POLITIK
04/08/2015 15:33 CEST | Aktualisiert 04/08/2015 15:47 CEST

Was Hoteliers aus Rheinland-Pfalz mit Flüchtlingen machen, sollte andere Unternehmen inspirieren

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Flüchtlinge in Deutschland

Es gibt immer wieder bemerkenswerte Projekte, die Hoffnung machen, dass Gastfreundschaft und Menschlichkeit in diesem Land doch etwas wert sind. Gerade jetzt, wo es so viele gibt, die Deutschland lieber für sich hätten und alle Flüchtlinge sofort wieder zurückschicken würden. Eins dieser Projekte trägt den Titel "Integration durch Ausbildung".

Hoteliers in Rheinland-Pfalz haben sich vorgenommen, 300 Flüchtlingen eine Chance auf einen Ausbildungsplatz zu verschaffen.

Das sind 300 Perspektiven für Flüchtlinge in Deutschland. Für Flüchtlinge, die sich im Gegensatz zur Meinung mancher sehr wohl integrieren und arbeiten wollen.

Daher, so der Plan, sollen die Flüchtlinge ein Praktikum in den Hotels der Region absolvieren, und dann im Idealfall gleich eine Ausbildung anschließen.

Ein bemerkenswertes Projekt, das auch andere Unternehmen inspirieren sollte. Und alles ist vorbereitet in der Pfalz, die versprochenen Plätze sind da.

Nicht aber die Bewerber dafür. Nur 110 Flüchtlinge haben sich gemeldet.

"Wir dachten, dass wir überschwemmt werden mit Nachfragen, weil es hier in Erstaufnahmeeinrichtungen weit mehr als 10.000 Flüchtlinge gibt", sagte Gereon Haumann der Tagesschau, der Präsident des Hotel- und Gaststättenverbands Rheinland-Pfalz.

Und: "Wir sind davon ausgegangen, dass sie von dort zentral von der Landesregierung an uns weitergeleitet werden."

Aber das Land Rheinland-Pfalz hat keine geeignete Koordinierungsstelle eingerichtet, die Flüchtlinge und Helfer zusammenbringt.

Das Projekt hakt. Der gute Wille ist da, aber der Weg fehlt. Die Aktion scheitert an der Bürokratie.

Und es ist keine Seltenheit, dass der Integration bürokratische oder rechtliche Hürden in den Weg gestellt werden. Vielerorts können Flüchtlinge nicht arbeiten, obwohl Unternehmen ihnen Jobs anbieten – weil Dokumente fehlen.

Das Problem der verhinderten Integration zeigt sich auch, wenn Flüchtlingskinder nicht in die Schule gehen können, weil es keine geeigneten Pädagogen gibt.

"Hier geht's um Menschen", zitiert die Tagesschau einen der Hoteliers, der in Rheinland-Pfalz gern helfen würde. "Hier geht's um Schicksale. Das muss einfach schneller gehen."

Das kann man so sagen. Wenn die Menschen, die helfen wollen, nicht helfen können, weil ihnen das Land im Weg steht, ist das ein ziemliches Problem. Dann kann die Politik noch so häufig betonen, wie wichtig Integration ist.


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