POLITIK
03/08/2015 15:39 CEST | Aktualisiert 03/08/2015 15:50 CEST

Wieder wollen 1700 Flüchtlinge den Eurotunnel stürmen, Polizei baut Barrikaden

getty
Der Eurotunnel ist seit Tagen Schauplatz der Flüchtlingskrise

Das Flüchtlingsdrama am Eurotunnel nimmt kein Ende. Trotz mehr Polizei und demonstrativer Härte der Regierung in London drängen weiter Flüchtlinge weiter in Scharen zum Ärmelkanaltunnel in Nordfrankreich. In der Nacht zum Montag stoppten Beamte nach Angaben aus Polizeikreisen 1700 Versuche, illegal nach Großbritannien zu gelangen, wie die französische Nachrichtenagentur AFP berichtete.

Schon in den vergangenen Tagen gab es immer wieder Versuche, den Tunnel zu stürmen. 700 Mal seien Migranten bereits auf das Bahngelände vor dem Tunnel bei Calais gelangt und dort aufgehalten worden, hieß es. In den übrigen Fällen verhinderten die Polizisten schon das Eindringen auf das Gelände. Ein Bereitschaftspolizist sei mit Schotter beworfen und im Gesicht und am Kopf verletzt worden. Aber auch die Flüchtlinge sind Opfer von Polizeigewalt.

calais

(Migrant flieht vor der Polizei - solche Szene spielen sich täglich in Calais ab)

Am Eurotunnel-Terminal bei der nordfranzösischen Hafenstadt Calais versuchen Nacht für Nacht Hunderte Flüchtlinge, auf Züge nach England zu gelangen. Sie erhoffen sich in Großbritannien bessere Asylbedingungen.

Frankreich hatte vergangene Woche nach einem massiven Andrang auf das Gelände vor dem Tunnel und mehreren tödlichen Unfällen zusätzliche Polizisten an die Grenze geschickt, Großbritannien hatte finanzielle Unterstützung und neue Zäune versprochen.

Die Flüchtlinge nahe Calais leben in Zeltstädten, in denen die Versorgung mit dem Nötigsten - Lebensmittel, Medizin - oftmals nicht garantiert ist.

Aber die britische Regierung von Premierminister David Cameron setzt auch weiterhin auf Abschreckung. Sie will illegal eingereisten Migranten künftig die Wohnungssuche erschweren und dazu Hausbesitzer in die Pflicht nehmen. Vermieter sollen Mieter ohne Aufenthaltsgenehmigung ohne richterlichen Beschluss vor die Tür setzen dürfen, hieß es am Montag in einer Mitteilung. Tun sie das nicht oder lassen sie Migranten ohne Prüfung der Papiere einziehen, sollen ihnen Geldstrafen und bis zu fünf Jahre Gefängnis drohen. Nach der Sommerpause soll das Parlament die Regeln verabschieden.

Wie viele Migranten es über den Ärmelkanal schaffen, ist unklar. Wer aufgegriffen werde, mache oft falsche Angaben zu Personalien, sagt der Polizeichef der südenglischen Grafschaft Kent. Allein in den vergangenen fünf Wochen seien 400 illegal eingereiste Menschen in seiner Grafschaft aufgegriffen worden. Französische Behörden schätzen, dass 70 Prozent der einmal Aufgegriffenen die Region Calais innerhalb von vier Monaten verließen - es sei aber unklar, wohin.


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