POLITIK
07/08/2015 15:37 CEST | Aktualisiert 07/08/2015 15:38 CEST

Der Triumph des Trumpismus: Das erstaunliche Erfolgsgeheimnis des Donald Trump

AP

Er trat arrogant, dünnhäutig und beleidigend auf, aber mit seinen stürmischen Äußerungen übernimmt er bei den Republikanern immer mehr das Ruder.

Was auch immer aus Donald Trumps Präsidentschaftskandidatur schließlich wird - und als Kandidat ist er am Donnerstagabend ganz klar ins Straucheln geraten - so sollten Amerika und die Welt sich nach der ersten TV-Debatte der republikanischen Präsidentschaftskandidaten doch über Folgendes im Klaren sein:

Der Trumpismus setzt sich in einer Partei, die im kommenden Jahr durchaus den nächsten US-Präsidenten stellen könnte, immer mehr durch.

Sollte ein republikanischer Präsident also 2016 ins Weiße Haus einziehen, dann hat dieser Präsident Trumps Einfluss und die folgenden Aspekte des Trumpismus zumindest anerkannt, wenn nicht sogar voll und ganz akzeptiert:

  • Der Bau einer Mauer (oder Ähnlichem) zur effektiven Militarisierung der amerikanisch-mexikanischen Grenze.
  • Eine kriegslustige Positionierung gegenüber dem Iran, China und Russland.
  • Eine tiefe Verachtung gegenüber der jetzigen Regierung, aller bisherigen Regierungen und der Politik, wie sie bid dato praktiziert wurde.
  • Sofortige Aufhebung des aktuellen Atomabkommens mit dem Iran.
  • Barack Obamas Gesetzt zur Krankenversicherung wird abgeschafft und durch irgendein System von Privatunternehmen ersetzt.
  • Ein öffentliches mit-dem-Finger-zeigen auf Politik, Medien und alle, die einem im Weg sind.

Manch ein republikanischer Präsidentschaftskandidat mag den einen oder anderen Punkt dieser Liste angesprochen haben. Donald Trump hat sie bereits alle angesprochen. Und das mit einer Angriffslust, wie sie selten im nationalen Wahlkampf zu hören war.

Die zweistündige TV-Debatte, an der sich zehn der 17 republikanischen Präsidentschaftskandidaten beteiligten (die restlichen Kandidaten waren zuvor bereits in einem TV-Duell zu sehen), hatte nicht viel von einer richtigen Debatte. Vielmehr erinnerte das von Rupert Murdochs Nachrichtensender "Fox News" inszenierte Spektakel an eine Game Show.

Nacheinander gaben die zehn Kandidaten 90-sekündige Antworten auf Schnellfeuer-Fragen, gestellt von drei "Fox News"-Reportern. Diese Fragen sollten vor allem für innerparteiliche Spannungen sorgen.

Gemessen an üblichen Maßstäben war der Auftritt von Donald Trump eine Katastrophe. Er entschuldigte sich nicht für seine vielen sexistischen, frauenfeindlichen Kommentare, obwohl er von einer der bekanntesten "Fox News"-Reporterinnen explizit darauf angesprochen wurde.

In gewohnt hetzerischer Manier schoss er sich auf mexikanische Einwanderer ein, die er als Drogendealer und andere Kriminelle bezeichnete.

Er antwortete auf wesentliche Fragen mit Beschimpfungen. Er behauptete - wenig überzeugend - dass er deshalb einst Demokrat gewesen sei, weil es gut für seine Immobiliengeschäfte in New York gewesen sei.

Er verweigerte den anderen republikanischen Präsidentschaftskandidaten seine Unterstützung, sollte ein anderer als er selbst ins Weiße Haus einziehen. Ein solches Versprechen würde er nur geben, wenn er selbst dieser Kandidat sei. An dieser Stelle wurde Trump ausgebuht.

Trump war arrogant, dünnhäutig und beleidigend.

Doch ein Auftritt, der andere die Karriere kosten könnte, bringt einen Donald Trump noch lange nicht zu Fall.

Zuerst einmal spricht vieles von dem, was Trump sagt, und die Art und Weise, wie er sich präsentiert, seine potentielle Wählerschaft an: Junge weiße Männer, die über keine gute Ausbildung verfügen.

Außerdem erreicht er mit seiner Rücksichtslosigkeit und Unbekümmertheit viele konservative Wähler und zusätzlich auch jene Amerikaner, die mit Politik nichts anfangen können.

Viele Wähler scheinen sich zudem derzeit mit dem Gedanken anzufreunden, dass ein Geschäftsmann, der als skrupelloser Verhandlungspartner gilt, auch ein geeigneter Präsident sein könnte.

Aber selbst wenn Trump die Umfragen zu Fall bringen - und einiges deutet darauf hin, dass das früher oder später der Fall sein wird -, so hat er doch zumindest Eindruck hinterlassen.

Seine Rivalen auf der Bühne waren nicht bereit, sich mit Donald Trump wirklich auseinanderzusetzen. Ein Kandidat lancierte eine Attacke, die aber keinen Schaden anrichtete. Sie wissen, dass Donald Trump einen Nerv trifft - und dass ihnen das auch gelingen muss.

Gouverneur John Kasich, ein ausgebuffter und moderater Republikaner aus Ohio, sprach das an.

Er drängte seine Mitkandidaten dazu, Donald Trump und seine Message ernst zu nehmen. Sie ignorierten ihn und die Gefahr, die er birgt, jedoch müssen sie einen Weg finden, die Aufmerksamkeit auf die gleiche Weise auf sich zu ziehen, wie es Donald Trump gelingt, sagte er.

"Die Menschen wollen, dass diese Mauer zwischen Trump und uns gebaut wird“, sagte Kasich über republikanische Wähler.

Andere, wie beispielsweise Senator Ted Cruz aus Texas und Mike Huckabee, der frühere Gouverneur von Arkansas, sagen von sich, dass sie die Regierung in genau dem Maße verachten, wie es Trump tut. Allerdings haben sie mehr Erfahrung darin, wie sie die Demokraten am besten besiegen.

Nur der frühere Gouverneur von Florida, Jeb Bush, Sohn und Bruder von republikanischen US-Präsidenten, rief zu gemäßigteren Tönen und Respekt auf.

Er hörte sich an wie jemand, der aus Versehen bei der falschen Veranstaltung gelandet ist.

Dieser Artikel erschien zunächst bei der Huffington Post USA und wurde von Cornelia Lüttmann aus dem Englischen übersetzt.


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