POLITIK
06/08/2015 06:14 CEST | Aktualisiert 06/08/2015 18:32 CEST

Mit diesem Kommentar spricht ARD-Moderatorin Anja Reschke uns aus der Seele

Mit einem Kommentar in den ARD-"Tagesthemen" scheint die "Panorama"-Moderatorin Anja Reschke vielen Deutschen aus der Seele zu sprechen.

In ihrem Beitrag zur Flüchtlingssituation fordert sie angesichts von Hasskommentaren im Internet und Brandanschlägen einen neuen "Aufstand der Anständigen" - wie die Lichterketten nach den Brandanschlägen in Mölln und Solingen in den 90er Jahren.

"Der letzte Aufstand
der Anständigen ist 15 Jahre her.
Ich glaube, es ist
mal wieder Zeit."


Reschke wies auf die Zahl der Hasskommentare im Internet hin, die inzwischen von den meisten als normal und alltäglich empfunden wird.

"Wenn ich mich jetzt hier hinstelle und öffentlich sage: Ich finde, Deutschland soll auch Wirtschaftsflüchtlinge aufnehmen – was glauben Sie, was dann passiert? [...]Ich bekäme eine Flut von Hasskommentaren. 'Scheiß Kanacken, wie viel wollen wir noch aufnehmen, sollen abhauen, soll man anzünden ...', all sowas halt."

Längst gilt es nicht mehr als peinlich, solche extremen Meinungen zu vertreten.

"Bis vor kurzem haben sich solche Kommentatoren noch hinter Pseudonymen versteckt. Aber mittlerweile wird sowas längst unter Klarnamen veröffentlicht. Anscheinend ist das nicht mal mehr peinlich. Im Gegenteil, auf Sätze wie 'Dreckspack, soll im Meer ersaufen' bekommen sie ja auch noch begeisterten Zuspruch und eine Menge Likes. Wenn man bis dahin ein kleiner rassistischer Niemand war, fühlt man sich da natürlich plötzlich ganz toll."

Sie weist darauf hin, dass es nicht nur bei Worten bleibt. Hasskommentare geben Rechtsextremen das Gefühl, durch Brandanschläge den "Willen der Mehrheit" auszuführen.

"Die Hasstiraden im Internet haben ja längst gruppendynamische Prozesse ausgelöst. Die Zahl der rechtsextremen Gewalttaten ist gestiegen."

Strafverfolgung von Facebook-Hetzern alleine würde daher nicht ausreichen. Nur ein deutliches Signal der Gesellschaft, dass sie Anschläge nicht toleriert, würde die Täter stoppen.

"Die Hassschreiber müssen kapieren, dass diese Gesellschaft das nicht toleriert. Wenn man also nicht der Meinung ist, dass alle Flüchtlinge Schmarotzer sind, die verjagt, verbrannt oder vergast werden sollten, dann sollte man das ganz deutlich kundtun."

"Der letzte Aufstand der Anständigen ist 15 Jahre her. Ich glaube, es ist mal wieder Zeit."

Sie scheint auszusprechen, was viele Menschen denken: 42.000 Likes bekam der Beitrag auf Facebook. Das ganze Video können Sie oben sehen.

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200 Menschen aus Deutschland, darunter Politiker, Schauspieler, Musiker, Studenten und andere Menschen haben in der Huffington Post ein wichtiges Zeichen gesetzt: Sie haben den Flüchtlingen in Deutschland zugerufen: "Willkommen, gut, dass ihr hier seid, weil..."

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