University of Chicago fanden jetzt heraus, dass sich die Unterschiede zwischen Einsamen und Nicht-Einsamen auch im Gehirn nachweisen lassen: Die Wissenschaftler maßen die Gehirnströme von 38 Leuten, die sich selbst als einsam beschrieben und verglichen sie mit den Gehirnströmen von 32 kontaktfreudigen Menschen. Während der Aufzeichnung der Gehirnströme absolvierten alle Probanden den sogenannten Stroop-Test.

Dieser klassische psychologische Test besteht aus spezifischen Wörtern, die in unterschiedlichen Farben geschrieben sind. Die Teilnehmer müssen angeben, welche Farbe die jeweiligen Wörter haben.

Die Idee dahinter ist, dass die Reaktionen der Probanden auf die Bedeutung des Wortes unbewusst sind, da sie sich nicht auf die Aussage sondern auf die Farbe konzentrieren. Die von den Forschern ausgewählten Wörter hatten dabei positive und negative Bedeutungen (wie fröhlich und wütend) und konnten in einen sozialen und nicht sozialen Kontext eingeordnet werden (wie einsam und traurig).

Einsame reagieren schneller auf Negatives

Das Forscherteam stellte fest, dass die Gehirnströme der einsamen Teilnehmer viel schneller auf sozial negative Wörter (wie einsam) reagierten, als die der kontaktfreudigen Vergleichsgruppe.

Ein weiterer Befund: Der Stroop-Test impliziert, dass das Vorgehen unbewusst abläuft; einsame Menschen sind sich also ihrer erhöhten Aufmerksamkeit gegenüber negativen, sozialen Signalen nicht bewusst.

Der Teufelskreis

Ohne die Stütze von Familie und Freunden beginnt unser Gehirn bei Fremden schneller Warnsignale auszusenden. Das stellt einsame Menschen vor ein großes Problem: Sie reagieren unbewusst weniger auf ein Lächeln und mehr auf finstere Blicke. Sie halten nach sozialen Gefahren Ausschau, ohne es zu wissen.

Leute, deren Gehirn auf diese Weise funktioniert, sind deshalb ständig sozialem Stress ausgesetzt. Das könnte sogar erklären, warum einsame Menschen einen schlechteren Gesundheitszustand und eine kürzere Lebenszeit vorweisen. Ob dieser Befund auf alle sozialen Gruppen und Lebenslagen zutrifft, ist wegen der kleinen Teilnehmerzahl schwer zu sagen. Die Wissenschaftler der University of Chicago wollen deshalb noch weiterforschen.

Übrigens: Alleinsein ist etwas anderes als Einsamkeit. Für die Wissenschaft ist das Alleinsein ein objektiver Zustand, also die Abwesenheit von anderen Menschen. Einsamkeit dagegen ist ein negatives Gefühl, das man auch in Gesellschaft empfinden kann.


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