POLITIK
06/08/2015 09:56 CEST | Aktualisiert 06/08/2015 12:59 CEST

70 Jahre nach der Katastrophe vor Hiroshima: Warum eine atomwaffenfreie Welt noch weit entfernt ist

Getty

Es sind klare Worte. Nuklearwaffen stünden für "die ultimative Unmenschlichkeit und das absolute Böse", das beseitigt werden müsse, sagte der Bürgermeister der Stadt Hiroshima zum Gedenken des Atombombenabwurfs am 6. August 1945. Die Nuklearbombe "Little Boy" der USA setzte die Stadt in Flammen und tötete 140.000 Menschen. Doch 70 Jahre nach der Katastrophe ist eine atomwaffenfreie Welt noch weit entfernt.

Aber die eigentliche Bedrohung sind heute weniger die Atomwaffen, die in Besitz der Weltmächte sind, sondern mehr die sogenannten schmutzigen Bomben, die mit radioaktivem Material gebaut werden. In der Ukraine sollen Rebellen daran arbeiten, in Syrien Terroristen des Islamischen Staats (IS). Sie besteht aus einem konventionellen Sprengsatz und setzt bei der Explosion radioaktives Material frei.

In der Ostukraine bekommen Separatisten offenbar Hilfe von russischen Wissenschaftlern. Sie sollen laut einem Bericht des US-Magazins "Newsweek" dabei helfen, 12 Tonnen radioaktives Material nutzbar zu machen. Das soll in einem Hochsicherheitsbunker in Donezk lagern.

Eine solche Waffe könnte den Konflikt in der Region massiv verschärfen. Sie ist ein wichtiger Trumpf in den Händen der Rebellen, die damit die Verhandlungen mit dem Westen entscheidend beeinflussen können. Die Folgen wären nicht nur in der Ukraine, sondern auch in anderen Ländern Europas für Mensch und Natur spürbar.

Das Spiel mit dem Atomknopf soll einschüchtern. Beunruhigend ist dabei vor allem, dass das Material in den Händen von Gruppierungen ist, die nicht an internationale Verträge gebunden sind und bei denen Diplomatie weitestgehend wirkungslos ist.

Das gilt auch bei IS-Terroristen. Denn wie der australische Geheimdienst kürzlich warnte, haben die Kämpfer genug radioaktives Material aus Krankenhäusern und Forschungseinrichtungen erobert, um eine schmutzige Bombe zu bauen. Damit scheint die Bedrohung eine Stufe erreicht zu haben, die Militärexperten seit Monaten befürchten. Stimmt das, könnte die Entwicklung verheerende Folgen haben und einen großflächigen Bodenkrieg mit westlichen Truppen auslösen.

Und die Gefahr besteht nicht nur für die Menschen im nahen Osten. IS-Mitglieder drohten im vergangenen Jahr via Twitter an, dass sie die britische Hauptstadt London mit einer schmutzigen Bombe ins Visier nehmen. Zwar haben die schmutzigen Bomben nicht die Zerstörungswirkung von herkömmlichen Atomwaffen. Eine Recherche der britischen "BBC" ergab aber, dass die eine dieser Bomben im Zentrum London einen Umkreis von einem Kilometer so verseuchen könnte, das jeder Betroffene ein stark erhöhtes Krebsrisiko hätte.

Hintergrund: Zwar hat sich die Zahl der Atomwaffen nach dem Ende des Kalten Kriegs massiv reduziert. USA und Russland haben in den 90er Jahren ernsthaft damit begonnen, ihre Nukleararsenal zu verschrotten. Dennoch sind immer noch etwa 15.000 Atomwaffen in der Welt, vor allem in der Obhut der alten Atommächte.

Doch die Sorge vor einer neuen, nuklearen Bedrohung geht aufs Neue los. Sowohl die USA als auch Russland haben damit begonnen, ihr Arsenal zu modernisieren. Erst kürzlich kündigte der russische Präsident Wladimir Putin an, bis zum Jahresende 40 neue Interkontinentalraketen anzuschaffen. Das muss nicht heißen, dass ein neues Wettrüsten beginnt. Aber die Ära der atomaren Abrüstung ist wohl vorbei.

Die USA hatten zu Ende des Zweiten Weltkriegs am 6. August 1945 eine Atombombe über der japanischen Stadt abgeworfen, die 140.000 Menschen das Leben kostete. Drei Tage später attackierten die Vereinigten Staaten auch Nagasaki mit einer Atombombe. Kurz darauf kapitulierte Japan.

mit Material von dpa

Angeblich war's der Praktikant: "Wir brauchen echte Führung" - Donald Trump wirbt im Wahlkampf mit Waffen-SS-Bild


Lesen Sie auch:

Sie haben auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn Sie die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollen, schicken Sie Ihre Idee an unser Blogteam unter

blog@huffingtonpost.de.

Hier geht es zurück zur Startseite

Gesponsert von Knappschaft