6 Gründe, warum Paderborn die Zukunft gehört

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Eine Redensart in Westfalen besagt: "Gott sprach: Es werde Licht, nur an zwei Orten blieb es finster, das waren Paderborn und Münster.“

Nun ist Münster mittlerweile zumindest für Westfalen längst so etwas wie das Berlin-Kreuzberg der Region: jung, hipp, studentisch - und irgendwie öko.

Paderborn dagegen gilt in den meisten Köpfen noch immer als tiefgraue Maus. Als erzkatholische Provinz irgendwo zwischen Bielefeld und dem Sauerland. Doch wer so denkt, der irrt sich! Denn es gibt gute Gründe, wieso der 150.000-Einwohner-Stadt an der Pader die Zukunft gehört:

1. Mittelmaß macht attraktiv

Niemand mag Angeber. In Paderborn (Betonung UNBEDINGT auf der letzten Silbe!) gilt daher: Lieber mit Herz in Liga Zwei als mit Arroganz in die Champions-League. Und so ist der Abstieg des SC Paderborn 07 aus der Fußball-Bundesliga auch nur als sympathisches Understatement zu verstehen. Paderborn braucht nicht die große Bühne, um Klasse zu beweisen. Fluchtlichtspiele am Freitag? Für die Paderborner ist das zu viel Glamour – und außerdem viel zu laut.

Auch die Paderborner Universität gehört nicht zu den deutschen Elite-Unis. Und das ist gut so! Denn während die zukünftigen Top-Ökonomen, Juristen und Naturwissenschaftler nach München, Heidelberg und Konstanz strömen, sehen sich jedes Jahr tausende Abiturienten ohne Einser-Abitur vor der Frage: Wo finde ich einen Studienplatz?

Für sie ist Paderborn eine echte Option. 22.000 Studenten sind hier bereits eingeschrieben. Tendenz stark steigend. Neben der Universität gibt es vier weitere Hochschulen und insgesamt über 100 verschiedene Studiengänge. Lehrer, Chemieingenieure, Theologen, Modedesigner und Informatiker: Sie alle finden ihren Weg nach Ostwestfalen. Denn neben „Bielefeld“ gibt es an der Pader bislang zwei weitere Fremdwörter: Numerus und Clausus.

2. Paderborner machen aus wenig viel - das zeigt das Nachtleben

Wen es tatsächlich nach Paderborn verschlägt, der wird schnell merken: Wirklich viel los ist hier erst mal nicht. Irgendein Miesepeter dichtete der Stadt mal den Namen „Paderboring“ an. Pah! Echte Paderborner können darüber nur lachen: Denn sie wissen, was es heißt, aus wenig viel zu machen!

Paderborn hat kein echtes Kneipenviertel, kein P1 und auch kein Berghain. Die Clubkultur der Stadt lebt von einer Hand voll Locations, die alle mit einem sehr eigenen Charme bestechen. Und so kommt es nicht selten vor, dass der feierwütige Paderborner in einer Nacht gleich alle Clubs und Absteigen der Stadt - vom schicken Resi über das liebswert-abgerockte Sappho bis zum, nunja.. nur abgerockten Savoy's - nacheinander abklappert.

3. ... denn gute Stimmung gibt's nicht nur im Rheinland

Mit Feiern kennen die Paderborner sich aus. Die Kirmes Libori in der Paderborner Innenstadt ist mit 1,7 Millionen Besuchern pro Jahr eines der größten Volksfeste des Landes – und die einzig wahre „Fünfte Jahreszeit“. Dazu ist das Schützenfest wohl nirgendwo in Deutschland eine so unumgängliche Institution wie an der Pader und in den umliegenden Dörfern. Und von denen gibt es einige..

Dabei darf ein kühles Paderborner Pils nicht fehlen. Die Einheimischen verbindet eine skurrile Hassliebe mit ihrem Bier. So heißt es im Paderborn-Lied: "Hast die Pader, Dom und Neptun. Hast das Bier, das jeder kennt!"

Als Paderborner singt - oder gröhlt - man: "Hast das Bier, das keinem schmeckt!" Trinken tut man's trotzdem. Denn die Alternative hieße Warsteiner..

4. Hier steht Tradition Fortschritt nicht im Weg

Paderborn ist konservativ, katholisch, klerikal. Die Stadt ist mit dem Vatikan enger verbunden als mit dem keine 100 Kilometer entfernten Ruhrgebiet. Und gleichzeitig ist Paderborn ein Ort von Innovation und modernster Technik. Wie das zusammenpasst?

Die Beziehung zwischen Paderborn und der katholischen Kirche ist so fast alt wie die Stadt selbst. Bereits im Jahre 799 besuchte Papst Leo II. das spätere Erzbistum. Über Eifersüchteleien ist man da lange hinweg. In Paderborn funktioniert Fortschritt trotz des in Stein gemeißelten Konservatismus.

So produziert "Wincor-Nixdorf" modernste Geldautomaten und Kassensysteme, "Benteler" gehört als Automobilteil-Zulieferer zu den 20 größten Familienunternehmen Deutschlands und "dSpace" produziert Tools und Simulatoren für Automobilindustrie und Luftfahrt.

5. Paderborn und seine Einwohner sind anpassungsfähig!

Wer aus dem hohen Norden, aus Bayern, oder aus Sachsen nach Paderborn kommt, wird mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit mit einem freundlich-ostwestfälischen "Wo kommst du denn wech?!" begrüßt. Denn wer Dialekt spricht, ist nur zuhause wirklich zuhause. Nicht so die Paderborner.

Zwar gibt es auch in Paderborn einen speziellen Dialekt, dieser ist jedoch so subtil, dass Paderborner nirgendwo besonders auffallen. Sie könnten überall unter uns sein! Paderborner sind so unauffällig wie ihre Stadt - und doch völlig einzigartig!

Auch sonst weiß man in Paderborn, was es heißt, sich anpassen zu können. Der SC Paderborn etwa machte es vor. Als nach dem Zweitliga-Aufstieg 2005 das alte Hermann-Löns-Stadion zu klein wurde, zimmerte man sich einfach eine neue portable Tribüne daneben: Pragmatismus paderbörnsch.

Was also in Zukunft an Aufgaben auf die Stadt zukommen mag. Paderborn schafft das. Mit Geduld und Spucke. Und ohne groß aufzufallen.

6. Die Stadt ist ein wahrer Rohdiamant

Aber das wichtigste: Paderborn hat unglaublich viel ungenutztes Potenzial. Und die Bevölkerungszahl wächst weiter.

Weil die Stadt schöner ist als ihr Ruf. Weil man zwar keinen Englischen Garten hat, aber dafür das Paderquellgebiet.

pader springs

Weil es viele junge Menschen gibt, die wollen, dass sich was bewegt. Und Strukturen, die Fortschritt erlauben.

Weil Paderborn manchmal etwas steif ist. Aber Traditionen hier etwas unaufgeregt Ursprüngliches haben.

Weil es hier eigentlich gar nicht so übel ist. Und das irgendwann auch der letzte erkennt.


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