LIFESTYLE
09/08/2015 12:55 CEST | Aktualisiert 27/08/2015 16:03 CEST

Studie: Reisen macht uns nicht zu besseren Menschen, sondern sogar krank

Thinkstock
Studie: Reisen macht uns nicht zu besseren Menschen, sondern sogar krank.

"Das einzige, wofür du Geld ausgibst und danach reicher bist, ist Reisen."

"Nur wer reist, erweitert wirklich seinen Horizont."

"Wer reist ist reicher/klüger/offener/sozialer/sonstige positive Eigenschaft im Komparativ."

Seid ehrlich, Sätze wie diese hört und lest ihr auch fast täglich in sozialen Netzwerken und den Medien. Heutzutage scheint Reisen eine Art Status geworden zu sein. Nichts, was jeder immer macht, also etwas besonderes. Reisen ist eine Fähigkeit, ja fast schon eine Eigenschaft. Kurzum: Wer reist, ist ein besserer Mensch.

Forscher der University of Surrey stellen diese Annahme nun scharf in Frage und gehen sogar davon aus, dass Reisen krank machen kann. Wir ahnten ja schon, dass das fantastische Leben unserer reisenden Facebook-Freunde in Wahrheit gar nicht so toll ist. Aber krank?

Die Wissenschaftler kommen in einem Artikel zu dem Schluss, dass die Glorifizierung eines Jet-Set-Lebens vertuscht, wie es Menschen, die viel reisen, wirklich geht. Diese hätten nämlich in Wahrheit mit Schlaflosigkeit aufgrund nie auskurierter Jetlags, Flugangst, Einsamkeit und fehlenden Gefühlen der Verbundenheit mit ihrem Zuhause zu kämpfen.

"Es ist ziemlich interessant, wie bestimmte Probleme in sozialen Netzwerken einfach zur Seite geschoben werden," sagte Stefan Gössling, Autor der Studie gegenüber der Huffington Post. "Auf Facebook werden die Schwierigkeiten des Reisens nicht thematisiert."

Der Artikel verbindet verschiedene Studien, die sich alle mit diversen Reise-Problemen beschäftigen. Aus medizinischer Sicht sind Menschen, die besonders häufig reisen, stärker belastet durch Jetlag. Haben sie Kinder, bauen sie ein ganz anderes Verhältnis zu ihrem Nachwuchs auf und wer dauerhaft um die Welt reist, hat oft große Schwierigkeiten sich in einer Gruppe und an einem Ort wohl zu fühlen, weil er es gewohnt ist, ständig neue Leute und Orte zu erkunden.

Soziale Netzwerke führen dazu, dass wir unsere Identität von Dingen wie Reisen abhängig machen, erklärt Gössling. Auf Facebook gibt es beispielsweise eine Weltkarte, auf der man jeden Ort markieren kann, an dem man je war. Es gibt Fotoalben und Videos und Check-Ins, die laut Gössling und seiner Kollegen dazu führen, dass die Möglichkeit, in kurzer Zeit an vielen Orten zu sein, glorifizieren.

Reisen hat tatsächlich viele gute Seiten, aber wir sollten nicht vergessen, dass es nicht immer nur schön ist, ständig unterwegs zu sein. Es kann sogar krank machen. Psychisch und daraus resultierend auch physisch.

"Wir sprechen stets davon, wie toll Reisen ist und wie es Menschen einander näher bringt," sagt Gössling. "Aber wir sollten auch die negativen Seiten des Reisens thematisieren."


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