POLITIK
03/08/2015 21:02 CEST | Aktualisiert 04/08/2015 09:32 CEST

Ein Flüchtling dokumentiert seine gefährliche Reise von Afrika nach Europa

Abdou Diouf strahlt in die Kamera. Neben ihm steht eine junge Frau. So unbekümmert wie der Senegalese lächelt, ist schwer vorstellbar: Der junge Mann aus Dakar hat eine Reise vor sich, die ihn das Leben kosten könnte. Die Reise nach Europa.

Denn Diouf will aus seinem Heimatland fliehen, über den Landweg nach Marokko und von dort über das Meer nach Spanien. Seine gefährliche Reise dokumentiert er bei Instagram.

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Ein von Abdou Diouf (@abdoudiouf1993) gepostetes Foto am


"Heute starte ich einen neuen Traum. Heute starte ich meine Reise nach Europa, für eine bessere Zukunft für meine Familie“, schreibt er unter dem ersten Bild, das er vor einer Woche postete und das ihn noch in seiner Heimat zeigt.

Auf einem anderen Bild sieht man einen Teller Essen. "Das ist die letzte Mahlzeit, die meine Mutter gekocht hat. Diese Reise ist für sie, denn sie ist zu alt zum arbeiten.“, erklärt er den Grund für seine geplante Flucht.


Die erste Etappe seiner Reise: Die Hafenstadt Nouadhibou in Mauritanien. Zu Beginn ist Diouf anscheinend auf dem Motorrad eines Freundes unterwegs.


Doch bereits auf einem nur wenige Tage später geposteten Bild, sieht man den jungen Flüchtling bei einem schweißtreibenden Fußmarsch. „Wir laufen seit zwei Tagen. Der Guide sagt, wir dürfen nicht anhalten, oder wir verlieren die 2000 Euro, die wir für das Boot gezahlt haben.“


Die Nacht verbringt Diouf anscheinend mit anderen Flüchtlingen am Lagerfeuer in der Wüste kurz vor Marokko. „Nichts zu essen. Nur Saft und Kekse. Feuer gegen die Kälte“, schreibt der Senegalese, der auf dem Bild von den Strapazen der Reise bereits gezeichnet scheint.


Das nächste Bild zeigt Diouf bei der Grenzüberquerung im Kofferraum eines Fahrzeugs. Sein Blick wirkt angsterfüllt. „Wünscht mir Glück“, kommentiert er.


Das Glück scheint bis dahin auf seiner Seite zu sein. Auf einem später geposteten Bild sieht man den Senegalesen mit anderen Flüchtlingen auf einem Schlauchboot. Es ist dunkel. „Endlich: Kein Geld mehr und kein großes Boot. Der einzige Weg zur Überfahrt ist dieses kleine, aufblasbare Boot.“


Und auch die Ankunft an der spanischen Küste gelingt. Noch am Strand nimmt Diouf ein Bild auf. Im Vordergrund lacht er in die Kamera, im Hintergrund umarmen sich zwei seiner Freunde. Sie haben die Überfahrt überlebt. "Endlich im Land der Möglichkeiten. Wir sind sehr müde aber glücklich. Was eine gefährliche Reise."


Doch grade die Schattenseiten der riskanten Flucht sind es, die auf dem Instagram-Profil Dioufs deutlich werden. Nur kurz nach dem Foto seiner Ankunft in Spanien, veröffentlicht er ein Foto, das ihn allem Anschein nach im Würgegriff eines Polizisten zeigt. "Das Willkommen der Polizei in der Nähe des Strandes. Sie sind keine Freunde von illegalen Träumern."


In Thermodecken gehüllt geht es für den Senegalesen und andere Flüchtlinge in ein Auffanglager. Das dazugehörige Bild ist fünf Tage alt. Gestern veröffentlichte er ein weiteres Video, das ihn und zwei seiner Freunde zeigt. Diouf lacht in die Kamera. Wie seine Geschichte weitergeht, ist nicht abzusehen. Wie die HuffingtonPost USA von Diouf erfuhr, befindet sich dieser im spanischen Tarifa. Ob die Odyssee dort ein jähes Ende nimmt, oder sich der junge Mann weiter auf der Suche nach einem besseren Leben durch Europa kämpft - vielleicht erfahren wir es bei Instagram.


Update 4.8.2015, 9 Uhr:Wie sich nun herausstellte, handelt es sich bei den Instagram-Fotos wohl um gestellte Aufnahmen, die im Rahmen der Foto-Ausstellung GETXOPHOTO entstanden sind. So sei der Account abdoudouif1993 ursprünglich von einer spanischen Werbeagentur erstellt worden, berichtete die Huffington Post UK. Der Protagonist auf den Fotos soll der spanisch-senegalesische Beach-Handballspieler Hagi Toure sein, der sich für die Kampagne als Model zur Verfügung stellte.


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