WIRTSCHAFT
03/08/2015 13:51 CEST | Aktualisiert 03/08/2015 14:29 CEST

Diese Grafik zeigt, wie ernst die Lage in Griechenland wirklich ist

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Die Lage für Alexis Tsipras wird immer ernster

Griechenland steht mit dem Rücken zur Wand: Die Regierung in Athen kämpft um ein neues Hilfspaket und gegen Kritiker in den eigenen Reihen. Und derweil scheint die ohnehin verfahrene wirtschaftliche Situation immer schlimmer zu werden. An diesem Montag etwa öffnete die Börse erstmals nach fünf Wochen wieder - und brach gleich dramatisch ein.

Wie schlimm es wirklich um die griechische Wirtschaft bestellt ist, verdeutlicht jetzt eine Analyse des Finanzinformationsdienstes Markit. Dafür haben sich die Analysten den griechischen PMI-Index - Purchasing Management Index - genauer angesehen. Er bildet die Industrieproduktion eines Staates ab und gilt als wichtiger Indikator für die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit eines Landes. Das Ergebnis der Analyse ist alarmierend, denn die Zahlen zeigen, dass sich die bereits in den vergangenen Jahren arg gebeutelte Wirtschaft des Landes seit Jahresbeginn im freien Fall befindet.

Die Grafik oben zeigt, dass das Bruttoinlandsprodukt (hier in Grün) mit Beginn der Krise 2008 erstmals um mehr als 6 Prozent unter Vorjahresniveau fiel und in den Jahren danach weiter absackte. Erst Anfang 2015 wuchs es wieder - aber nur kurz.

Der PMI (in der Grafik blau) sank in diesem Zeitraum auf den Wert von 30 und damit ins Bodenlose. Denn alle Werte unter 50 bedeuten einen Rückgang der industriellen Produktion. In der Folge bedeutet das, dass die Firmen weniger Produkte verkaufen (auch im Ausland) und damit auch weniger Arbeitskräfte gebraucht werden. Das wiederum befeuert die Arbeitslosigkeit - die Wirtschaft gerät in einem Teufelskreis.

Besserung ist nicht in Sicht: Denn die Analysten weisen darauf hin, dass die Auftragslage für die griechischen Unternehmen mehr als dürftig ist. Die Arbeitslosenquote liegt unverändert hoch bei etwa 25 Prozent.

Phil Smith, Wirtschaftswissenschaftler bei Markit Economics, kommentiert die Entwicklung folgendermaßen:

"Die Produktionsleistungen sind im Juli zusammengebrochen, da die Schuldenkrise im vergangenen Monat ihren Höhepunkt erreicht hat. Die Fabriken verzeichneten einen Rekordrückgang der Auftragslage, sie waren oftmals nicht in der Lage, dringend benötigten Güter - vor allem aus dem Ausland - zu erwerben. Die vorübergehenden Bankenschließungen und Kapitalbeschränkungen haben die griechische Wirtschaft stark in Mitleidenschaft gezogen."

Smith erklärte außerdem:

"Es ist noch nicht vorherzusehen, wie lange es dauert, bis sich die Unternehmen wieder erholen".

Eine äußerst treffende Reaktion auf die Studie postete Joseph Weisental, Moderator beim US-Wirtschaftssender Bloomberg auf Twitter. Er habe solch eine Entwicklung "noch nie zuvor gesehen".

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